Tempounterschiede im Trab: So förderst du Schubkraft und Gleichgewicht

Tempounterschiede im Trab: So förderst du Schubkraft und Gleichgewicht

Tempounterschiede im Trab gehören für mich zu den Übungen, die im Alltag vieler Freizeitreiter viel zu selten geritten werden. Immer wieder beobachte ich bei meinen Reitschülern, dass sie während einer Reiteinheit über längere Zeit im gleichen Trabtempo unterwegs sind. Dabei können gezielte Übergänge innerhalb des Trabes die Schubkraft fördern, das Gleichgewicht verbessern und die Hinterhand aktivieren.

Tempounterschiede im Trab sind dabei keineswegs nur etwas für Turnierreiter. Sie eignen sich für jeden Freizeitreiter, der sein Pferd gesund gymnastizieren und abwechslungsreich trainieren möchte.

In diesem Beitrag stelle ich dir drei konkrete Übungen vor, mit denen du Tempounterschiede im Trab reiten kannst. Außerdem besprechen wir gängige Probleme, etwa wenn das Pferd eilig oder die Übergänge hektisch werden.

Was sind Tempounterschiede im Trab?

Tempounterschiede im Trab sind Übergänge zwischen kürzeren und größeren Trabtritten, bei denen dein Pferd Takt, Losgelassenheit und Gleichgewicht beibehält.

Wir unterscheiden folgende Trabtempi:

  • Versammelter Trab
  • Arbeitstrab
  • Mitteltrab
  • Starker Trab

Dabei ist der Arbeitstrab in der Regel das „normale“ Trabtempo deines Pferdes. Beim versammelten Trab werden die Trabtritte kürzer und erhabener, weil dein Pferd eine stärkere Hankenbeugung zeigt. Das bedeutet, es setzt sich hinten tiefer und nimmt mehr Last auf. Der Raumgriff wird beim versammelten Trab geringer und die Bewegung geht mehr nach oben.

Beim Mitteltrab und beim starken Trab wird der Raumgriff größer und die Bewegung geht mehr nach vorne. Die Trabtritte werden weiter, was du daran erkennst, dass die Hinterhufe deutlich über die Spur der Vorderhufe hinaus fußen. Wichtig ist dabei, dass dein Pferd den Takt beibehält und nicht vorwärtseilt.

Sowohl das Verkürzen als auch das Verlängern der Trabtritte erfordern Kraft aus der Hinterhand und ein gutes Gleichgewicht. Beides sind wichtige Voraussetzungen für eine gesunderhaltende Gymnastizierung deines Pferdes.

Praxistipp:
Versuche nicht sofort, einen perfekten versammelten Trab oder Mitteltrab zu reiten. Beginne stattdessen mit kleinen Tempounterschieden. Lege auf der langen Seite einige Tritte zu und nimm dein Pferd vor der Ecke wieder etwas zurück. So entwickelst du Schritt für Schritt ein Gefühl für Tempounterschiede im Trab.

Warum Tempounterschiede im Trab wichtig sind

Tempounterschiede im Trab gehören zu den wichtigsten gymnastizierenden Übungen im Dressurtraining, da sie Schubkraft, Gleichgewicht und die Aktivität der Hinterhand fördern.

Viele Pferde bewegen sich im alltäglichen Training überwiegend in ihrem gewohnten Tempo. Dadurch lernen sie nur begrenzt, ihr Tempo und ihre Trittlänge an die Anforderungen des Reiters anzupassen. Durch gezielte Tempounterschiede forderst du dein Pferd dazu auf, mehr Last mit der Hinterhand aufzunehmen und anschließend wieder vermehrt Schub zu entwickeln.

Besonders wertvoll ist dabei der Wechsel zwischen verkürzenden und verlängernden Trabtritten. Beim Verkürzen (Versammlung) muss dein Pferd sein Gleichgewicht neu organisieren und die Hinterbeine vermehrt unter den Schwerpunkt setzen. Beim Zulegen (Verstärkung) soll es die gewonnene Energie nutzen, um größere Tritte zu entwickeln, ohne dabei eiliger zu werden oder auf die Vorhand zu fallen.

Für welche Pferde eignen sich diese Übungen?

Die Übungen, die ich dir gleich vorstelle, eignen sich grundsätzlich für alle gesunden Reitpferde. Dabei spielt es keine Rolle, ob du Freizeitreiter bist, ein junges oder älteres Pferd hast oder welche Rasse du reitest.

Vielleicht denkst du jetzt: „Mein Pferd hat gar nicht die Gänge dafür.“ Doch genau darum geht es bei dieser Übung nicht. Du musst keinen spektakulären Mitteltrab oder einen perfekt versammelten Trab reiten können. Ziel ist es vielmehr, dass dein Pferd lernt, sein Tempo bewusst zu variieren und dabei Takt, Gleichgewicht und Losgelassenheit beizubehalten.

Auch Haflinger, Kaltblüter oder Pferde mit eher begrenztem Raumgriff profitieren von Tempounterschieden im Trab. Entscheidend ist nicht, wie groß die Veränderung ausfällt, sondern dass dein Pferd lernt, auf deine Hilfen zu reagieren und sich zwischen etwas mehr und etwas weniger Tempo auszubalancieren.

3 Übungen für Tempounterschiede im Trab

Übung 1: Versammelter Trab und Arbeitstrab

  1. Reite ganze Bahn im Trab.
  2. Reite in der Ecke eine Volte in einem etwas versammelteren Tempo.
  3. Nach der Volte: zurück in den Arbeitstrab.
  4. In der nächsten Ecke: wieder eine Volte im versammelten Tempo.

Diese Übung soll dich zunächst an die Tempounterschiede heranführen. Achte in den Volten darauf, dass dein Pferd korrekt gestellt und gebogen ist und dass die Volten nicht zu klein oder zu groß werden. Ich empfehle dir außerdem, die Volten im Aussitzen zu reiten, da du dann noch besser auf dein Pferd einwirken kannst.

Übung 2: Versammelter Trab und Mitteltrab

  1. Reite ganze Bahn im Trab.
  2. Reite in der Ecke eine Volte im versammelten Trab.
  3. Nach der Volte: Zulegen bzw. Mitteltrab.
  4. Vor der nächsten Ecke: Tempo zurücknehmen.
  5. In der Ecke: Volte im versammelten Trab.

In dieser Übung kommt das Zulegen an der langen Seite hinzu. Dabei entsteht folgendes Wechselspiel: In der Volte muss dein Pferd mit der Hinterhand vermehrt Last aufnehmen, beim Zulegen förderst du die Schubkraft aus der Hinterhand.

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Praxistipp:
Nutze für die Übung nur eine lange Seite und wiederhole sie nicht zu oft, da sie viel Kraft von deinem Pferd fordert. Auch hier gilt: lieber ein paar wenige gute Tritte im Mitteltrab als die gesamte lange Seite im hektischen Vorwärtseilen.

Übung 3: Tempounterschiede im Trab über Stangen

Ein häufiges Problem beim Zulegen ist, dass die Pferde eilig und hektisch werden. Hier können Stangen helfen, da sie mit den passenden Abständen den Pferden Takt und Raumgriff vorgeben. Außerdem fördern die Stangen zusätzlich die Hinterhand, da sich dein Pferd noch etwas mehr vom Boden abdrücken muss.

  1. Platziere an der langen Seite 3–4 Trabstangen.
  2. Wähle die Abstände etwas weiter als für den normalen Arbeitstrab.
  3. In der Ecke: Volte im versammelten Tempo.
  4. Lange Seite: Zulegen bzw. Mitteltrab über die Stangen.
  5. Vor der nächsten Ecke: Tempo zurücknehmen.
  6. In der Ecke: Volte im versammelten Trab.
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Praxistipp:
Die Abstände der Trabstangen hängen immer von der Größe des Pferdes und seinem Raumgriff ab. Beim Arbeitstrab sind das ca. 1,20–1,40 m.

Typische Fehler beim Reiten von Tempounterschieden im Trab

Gerade am Anfang fühlen sich Tempounterschiede im Trab oft schwieriger an, als sie aussehen. Das ist völlig normal. Die folgenden Probleme sehe ich bei meinen Reitschülern besonders häufig.

Mein Pferd wird beim Zulegen nur schneller

Das ist wahrscheinlich der Klassiker. Eigentlich möchtest du größere Trabtritte bekommen, doch stattdessen rennt dein Pferd einfach los. In diesem Moment fehlt meist noch das Gleichgewicht, um die Energie aus der Hinterhand wirklich in einen größeren Raumgriff umzusetzen.

Praxistipp:
Reite nur wenige Tritte im größeren Tempo und komme dann wieder in den Arbeitstrab zurück. Lieber drei gute Tritte als eine halbe lange Seite, auf der dein Pferd nur eiliger wird.

Mein Pferd verliert den Takt

Wenn der Trab unregelmäßig wird, war die Aufgabe wahrscheinlich noch etwas zu schwer. Oft hilft es, die Tempounterschiede kleiner zu gestalten und die Trabtritte zunächst nur minimal zu verkürzen oder zu verlängern.

Der Takt hat immer Vorrang. Erst wenn dein Pferd ruhig und gleichmäßig trabt, kannst du die Unterschiede nach und nach erweitern und deutlicher reiten.

Mein Pferd fällt auf die Vorhand

Besonders beim Zulegen passiert es schnell, dass das Pferd sozusagen nach „vorne kippt“ und sich auf die Hand legt. Hier fehlt häufig eine noch bessere Aktivität aus der Hinterhand.

Praxistipp:
Richte dein Pferd vor dem Zulegen kurz auf, sodass es etwas mehr unter den Schwerpunkt tritt. Genau deshalb ist die Kombination aus Volte und gerader Linie, wie oben beschrieben, sehr sinnvoll.

Fazit

Tempounterschiede im Trab sind weit mehr als ein Wechsel zwischen langsam und schnell. Richtig geritten fördern sie Schubkraft, Gleichgewicht, Lastaufnahme und die Fähigkeit deines Pferdes, sich zwischen Versammlung und Verstärkung auszubalancieren.

Perfekte Tempounterschiede entstehen nicht in einer einzigen Trainingseinheit. Entscheidend ist auch nicht, wie spektakulär die Verstärkung aussieht, sondern dass dein Pferd lernt, sich zwischen etwas mehr und etwas weniger Tempo auszubalancieren, ohne dabei Takt und Losgelassenheit zu verlieren.

Zum Weiterlesen:
Über das Tritte verlängern zum Mitteltrab – so klappt es!