Wie oft du dein Pferd reiten solltest, ist eine der häufigsten Fragen von Freizeitreitern. Wenn ich ehrlich bin, ist die Frage aber eigentlich falsch gestellt. Denn die meisten Reiter suchen dabei nach einer festen Zahl. Also zum Beispiel: „Wie oft sollte man ein Pferd reiten? 3–5x pro Woche?“
Für viele Freizeitpferde sind 3 bis 5 sinnvolle Trainingseinheiten pro Woche ausreichend. Entscheidend ist dabei aber nicht die Anzahl der Reittage, sondern die Qualität des Trainings sowie ausreichend Regeneration.
Und ganz so einfach ist es dann am Ende des Tages auch wieder nicht.
Wie oft du dein Pferd reiten solltest, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel vom Alter deines Pferdes, seinem Trainingszustand, der Haltung oder auch der Intensität des Trainings. Und genau an diesem Punkt wird es spannend: Was zählt eigentlich überhaupt als Training?
Eines kann ich dir schon jetzt sagen: Die meisten Freizeitreiter bewegen ihre Pferde zu wenig und ohne echten Trainingsgedanken. Und genau deshalb schauen wir uns in diesem Artikel nicht einfach irgendeine Zahl an, sondern die Frage, was dein Pferd wirklich braucht.
Gibt es überhaupt eine Zahl, wie oft du dein Pferd reiten solltest?
Nein, es gibt keine feste Zahl, wie oft in der Woche du dein Pferd reiten solltest. Auch wenn viele sich das wünschen würden oder einige Trainer auch Zahlen nennen. Es gibt allerhöchstens Richtwerte. Als grobe Orientierung gilt häufig: Mit zwei Trainingseinheiten pro Woche lässt sich der aktuelle Trainingszustand oft erhalten. Mit drei oder mehr sinnvollen Einheiten lassen sich bei vielen Pferden bereits Veränderungen erzielen.
Wie oft dein Pferd in der Woche geritten werden sollte, entscheidest am Ende des Tages du. Aber es macht wenig Sinn, ein gerade mal 4 Jahre altes Pferd 5x pro Woche in einem intensiven Training zu reiten. Warum? Weil das Pferd sozusagen in der Grundschule ist, du mit diesem Trainingspensum aber die Qualitäten eines Abiturienten verlangst.
Von diesen Faktoren ist die Anzahl der Reittage pro Woche abhängig:
- Alter
- Trainingszustand
- Haltung
- Trainingsintensität
- Trainingsqualität

Wie oft reiten: Zwei Beispiele aus der Praxis
Oldenburger Gustav
Oldenburger Gustav ist 15 Jahre alt und wird 5x pro Woche überwiegend im Schritt ins Gelände geritten. Die Intensität ist gering, die Qualität dürftig und langfristig ist das auch nicht gut. Verstehe mich nicht falsch! Ausreiten ist absolut wichtig für ein abwechslungsreiches Pferdetraining, aber ein Training ausschließlich im Schritt reicht langfristig meist nicht aus, um Muskulatur, Tragkraft und Kondition gezielt zu verbessern. Um den Rumpftrageapparat, Bauch- und Rückenmuskulatur zu trainieren, müssen wir im Trab und Galopp arbeiten. Denn all diese Dinge sind wichtig, damit dein Pferd dich gesund tragen kann. Zum Beispiel bei einem gemütlichen Ausritt im Schritt.
Zum Weiterlesen:
Ist Schrittreiten zum Aufwärmen gut und vertretbar für den Pferderücken?
Haflinger August
Haflinger August ist 5 Jahre alt und wird 3x pro Woche geritten und 2x pro Woche anderweitig bewegt. Das Reiten von August wird abwechslungsreich gestaltet. Mal auf dem Reitplatz, mal über Stangen und mal ins Gelände. Die gleichmäßige Gymnastizierung auf beiden Händen steht dabei im Mittelpunkt.
August soll für dich ein Beispiel sein, wie es eigentlich aussehen sollte. Was wir aber häufig zu sehen bekommen, sind Pferde, die 5-jährig A laufen und L-fertig sind. L-Lektionen oder auch L-Sprünge das sind die obengenannten Anforderungen an einen Abiturienten. Das ist ganz sicher aber nicht das, was ein 5 Jahre altes Pferd leisten muss. Und ganz ehrlich? Müssen wir uns dann wirklich darüber wundern, dass viele Pferde mit 18 Jahren platt sind? Nein, müssen wir nicht.
Wie oft sollte ein Freizeitpferd geritten werden?
Lass uns an dieser Stelle mal kurz definieren, was wir als Freizeitpferd bezeichnen. Ein Freizeitpferd dient in erster Instanz der Ausübung des Hobbys Reiten. Der Freizeitreiter nimmt vielleicht auch mal an einer Prüfung auf dem Turnier teil, aber überwiegend findest du ihn auf dem Reitplatz oder im Gelände. Das typische Freizeitpferd ist zwischen 5 und 20 Jahren alt.
Wie ich eingangs schon erwähnt habe, ist bei Freizeitpferden das Problem nicht, dass sie zu häufig geritten werden, sondern eher, dass sie zu wenig trainiert werden. Aus meiner Sicht reichen zwei Trainingseinheiten pro Woche bei vielen Pferden dafür aus, den aktuellen Trainingszustand zu erhalten. Ich schreibe auch ganz bewusst „trainiert“ und nicht „bewegt“, denn du bist dafür verantwortlich, dein Pferd gesunderhaltend zu trainieren. Wenn du gerne ausreiten gehst, dann mach das, aber dann gymnastiziere dein Pferd mindestens einen weiteren Tag in der Woche auf dem Reitplatz, damit du eben noch lange Spaß im Gelände hast.
Meinen Reitschülern empfehle ich immer, ihr Pferd 3x pro Woche zu trainieren. Idealerweise mit einem Tag Pause dazwischen, was nicht zwangsläufig bedeutet, dass du an diesem „Pausentag“ nichts mit deinem Pferd machen darfst. Es geht eher darum, dass du nicht an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einen Trainingsreiz setzt.
Zum Weiterlesen:
Training mit deinem Pferd – Reitest du noch oder trainierst du schon?
Und wenn das doch mal so ist, weil du beispielsweise einen 2-tägigen Lehrgang reitest? Dann ist das so. Und für ein trainiertes Pferd ist das auch gar kein Problem.
Um auf die Eingangsfrage „Wie oft sollte ein Freizeitpferd geritten werden?“ zurückzukommen: Theoretisch musst du gar nicht reiten. Trainingsreize kannst du auch anders setzen. Praktisch gesehen haben wir das Pferd ja in der Regel, weil wir reiten möchten. Ein gut trainiertes Pferd kann meiner Meinung nach 4-5x pro Woche geritten werden. Die anderen Tage darfst du deinem Pferd ruhig „rückenfrei“ geben.

Dein Alltag, dein Pferd, dein Training
Job, Haushalt, eventuell Kinder – wir alle wissen, dass das Hobby Reiten nicht nur kostenintensiv, sondern auch zeitintensiv ist. Ich kann dir nur raten, passe das Training mit deinem Pferd auf deine Bedürfnisse an. Wenn die Zeit zum Reiten mal fehlt, dann trainiere dein Pferd anders, solange es sinnvoll ist.
Praxistipp:
Wenn du gerne Ausreiten gehst, dann mach doch daraus mal ein Training: Bergauf, bergab, eine Volte am Wegesrand, im Trab das Tempo variieren, auf der Galoppstrecke mal im etwas versammelteren Tempo reiten – deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Und wenn du mal zwei Wochen im Urlaub bist, dann ist das so. Du allein bist dafür verantwortlich, wo der Weg mit deinem Pferd hingeht und wie du ihn gestalten möchtest.
Warum tägliches Reiten problematisch ist
Pferde sind nicht nur Flucht- und Herdentiere, sondern auch Bewegungstiere. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie auch täglich geritten werden sollten oder gar müssen. Denn zwischen Bewegung und einem Training besteht ein großer Unterschied.
Jede intensivere Reiteinheit setzt einen Trainingsreiz. Ab wann es wirklich ein Trainingsreiz ist, ist allerdings wieder sehr individuell vom Pferd abhängig. Für einige Pferde kann bereits eine Bodenarbeitseinheit einen Trainingsreiz setzen. Das ist ganz wichtig, wenn du dir einmal bewusst machen möchtest, womit du bei deinem Pferd einen Trainingsreiz setzt.
Bei einem Reittraining werden Muskulatur, Faszien, Sehnen, Gelenke und nicht zuletzt auch der Rücken deines Pferdes belastet. Damit sich diese Strukturen anpassen und langfristig stärker werden können, brauchen sie Zeit zur Erholung. Deswegen macht es nur wenig Sinn, jeden Tag ein intensives Reittraining zu absolvieren mit der Begründung, das Pferd sei ja ein Bewegungstier.
Wenn du dein Pferd dauerhaft ohne ausreichende Erholung reitest, kann das langfristig zu Problemen führen. Die Muskulatur wird nicht ausreichend regeneriert, Verspannungen können entstehen und die Leistungsfähigkeit nimmt häufig sogar ab, obwohl du scheinbar sehr viel trainierst.
Diese gesamte Problematik kannst du mal mit dir vergleichen. Stell dir einmal vor, du willst einen Halbmarathon laufen – mal ganz unabhängig davon, dass die meisten Reiter für so etwas keine Zeit haben, aber wir nehmen das jetzt einfach mal an. Du startest in das Training und steigerst dein Training langsam. Bis zum Schluss wird es aber niemals so sein, dass du jeden Tag trainierst. Zwischen deinen Lauftrainings sind immer Regenerationstage. Und genauso muss das auch bei deinem Pferd sein.
Praxistipp:
Das bedeutet natürlich nicht, dass dein Pferd an reitfreien Tagen nur auf der Weide stehen muss. Im Gegenteil: Bewegung ist wichtig. Du kannst mit deinem Pferd spazieren gehen, es locker longieren, einen gemütlichen Ausritt oder Bodenarbeit machen. All das hilft deinem Pferd dabei, aktiv zu bleiben, ohne erneut einen intensiven Trainingsreiz zu erhalten.
Jedes Pferd benötigt Tage, an denen es nicht geritten wird. Nicht weil Reiten grundsätzlich für dein Pferd schädlich ist, sondern weil Training und Regeneration immer zusammengehören.

Was wichtiger ist als die Anzahl der Reiteinheiten
In meinen Reitstunden sehe ich häufig Pferde, die nur zwei- oder dreimal pro Woche trainiert werden und trotzdem deutlich besser gymnastiziert sind als andere Pferde, die fast täglich gearbeitet werden. Nicht weil ihre Besitzer mehr Zeit haben, sondern weil sie bewusster und effektiver trainieren.
Wenn Reiter darüber diskutieren, wie oft ein Pferd geritten werden sollte, dreht sich das Gespräch fast immer um die Anzahl der Reittage. Dreimal pro Woche? Viermal? Täglich? Aus meiner Sicht ist das aber die falsche Frage.
Viel wichtiger ist, was du in der jeweiligen Einheit mit deinem Pferd machst.
Dein Pferd profitiert nicht davon, möglichst oft gearbeitet zu werden. Es profitiert von sinnvoll gesetzten Trainingsreizen, ausreichend Regeneration und einem abwechslungsreichen Training. Drei durchdachte Trainingseinheiten können deutlich wertvoller sein als ein tägliches Programm, bei dem dein Pferd immer wieder das Gleiche macht oder kein spezifischer Trainingsreiz gesetzt wird.
Frage dich deshalb nicht nur, wie oft du reiten solltest, sondern auch:
- Trainiere ich mein Pferd wirklich, oder bewege ich es nur?
- Arbeite ich an Kraft und Gleichgewicht?
- Gymnastiziere ich mein Pferd sinnvoll?
- Bekommt mein Pferd ausreichend Erholung?
- Ist mein Training abwechslungsreich gestaltet?
- Was sind die Defizite meines Pferdes und wie kann ich daran arbeiten?
Genau hier liegt der Schlüssel zu einem gesunden und motivierten Reitpferd. Denn am Ende entscheidet nicht die Anzahl der Reiteinheiten darüber, ob dein Pferd langfristig gesund bleibt, sondern die Qualität deines Trainings.
Ein Pferd, das 3x pro Woche sinnvoll gearbeitet wird, kann körperlich besser dastehen als ein Pferd, das nahezu täglich bewegt wird. Qualität schlägt Quantität, und das gilt im Pferdetraining genauso wie in vielen anderen Bereichen.
Fazit: Wie oft sollten wir reiten?
Wie oft du dein Pferd reiten oder besser gesagt trainieren solltest, lässt sich nicht pauschal beantworten. Alter, Trainingszustand, Haltung und Intensität spielen eine wichtige Rolle. Für viele Freizeitpferde sind drei bis fünf sinnvolle Trainingseinheiten pro Woche ein guter Richtwert. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Trainingstage, sondern ob die Qualität des Trainings für dein Pferd stimmt.





