Gymnastizierung leicht gemacht: So wird dein Pferd fit

Gymnastizierung leicht gemacht: So wird dein Pferd fit

Du hast bestimmt auch schon mal davon gehört, dass du dein Pferd gymnastizieren musst. Was bedeutet aber Gymnastizierung? Wofür ist das gut? Und welche Übungen sind dafür besonders gut geeignet? Diese Fragen möchte ich in diesem Beitrag erörtern.

Was bedeutet eigentlich Gymnastizierung?

Der Begriff Gymnastizierung kommt von Gymnastik und bezeichnet die systematische und gezielte Förderung der körperlichen Fitness, Beweglichkeit und Muskulatur des Pferdes durch spezielle Übungen. Das Ziel der Gymnastizierung ist es, das Pferd muskulär zu kräftigen, das Gleichgewicht zu fördern sowie Koordination und Kondition zu steigern. Du solltest immer im Hinterkopf haben, dass unsere Pferde zum einen nicht dafür gebaut sind, uns beim Reiten durch die Gegend zu tragen, und zum anderen eine natürliche Schiefe haben. Aufgrund der natürlichen Schiefe hat dein Pferd immer eine Lieblingsseite und eine Seite, auf der alles etwas schwerer fällt. Als Reiter ist es deine Aufgabe, dein Pferd regelmäßig und gleichmäßig auf beiden Händen zu trainieren – oder in anderen Worten: zu gymnastizieren.

Gymnastizierung durch das Reiten von Übergängen

Übergänge sind eine der wichtigsten Lektionen beim Reiten. Aber bitte korrekt geritten, denn nur dann wird ein Übergang wertvoll für dein Pferd. Wenn du beispielsweise vom Trab zum Schritt durchparieren möchtest, dann macht es wenig Sinn, am Zügel zu ziehen, bis dein Pferd im Schritt ist. So geritten fällt dein Pferd auf die Vorhand, es fehlt der Schub aus der Hinterhand und der Schritt ist in den meisten Fällen weder raumgreifend noch schreitend.

Deine Übergänge werden deutlich besser, wenn du aktiv in die neue Gangart hineinreitest. Nehmen wir wieder das Beispiel mit dem Übergang vom Trab zum Schritt. Bevor du den Übergang reitest, bereitest du dein Pferd mit halben Paraden entsprechend vor. Du setzt deine Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen ein. Dabei schließt du dein Pferd etwas mehr, und die Hinterhand tritt vermehrt unter. Erst wenn du das gemacht hast, erfolgt der eigentliche Übergang zum Schritt durch eine annehmende Zügelhilfe. Sobald dein Pferd im Schritt ist, wirst du mit der Hand wieder weich, das heißt, es folgt eine nachgebende Zügelhilfe. Reite den ersten Schritt aktiv mit deinen Gewichts- und Schenkelhilfen. Nur so wird der Schritt schreitend und raumgreifend.

Praxistipp:
Dein Pferd ist kein Auto, welches du bremsen kannst, indem du weniger Gas gibst oder es schneller machst, indem du Gas gibst. Stell dir beim Reiten von Übergängen immer vor, dass du in die neue Gangart aktiv hineinreiten möchtest. Für dieses bewusste Reiten von Übergängen sind anfangs Pylonen sehr hilfreich. Markiere dir einige Punkte mit Pylonen und reite hier bewusst die Übergänge.

Reiten von Übergängen innerhalb einer Gangart

Sei mal ehrlich zu dir selbst: Wann bist du das letzte Mal Übergänge innerhalb einer Gangart geritten? Wenn wir über Übergänge zur Gymnastizierung sprechen, dann denken die meisten Reiter ausschließlich an die Übergänge von Gangart zu Gangart. Häufig auch mit der Begründung, dass das eigene Pferd keinen versammelten Trab oder Mittelgalopp kann und somit Übergänge innerhalb einer Gangart nicht in Frage kommen.

Und soll ich dir mal etwas verraten? Du brauchst keinen Dressurkracher, um Übergänge innerhalb einer Gangart zu reiten. Es muss auch kein perfekter versammelter Trab oder Mittelgalopp sein, um dein Pferd zu gymnastizieren. Ein einfaches „mal zulegen an der langen Seite“ ist bereits ein Übergang innerhalb einer Gangart. Oder wenn du dein Pferd in einer Volte etwas mehr aufnimmst und die Hinterhand dabei vermehrt untertritt. Das sind bereits Übergänge innerhalb einer Gangart und das kannst auch du mit deinem Pferd.

Gymnastizierung auf gebogenen Linien

Der Zirkel ist zweifelsohne die am häufigsten gerittene Hufschlagfigur. Gleichzeitig ist ein korrekt gerittener Zirkel aber auch eine sehr anspruchsvolle Hufschlagfigur. Wie du vielleicht aus eigener Erfahrung weißt, ist es gar nicht so einfach, einen wirklich runden Zirkel zu reiten und dein Pferd auf dieser Linie gleichmäßig zu biegen. Was wir viel häufiger sehen, sind halbrunde Eier und Pferde, die auf die innere Schulter fallen.

Praxistipp:
Nimm dir mal die Zeit und mach dir bewusst, wie der Zirkel aussehen muss, wie sich dein Pferd auf dem Zirkel bewegen sollte und mit welchen Hilfen du es unterstützen kannst. Lass in deinem Kopf ein Video von deinem perfekten Zirkel ablaufen und spiele dieses Video immer wieder ab, wenn du einen Zirkel reitest. Hinterfrage dich selbstkritisch, wie dein Zirkel aussah und was du das nächste Mal besser machen kannst.

Jede gebogene Linie trägt zur Gymnastizierung deines Pferdes maßgeblich bei. Du steigerst die Biegsamkeit deines Pferdes, weil die äußere Körperseite gedehnt wird und das wiederum wirkt sich positiv auf die natürliche Schiefe aus. Der innere Hinterhuf muss vermehrt unter den Schwerpunkt treten, wodurch Muskulatur in der Hinterhand aufgebaut wird. Auf einer gebogenen Linie muss dein Pferd sein Gleichgewicht finden, damit es nicht auf die innere Schulter fällt oder mit der Hinterhand ausweicht.

Praxistipp:
Damit dein Pferd sein Gleichgewicht findet, musst auch du als Reiter ausbalanciert im Sattel sitzen. Das bedeutet, dass du unbedingt darauf achten solltest, auf gebogenen Linien nicht in der Hüfte abzuknicken oder dich „in die Kurve“ zu legen. Dein Pferd ist schließlich kein Motorrad.

Effektives Bauchmuskeltraining durch Seitengänge

Wenn wir über Seitengänge reden, dann über die echten Seitengänge. Beim Schenkelweichen bewegt sich dein Pferd zwar vorwärts-seitwärts, ist dabei aber nur gestellt und nicht gebogen. Deswegen ist das Schenkelweichen kein echter Seitengang. Das Schenkelweichen ist allerdings eine essenzielle Voraussetzung, wenn du mit deinem Pferd die echten Seitengänge wie das Schulterherein, Travers oder Renvers erarbeiten willst.

Praxistipp:
Wenn du mit deinem Pferd die Seitengänge erarbeiten möchtest, dann starte am Boden mit dem Schulterherein. Erst wenn dir diese Lektion am Boden gelingt, erarbeitest du dir das Schulterherein zunächst im Schritt vom Sattel aus. Achte darauf, dass du dein Pferd nicht nach innen überstellst oder es mit der äußeren Hinterhand ausweicht.

Bei den Seitengängen bewegt sich dein Pferd ebenfalls vorwärts-seitwärts, ist dabei aber gestellt und gebogen. Der innere Hinterhuf tritt unter den Schwerpunkt, wodurch wieder die Muskelaktivität in der Hinterhand gesteigert wird. Außerdem wird die Bauchmuskulatur angesprochen, die wie bei uns Menschen der Gegenspieler zur Rückenmuskulatur ist. Eine gesunde und gut entwickelte Rückenmuskulatur ist wichtig, um Schäden am Rücken vorzubeugen und schlussendlich auch damit dein Pferd dich gut tragen kann. Das bedeutet, dass Seitengänge eine sehr effektive Möglichkeit sind, um die Bauchmuskulatur immer wieder zu aktivieren und somit auch die Rückenmuskulatur anzusprechen.

An dieser Stelle möchte ich dir auch nochmal sagen: Für Seitengänge brauchst du keinen Dressurkracher. Jedes Pferd kann Seitengänge erlernen.

Links: Traversale (Seitengang), Rechts: Schenkelweichen

Koordinationsübungen zur Gymnastizierung

Koordinativ gesehen haben wir Menschen es einfacher als unsere Pferde. Wir müssen beim Gehen lediglich zwei Beine koordinieren. Dennoch wirst du sicher schon mal in der Situation gewesen sein, dass du „über deine eigenen Füße“ gestolpert bist. Jetzt stell dir einmal vor, du müsstest einen Hindernislauf absolvieren und dabei noch jemanden auf deinem Rücken tragen. Halleluja.

Unser Pferd muss vier Beine koordinieren. Damit es das richtig gut hinbekommt, ist es wichtig, bei der Gymnastizierung verschiedene Koordinationsübungen einfließen zu lassen. Das machen wir oft schon automatisch, denn die meisten Übungen, die die Koordination steigern, sind dir vermutlich nicht unbekannt.

Die Koordination trainierst du auf jeder gebogenen Linie: auf dem Zirkel oder beim Durchreiten einer Ecke. Etwas anspruchsvoller wird es, wenn du Handwechsel mit einfließen lässt. Zum Beispiel beim „aus dem Zirkel wechseln“. Dabei ist dein Pferd zunächst gebogen, über den Mittelpunkt richtest du es gerade und dann forderst du die neue Biegung. Ähnlich verhält es sich bei den „Schlangenlinien durch die ganze Bahn“. Dein Pferd muss sich bei jedem Handwechsel neu koordinieren und ausbalancieren.

Weitere koordinative Übungen sind das Schenkelweichen und die bereits besprochenen echten Seitengänge wie Schulterherein, Travers oder Renvers. Außerdem ist Stangen- und Cavalettiarbeit sehr effektiv.

Stangen- und Cavalettiarbeit für eine verbesserte Koordination

Wie du sicherlich schon mitbekommen hast, bin ich ein sehr großer Freund der Stangenarbeit. Stangenarbeit ist keine Geheimwaffe, kein Allheilmittel und löst nicht alle Probleme, aber sie ist sehr effektiv für viele Belange im Rahmen der Gymnastizierung für dein Pferd. Stangenarbeit fördert unter anderem die Losgelassenheit, schult das Gleichgewicht, aktiviert die Bauchmuskulatur und trainiert die Hinterhand.

Zum Weiterlesen:
So wird deine Stangenarbeit ein voller Erfolg

Im vorangegangenen Teil habe ich über Koordinationsübungen gesprochen. Wenn du im Trab über Stangen reitest, dann muss dein Pferd sehr genau koordinieren, wie hoch es seine Beine hebt und wo es die Hufe hinsetzt, ohne dabei über die Stangen zu fallen. Und das auch noch mit dir auf dem Rücken.

Praxistipp:
Die Abstände für Trabstangen betragen 1,20 – 1,40 m. Das genaue Maß ist immer von der Größe deines Pferdes und vom Raumgriff abhängig. Mit ein bisschen Erfahrung findest du schnell heraus, welche Abstände du für dein Pferd benötigst. Ist dein Pferd noch nicht vertraut mit der Stangenarbeit, dann starte zunächst mit einer Stange vom Boden aus. Nach und nach kannst du die Anzahl der Stangen erhöhen. Für ein effektives Training sind drei bis fünf Trabstangen ideal.

Dehnen zur Entspannung, aber auch zur Belohnung

Den Hals mal lang machen, ist wohl etwas, was viele Pferde nur am Anfang und Ende einer Trainingseinheit dürfen. In der Realität dürfen viele Pferde wahrscheinlich nicht einmal das, weil viele Reiter einfach aufsteigen, direkt die Zügel aufnehmen und am Ende die Zügel auf den Hals fallen lassen. Das hat auf jeden Fall reichlich wenig mit Dehnen zu tun.

Wir erinnern uns kurz: Gymnastizieren kommt von Gymnastik, und dazu gehört auch das Dehnen. Bei Pferden geht es hier um die Dehnung des Hals- und Rückenbereichs. Das geht am besten, wenn du dein Pferd in das sogenannte „Vorwärts-abwärts“ lässt. Dabei schmeißt du nicht die Zügel einfach weg, sondern hältst eine weiche Verbindung und animierst dein Pferd über halbe Paraden, die Nase abzusenken und den Hals lang zu machen.

Diese Dehnungshaltung muss nicht nur zum Ende einer Trainingseinheit erfolgen. Du darfst dein Pferd jederzeit auch zur Belohnung, wenn beispielsweise eine Lektion gut gelungen ist, ins „Vorwärts-abwärts“ entlassen und loben. Es gibt so viele Pferde, die es gar nicht kennen, den Hals lang zu machen. Du darfst mit deinem Pferd da gerne aus der Reihe tanzen und anders, aber besser, sein. Dein Pferd wird es dir danken.

Eine erfolgreiche Gymnastizierung braucht Regelmäßigkeit

Die Gymnastizierung eines Pferdes umfasst eine Vielzahl von Übungen, die alle darauf abzielen, das Pferd muskulär zu fördern, seine Beweglichkeit zu erhöhen und das Gleichgewicht zu verbessern. Um alle positiven Effekte zu erzielen, ist eine regelmäßige Durchführung wichtig. Nur so kann dein Pferd echte Fortschritte machen und sich weiterentwickeln.

So verbesserst du die Biegung bei deinem Pferd

So verbesserst du die Biegung bei deinem Pferd

Es gibt zwei Begriffe, die dir während deiner Reitausbildung immer wieder über den Weg laufen werden: Stellung und Biegung. Bei der Stellung wendet dein Pferd seinen Kopf minimal zur Seite, wobei der restliche Pferdekörper gerade bleibt. Bei der Biegung, oder auch Längsbiegung, ist dein Pferd gestellt, aber auch der Hals und Rumpf sind gebogen. Von oben betrachtet, ist dein Pferd von den Ohren bis zum Schweifansatz gleichmäßig gebogen.

Eine gleichmäßige Biegung bei deinem Pferd benötigt eine systematische Ausbildung

Die natürliche Schiefe ist der Grund dafür, dass sich unsere Pferde nicht direkt so schön gleichmäßig biegen wie wir uns das wünschen würden. Aufgrund der natürlichen Schiefe belasten Pferde nicht alle Beine gleichmäßig. Außerdem haben sie eine sogenannte hohle Seite, auf der die Muskulatur weniger dehnbar ist und eine steife Seite, auf der die Muskulatur besser dehnbar ist. In der freien Natur ist das alles kein Problem für ein Pferd. Damit unsere Pferde aber lange gesund bleiben und uns Reiter tragen können, müssen wir uns um eine gleichmäßige Gymnastizierung und damit verbunden um eine gleichmäßige Belastung der Beine kümmern.

Die sogenannte Biegearbeit hängt eng mit geraderichtenden Arbeit zusammen. Die Hinterhufe des Pferdes sollen, sowohl auf gerader als auch auf gebogener Linie, in die Spur der Voderhufe fußen. Das macht ein Pferd nicht von alleine, sondern du als Reiter musst das systematisch erarbeiten.

Pferd Biegung

Abbildung aus: VERSTEHEN statt auswendig lernen: Die Skala der Ausbildung

Die richtige Hilfengebung und dein Reitersitz

Wenn du dein Pferd Biegen möchtest, dann ist es gleichzeitig auch gestellt. Das erreichst du über den inneren Zügel. Der innere Zügel kümmert sich demnach um die Stellung. Der äußere Zügel lässt diese Stellung zu, das heißt, du musst hier etwas nachgeben. Außerdem begrenzt der äußere Zügel die Schulter deines Pferdes.

Dein innerer Schenkel liegt treibend am Gurt. Stell dir vor du möchtest mit deinem inneren Schenkel den Pferdebauch ein bisschen nach außen schubsen und so dein Pferd um deinen Schenkel herumbiegen. Der äußere Schenkel liegt aus der Hüfte heraus etwas weiter hinter dem Gurt. Er hat eine verwahrende Funktion. Das bedeutet, er begrenzt die Hinterhand deines Pferdes und sorgt dafür, dass die Hinterhand auf der Spur bleibt.

Außerdem ist dein innerer Gesäßknochen vermehrt belastet, aber nicht statisch, sondern in der Bewegung mitschwingend. Ein ausbalancierter und losgelassener Reitersitz ist Voraussetzung für das korrekte Reiten einer Biegung. Beim Reiten einer Biegung befindest du dich im Drehsitz. Was bedeutet das? Damit deine Schultern parallel zu den Schultern deines Pferdes ausgerichtet sind und deine Hüfte parallel zur Hüfte deines Pferdes, musst du auf der gebogenen Linie deine äußere Schulter und deine innere Hüfte etwas nach vorne schieben.

Zum Weiterlesen:
8 Übungen für ein besseres Reitgefühl im Sattel

Die Biegung deines Pferdes im Laufe der Ausbildung verbessern

Wenn wir über das Thema Biegung sprechen, dann sind wir ganz schnell beim Reiten auf dem Zirkel oder das Reiten einer Volte. Hier ist das Pferd natürlich auch gebogen, aber Biegung steckt noch in sehr viel mehr drin. Wir treffen die Biegung bildlich gesprochen tatsächlich in jeder Ecke, bei jedem Abwenden und auch bei jedem Handwechsel.

Bleiben wir mal bei den Ecken. Jede Ecke in der Reitbahn ist für sich betrachtet eine Viertelvolte. Die Volten werden mit zunehmender Ausbildung, von anfangs 10 m Durchmesser bis hin zu 6 m Durchmesser, immer kleiner. Deswegen werden die Ecken mit fortschreitender Ausbildung immer tiefer ausgeritten.

Was macht aber eigentlich ein junges, noch unausbalanciertes Pferd in einer Ecke? Es wird mit dem Hals nach außen drängen, um sich auszubalancieren. Dabei wird das innere Vorderbein stark belastet. Ohne Reiter wäre das alles kein Problem. Mit Reiter führt das langfristig aber zur Überbelastung und Schäden an den Gliedmaßen.

Deswegen sind die Ecken insbesondere zu Beginn der Ausbildung eine wunderbare Möglichkeit die Biegung zu fordern. Wichtig ist dabei, dass du dein Pferd nicht mit dem inneren Zügel rumziehst oder mit dem äußern Zügel in die Ecke reinziehst, sondern mit dem inneren Schenkel in die Ecke hineintreibst. Pylonen in den Ecken, um die du herumreiten kannst, können dir und deinem Pferd dabei als Orientierung helfen.

Handwechsel wie „Durch die ganze Bahn wechseln“ oder „Durch die Länge der Bahn wechseln“ fordern beim Abwenden auf die Diagonale bzw. auf die Mittellinie eine Biegung. Die Biegung beim Abwenden auf die Diagonale ist zwar nicht ganz so stark wie in den Ecken oder auf dem Zirkel, aber dein Pferd ist für einen kurzen Moment gebogen und du als Reiter musst das auch dementsprechend reiten.

Eine konsequente und gleichmäßige Biegung haben wir auf dem Zirkel und in der fortschreitenden Ausbildung auch auf der Volte. Während anfangs große Linien wie Zirkel geritten werden und die Biegung des Pferdes eher moderat ist, werden im Laufe der Ausbildung die Linien kleiner, wie zum Beispiel die 6 m Volte oder 6 m Kehrtvolten, und somit die Biegung des Pferdes, soweit anatomisch möglich, immer größer.

Pferd Biegung

Dein Ziel: Auch auf der gebogenen Linie soll dein Pferd mit den Hinterhufen in die Spur der Vorderhufe
Abbildung aus: VERSTEHEN statt auswendig lernen: Die Skala der Ausbildung

Von der Theorie in die Praxis: Deine nächsten Schritte

Bevor du das nächste Mal auf dein Pferd steigst, mach dir noch einmal die korrekte Hilfengebung bewusst. Dann starte zunächst im Schritt auf der ganzen Bahn. Stell dir folgende Fragen: Wie gut komme ich durch die Ecken? Ziehe ich an den Zügeln? Treibt mein inneres Bein? Wo ist die Hinterhand meines Pferdes? Weicht sie nach außen aus? Gibt es Unterschiede auf der rechten und linken Hand? Wiederhole die Aufgabe im Trab und beantworte die gleichen Fragen.

Anschließend reitest du auf dem Zirkel, wieder erst im Schritt und dann im Trab. Stell dir folgende Fragen: Ist dein Pferd den gesamten Zirkel gleichmäßig gebogen? Gibt es Unterschiede an der offenen und geschlossenen Zirkelseite? Gibt es Unterschiede auf der rechten und linken Hand?

Wenn du die Möglichkeit hast dann lass dich beim Reiten auf dem Zirkel filmen. Bricht die Schulter deines Pferdes aus? Bricht die Hinterhand deines Pferdes aus?

Sei wirklich kritisch was diese Fragen betrifft, denn dein Pferd wird grundsätzlich immer irgendwie eine Ecke, einen Zirkel oder eine Volte gehen können. Die Frage ist nur, wie gymnastizierend ist das Ganze für dein Pferd und handelt es sich um eine wirklich sinnvolle Biegearbeit. Das wiederum ist stark davon abhängig wie gut die Ecke, der Zirkel oder die Volte geritten ist.

11 Tipps für das Antrainieren deines Pferdes nach einer Pause

11 Tipps für das Antrainieren deines Pferdes nach einer Pause

Die Gründe für eine Pause bei unseren Pferden sind vielfältig. Es kann sich um eine verletzungsbedingte Pause handeln, um eine trächtigkeitsbedingte Pause oder du selbst hast ein Baby bekommen und bist während deiner Schwangerschaft nicht geritten. Auch ein langer, kalter und schneereicher Winter kann dazu führen, dass dein Pferd eine längere Pause hatte. Nun möchtest du dein Pferd wieder fit bekommen. Du möchtest dein Pferd nach der Pause wieder antrainieren.

1. Das Antrainieren nach einer Pause ist individuell für dein Pferd

Für das Antrainieren von deinem Pferd nach einer Pause gibt es keine Pauschallösung oder einen allgemeingültigen Trainingsplan. Das wäre auch zu schön um wahr zu sein. Aber genauso vielfältig wie die Gründe für eine Pause sind, genauso vielfältig ist auch die Ausgangslage deines Pferdes. Es macht einen großen Unterschied, ob dein Pferd wochenlang verletzt war und unter Umständen sogar Boxenruhe hatte oder ob dein Pferd im Winter einfach nur weniger bewegt wurde. Auch Letzteres lässt sich nicht pauschalisieren. Ein Pferd, welches in Boxenhaltung, mit hoffentlich täglichem Auslauf, steht, ist nach einem langen Winter weniger fit als ein Pferd in Offenstall- oder Aktivstallhaltung, denn diese Pferde bewegen sich mehr – auch wenn es nur Schritt ist.

2. Bei verletzungsbedingten Pausen immer Rücksprache mit dem Tierarzt halten

Wenn dein Pferd aufgrund einer Verletzung ausgefallen ist, dann sprich vor dem Antrainieren mit deinem Tierarzt. Kläre ab, wie der Heilungsprozess verläuft und wie du wieder starten kannst. Es gibt verschiedene Verletzungen, wie beispielsweise ein Sehnenschaden, wo anfängliches Longieren nicht sinnvoll ist. In diesem Fall ist ein Aufbautraining an der Hand auf geraden Strecken besser, da die Kreisbewegung an der Longe den Bewegungsapparat und vor allem die Sehnen zu stark belastet.

3. Das Antrainieren nach einer Pause ist ein Balanceakt

Wenn du beim Antrainieren nach einer Pause zu schnell zu viel von deinem Pferd verlangst, riskierst du Überforderung, Verspannungen oder sogar ernsthafte Schäden am Bewegungsapparat. Bänder, Sehnen und Muskeln deines Pferdes müssen sich erst wieder auf das Training einstellen. Und sei mal ehrlich, wenn du krankheitsbedingt ausgefallen bist, dann gehst du doch auch nicht gleich 10 km laufen, sondern steigerst die Strecke nach und nach. Genauso ist es bei deinem Pferd. Du fängst langsam an und steigerst nach und nach die Trainingslänge und Intensität.

Auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig, dass du gezielte Trainingsreize setzt, damit du einen Trainingseffekt erzielst. Diese Trainingsreize setzt du aber nicht jeden Tag, sondern nur alle 2-3 Tage. Dein Pferd benötigt Pausentage zur Regeneration, wobei Pause allerdings nicht bedeutet, dass du gar nichts mit deinem Pferd machst.

Einen Trainingsreiz setzen bedeutet übrigens auch nicht, dass dein Pferd am Tag danach den Muskelkater seines Lebens hat. Stell dir einmal vor, du hast nach jedem Besuch im Fitnessstudio Muskelkater, wie gerne gehst du dann wieder hin? Genau. Gar nicht gerne. Die Motivation deines Pferdes hält sich ebenfalls in Grenzen, wenn es nach jeder Trainingseinheit Muskelkater hat.

Zum Weiterlesen: 
Training mit deinem Pferd – Reitest du noch oder trainierst du schon?

4. Am Anfang steht viel Schritt und kein Reiter auf dem Trainingsplan

Viele Reiter machen den Fehler und starten zu schnell mit den Gangarten Trab und Galopp, weil sie glauben, dass dies die effektivsten Gangarten sind um Muskulatur aufzubauen. Das stimmt so nicht, denn auch im Schritt hast du tolle Möglichkeiten Muskulatur aufzubauen.

Insbesondere am Anfang ist aber der Aufbau von Kondition viel wichtiger und das geht wunderbar im Schritt. Je nach deiner Ausgangslage startest du mit kurzen Trainingseinheiten im Schritt und steigerst nach und nach die Länge dieser. Dabei ist wichtig, dass dein Pferd im ordentlichen Schritt vorwärtsgeht und nicht hinter dir herschleicht. Du kannst Spaziergänge, idealerweise in hügeligem Gelände, mit deinem Pferd machen oder dir aus Stangen und Pylonen einen Geschicklichkeitsparcours aufbauen. Im Parcours kannst du Anhalten an einem bestimmten Punkt üben, Rückwärtsrichten in einer Stangengasse oder das Halten über einer Stange.

Später nimmst du Seitengänge wie Schulterherein oder Kruppeherein hinzu um die Bauchmuskeln zu aktivieren, denn diese sind die Gegenspieler der Rückenmuskeln. Und die Rückenmuskeln wiederum sind wichtig, damit dein Pferd dich nach der Pause wieder gut tragen kann.

Pferd nach einer Pause antrainieren

5. Erst wird die Grundlagenausdauer trainiert, dann die Kraft

Oder in anderen Worten: Erst wird Kondition aufgebaut, dann Muskulatur. Zugegebenermaßen kann man das jetzt nicht ganz voneinander trennen, denn wenn du mit deinem Pferd eine Stunde in einem ordentlichen Schritttempo spazieren gehst, dann werden die Muskeln von deinem Pferd sehr wohl trainiert. Vielmehr geht es darum, dass dein Pferd nach der Pause erst einmal wieder in der Lage ist eine Stunde spazieren zu gehen. Insbesondere nach Verletzungen mit wochenlanger Boxenruhe musst du die Kondition langsam wieder aufbauen. Erst wenn du eine gute Grundlagenausdauer im Schritt aufgebaut hast, kommt der Trab hinzu und nochmals später der Galopp. Es gilt: Erst länger, dann schneller.

6. Bei Pferden mit Boxenruhe muss an der Beweglichkeit gearbeitet werden

Pferde, die aufgrund einer Verletzung längere Zeit Boxenruhe hatten, haben nicht nur an Muskulatur und Kondition abgebaut, sondern auch an Beweglichkeit und Körpergefühl verloren. Diese Pferde haben eine schlechte Koordinationsfähigkeit bis hin zu Gleichgewichtsstörungen. Das zeigt sich vor allem durch Stolpern, Schreckhaftigkeit und Rittigkeitsproblemen.

Wenn dein Pferd längere Zeit in der Box stehen musste, dann musst du neben Kondition und Muskelaufbau auch an der Köperwahrnehmung und der Koordination arbeiten. Dazu eignen sich am besten Stangen, welche du bereits im Schritt an der Hand in dein Training einfließen lassen kannst. Starte unkompliziert mit einer Stange, später dürfen es auch mehrere Stangen hintereinander, ein Stangenmikado oder ein Stangenfächer sein. Steigere die Arbeit mit den Stangen wieder nur langsam, denn es sieht einfacher aus, als es für dein Pferd ist.

7. Erst wird im geradeaus gearbeitet, dann longiert

Das Longieren ist leider nach wie vor die beliebteste Art das Pferd vom Boden aus zu bewegen. Zu oft sieht man Reiter, die ihre Pferde nach einer verletzungsbedingten Pause direkt wieder longieren. Longieren ist nach einer Pause eine sehr hohe Belastung für dein Pferd und steht nicht an erster Stelle, wenn wir über das Antrainieren reden.

Du arbeitest zunächst viel im Schritt im Geradeaus um Sehnen, Bänder und Muskeln wieder an das Training zu gewöhnen. Erst wenn du diesen Grundstein gelegt hast, kannst du dein Pferd longieren. Verzichte an der Longe auf Ausbinder, die dein Pferd in eine gewisse Position pressen. Dein Pferd soll sich an der Longe bewegen und sich selbst tragen können. Longiere dein Pferd nicht nur statisch, das heißt du bleibst die ganze Zeit auf der Zirkelmitte stehen, sondern bewege dich und lass dein Pferd so auch mal ganze Bahn gehen. Schließlich würdest du beim Reiten ja auch nicht die ganze Zeit auf dem Zirkel reiten, sondern auch gerade Linien wie ganze Bahn oder durch die ganze Bahn wechseln.

8. Wer trainiert, benötigt gutes Futter

Während einer Pause werden Muskeln und Kondition bei deinem Pferd abgebaut. Die Aufgabe der Muskulatur ist die Bewegung deines Pferdes von einem Ort zum anderen. Wenn sich dein Pferd nun innerhalb einer Pause weniger bewegt, dann werden Muskeln abgebaut, da sie sehr viel Energie benötigen. Das bedeutet auch, dass du in der Pausenzeit die Futterrationen deines Pferdes anpassen musst. Startest du nun nach der Pause mit dem Antrainieren, dann benötigt dein Pferd wertvolles Futter als Eiweißquelle um die verlorengegangene Muskulatur wiederaufzubauen.

Trotzdem muss der Muskelaufbau in Maßen stattfinden. Setze dir nicht zum Ziel in nur wenigen Wochen aus deinem Pferd einen Bodybuilder zu machen. An einem Muskel hängen nämlich Sehnen und Bänder, die deutlich länger brauchen um sich zu entwickeln. Wird der Muskel zu schnell zu stark, kann dies zu Verletzungen führen. Es gilt: langsamer und nachhaltiger Muskelaufbau.

Zum Weiterlesen: 
Warum Muskelaufbau wichtig und trotzdem nicht alles ist

Pferd nach einer Pause antrainieren

9. Lass vor dem Antrainieren deinen Sattel überprüfen

Wie bereits geschildert ist es sinnvoll, dass du das Training deines Pferdes zunächst im Schritt am Boden startest. Nach ein paar Wochen, wenn dein Pferd wieder Kondition und Muskulatur aufgebaut hat, kannst du vom Sattel aus mit dem Training fortfahren. Wenn es sich um eine sehr lange Pause gehandelt hat, kann es sein, dass sich dein Pferd muskulär sehr verändert hat. Deswegen solltest du deinen Sattel durch einen Sattler überprüfen und gegebenenfalls anpassen lassen.

10. Trainiere abwechslungsreich

Motivation und Bewegungsfreude kommt nicht, wenn dein Pferd jeden Tag die gleiche Runde spazieren geht, den gleichen Geschicklichkeitsparcours absolvieren oder die gleiche Dressurarbeit machen muss. Stell dir einmal vor, du müsstest jeden Tag die gleiche Strecken laufen oder das gleiche Workout absolvieren. Spaß und Motivation würden sich auch bei dir in Grenzen halten. Deinem Pferd geht es genauso. Damit dein Pferd stets motiviert ist, empfehle ich dir so viel Abwechslung in dein Training zu bringen wie möglich.

11. Mache dir einen Trainingsplan

Ein Trainingsplan ist eigentlich immer sinnvoll, aber in der Phase des Antrainierens ein absolutes „Must-Have“. Ja, auch wenn du nur Freizeitreiter ohne sportliche Ambitionen bist. Mit einem Trainingsplan behältst du den nötigen Überblick über deine Trainingseinheiten. Für die Phase des Antrainierens solltest du eine gewisse Flexibilität haben und nicht zu weit im Voraus planen. Wenn du merkst, dass dein Pferd beispielsweise erschöpft ist, dann gehe lieber nochmal einen Schritt zurück.

Mit einem Trainingsplan hast du die Möglichkeit deine Trainingsreize und Regenerationstage sinnvoll zu planen. Nochmal zur Erinnerung: Trainingseinheiten mit einem Trainingsreiz sind die Einheiten, die dein Pferd an seine Belastungsgrenze bringen um die Leistung zu steigern. Dazwischen benötigt dein Pferd Regenerationstage damit sich die Muskulatur erholen kann. Das sind keine Pausentage, sondern vielmehr ist hier aktive Erholung gefragt.

All das kannst du in deinem Trainingsplan niederschreiben und somit festhalten. Außerdem kannst du dir wochenweise überlegen, was du mit deinem Pferd machen möchtest, damit das Training abwechslungsreich und motivierend ist.

Das wichtigste zum Antrainieren nach einer Pause

Starte im Schritt am Boden und steigere die Dauer und Intensität deiner Trainingseinheiten langsam. Sorge mit einem abwechslungsreichen Training dafür, dass dein Pferd stets motiviert ist und gerne mit dir arbeiten will. Behalte mit einem Trainingsplan Trainingsreize und Regenerationstage im Auge. Achte immer auf dein Pferd. Wirkt es müde und matt, dann solltest du einen Gang zurückschalten um Überforderung oder gar Verletzungen vorzubeugen.

Training mit deinem Pferd – Reitest du noch oder trainierst du schon?

Training mit deinem Pferd – Reitest du noch oder trainierst du schon?

In der letzten Ponypost habe ich behauptet: Es ist kein Training, wenn du jeden Tag Dressur reitest. Es ist kein Training, wenn du jeden Tag spazieren gehst. Es ist kein Training, wenn du jeden Tag abwechselnd Dressur, Springen und Stangenarbeit machst. Und noch einiges mehr. Nun fragst du dich wahrscheinlich, wie so viele meiner Newsletter Leser, warum zur Hölle das kein Training ist? Und was ist denn dann Training? Genau darum soll es heute gehen.

Was ist Training?

Wenn du die Prüfung zum Reitabzeichen 2 ablegen möchtest, musst du im Theorieteil Fragen zur Trainingslehre beantworten. Reiterlich befindest du dich hier bereits auf L/M Niveau. Das Wissen rund um die Trainingslehre sollte aber schon viel früher ein Thema für dich sein. Denn du solltest wissen, wie du dein Pferd sinnvoll und abwechslungsreich trainieren kannst und zwar nicht erst, wenn du auf einem gewissen reiterlichen Niveau bist. Gerade als Freizeitreiter ohne jegliche Turnierambitionen ist es deine Aufgabe immer wieder den Leistungsstand und somit den Gesundheitszustand deines Pferdes zu überprüfen. Denn, so gehe ich mal davon aus, möchtest du lange und gesunderhaltend reiten und Spaß mit deinem Pferd haben.

Lange Rede kurzer Sinn: Training geht jeden etwas an! Auch dich!

Training ist definiert als die planmäßige Durchführung eines Programms von vielfältigen Übungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.

Von Natur aus bewegt sich dein Pferd den ganzen Tag im Schritt, mit gesenktem Kopf auf der Suche nach Futter. Möchtest du dein Pferd nun reiten, was in der Regel der Fall ist, dann musst du dein Pferd dafür trainieren. Dieses notwendige Training betrifft durchweg alle Reiter, ganz egal ob du Turniere reitest oder nur gemütliche Ausritte machst. Dein Pferd ist nicht dafür geboren um dich auf seinem Rücken durch die Gegend zu tragen. Damit es dies kann und dabei gesund bleibt ist ein entsprechendes Training essenziell.

Das Training mit deinem Pferd muss immer ein Ziel haben

Hand aufs Herz: Hast du schon mal ein Ziel für dich und dein Pferd definiert? Ziele sind völlig unterschiedlich. Der eine Reiter möchte sein Pferd nach einer Verletzungspause wieder antrainieren, ein anderer möchte alleine ausreiten gehen, das Schulterherein am Boden erarbeiten oder das erste L-Springen reiten.

In jedem Fall muss dein Ziel spezifisch und messbar sein. „Ich möchte mit meinem Pferd irgendwann ausreiten gehen“, ist unspezifisch formuliert. Besser ist: „Ich möchte im Herbst mit meinem Pferd den ersten Ausritt machen“. Das Ziel ist klar datiert, nämlich im Herbst, und messbar, denn entweder du machst den Ausritt oder du machst ihn nicht.

Für viele Reiter ist das Ziel das Pferd gesunderhaltend zu reiten. Dieses Ziel ist ebenfalls komplett unspezifisch definiert und nicht messbar. Wenn ein Reitschüler mit diesem Ziel in meinen Unterricht kommt, dann helfe ich ihm ein klar formuliertes und messbares Ziel zu finden. Im Falle der Gesunderhaltung kann dies beispielsweise sein, dass Pferd und Reiter sich in den nächsten Reitstunden die korrekt gerittene Volte erarbeiten um die Hinterhand und die Baummuskulatur des Pferdes zu stärken.

Training

Einen Trainingsreiz setzen

Du kannst drei Arten von Trainingsreizen unterscheiden: den unterschwelligen Reiz, den optimalen Reiz und den starken, überschwelligen Reiz.

Der unterschwellige Reiz hat keinen Trainingseffekt auf dein Pferd und bringt im Grunde genommen nichts. Der optimale Trainingsreiz löst körperliche Veränderungen aus und ist der Reiz, den du haben möchtest. Der überschwellige, zu starke Reiz hat ebenfalls körperliche Veränderungen zur Folge. Diese sind dann aber schädigend und führen zu Verletzungen.

Ich möchte dir wieder ein paar Beispiele nennen. Dein Ziel ist es an einem mehrtägigen Wanderritt teilzunehmen. Bisher gehst du mit deinem Pferd ausschließlich spazieren und machst einmal in der Woche Bodenarbeit. In diesem Fall sind das keine optimalen Trainingsreize. Dein Pferd wird so kaum die für einen Wanderritt nötige Ausdauer bekommen. Du musst gezielt an der Ausdauer arbeiten und dein Pferd systematisch aufbauen.

Ein anderes Ziel ist die Teilnahme an einer A-Dressur. Hochmotiviert und das Turnier im Blick, reitest du von Montag bis Freitag Dressur und am Wochenende gehst du ausreiten. Hier wird dein Pferd in ein sogenanntes Übertraining kommen mit unter Umständen überschwelligen Reizen, die deinem Pferd schaden.

Das sind jetzt natürlich zwei Extreme. Aber gerade deswegen ist es so wichtig, dass du dir Gedanken über das Training deines Pferdes machst. Für das Pferd, welches zum Wanderritt soll, sind 5 Minuten Trab ein anstrengendes, aber wichtiges Training. Nur so kannst du einen optimalen Trainingsreiz setzen und dafür sorgen, dass sich die Ausdauer deines Pferdes verbessert. Für die Turnierreiterin ist es besser die Trainingsreize Montag, Mittwoch und Freitag zu setzen und dem Pferd an den Tagen dazwischen eine aktive Erholung zu gönnen.

Wenn dein Pferd trainiert, muss es auch regenerieren

Ein planvolles Training hat immer eine körperliche Veränderung zur Folge. Damit diese stattfinden kann, musst du Trainingsreize setzen und gleichzeitig deinem Pferd die Chance zur Regeneration geben. Tägliche Trainingsreize werden auf Dauer schaden und ein wöchentlicher Trainingsreiz wird nicht zu den gewünschten Veränderungen führen.

Stell dir einmal vor du möchtest mit dem Laufen beginnen. Dein Ziel ist ein 5 km Lauf in 3 Monaten. Du bist total motiviert und schnürst jeden Morgen deine Laufschuhe. Am Anfang läuft es richtig gut. Deine Ausdauer verbessert sich und mit jedem Lauf wirst du ein bisschen flotter. Und dann, ein paar Wochen später, passiert gar nichts mehr. Im Gegenteil jeder Lauf wird zur Zerreißprobe. Du quälst dich die Strecke entlang und bis froh, wenn du deine Laufschuhe wieder ausziehen kannst. Ist ja logisch, denkst du dir jetzt. Jeden Tag laufen macht ja auch keinen Sinn. Der Körper benötigt Zeit um sich zu regenerieren.

Diese so wichtigen Phasen der Regeneration benötigt auch dein Pferd nach einem Training. Die Muskeln beispielsweise benötigen etwa 48 Stunden um sich zu regenerieren. Sehnen, Bänder und Gelenke benötigen wesentlich länger. Deswegen macht es auch so gar keinen Sinn aus jungen Pferden kleine Bodybuilder zu machen. Denn dann kann es passieren das der starke Muskel an der noch schwachen Sehne zieht und das Pferde kurze Zeit später mit einem Sehnenschaden da steht.

Zum Weiterlesen: 
Warum Muskelaufbau wichtig und trotzdem nicht alles ist

Häufig vergessen wird in diesem Zusammenhang der Pferderücken und die Rückenmuskulatur, die durch den Sattel und dein Reitergewicht belastet wird. Diese sogenannte Kompression kannst du nicht trainieren, sondern du musst dem Gewebe immer wieder Zeit geben sich zu erholen.

Training

Ein gutes Training besteht nicht aus täglichem Reiten

Damit der Pferderücken und die durch das Reiten komprimierten Strukturen Zeit haben sich zu regenerieren, solltest du nicht täglich reiten. Reitfreie Tage bedeuten allerdings nicht zwangsläufig Pausentage. Du kannst dein Pferd an diesen Tagen beispielsweise Longieren, Bodenarbeit machen oder Spazierengehen. An den Pausentagen kann dein Pferd natürlich auch nur auf der Koppel sein, es sollte sich aber in irgendeiner Form bewegen. Reine Stehetage in der Box darf es nicht geben. Pferde sind Lauftiere und es entspricht ihrem natürlichen Verhalten sich zu bewegen. In einer Box können sie das nicht.

Pausentage müssen auch nicht zwangsläufig reitfreie Tage sein. Ebenso kann ein reitfreien Tagen durchaus ein Trainingsreiz gesetzt werden. Das ist natürlich abhängig vom Pferd, aber ein Intervalltraining an der Longe oder Freispringen kann ein Trainingsreiz sein. Wenn du so etwas machst, dann kannst du dein Pferd am nächsten Tag natürlich reiten. Das Training sollte dann allerdings eher locker gestaltet. Was locker heißt ist natürlich wieder vom Pferd abhängig. Für die einen ist das ein Ausritt und für die anderen Dressurreiten oder Stangenarbeit.

Wenn wir jetzt nochmal meine Eingangsfrage aufgreifen, warum es kein Training ist, wenn du jeden Tag Dressur reitest oder spazieren gehst oder abwechselnd Dressur, Springen und Stangenarbeit machst. Tägliches Reiten ist – egal ob immer nur Dressur oder abwechslungsreich gestaltet – langfristig ungesund für dein Pferd. Tägliches Spazierengehen hingegen ist nicht ungesund für dein Pferd. Wenn du aber vorhast dein Pferd auch zu reiten, dann musst du das trainieren. Das kannst du theoretisch auch während eines Spaziergangs machen: flotter Schritt, bergauf, bergab, Schenkelweichen am Wegrand, Schulterherein am Wegrand, eine Volte um einen Baum… erst dann wird dein Spaziergang zum Training.

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Warum Muskelaufbau wichtig und trotzdem nicht alles ist

Warum Muskelaufbau wichtig und trotzdem nicht alles ist

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Hast du auch schon mal ein Pferd kennengelernt und dir gedacht, Mensch, der könnte etwas besser bemuskelt sein. Ein paar Wochen später steht gleiches Pferd wieder vor dir. Diesmal super bemuskelt. Was ist da passiert? Kann es sein, dass ein Pferd innerhalb weniger Wochen zum Bodybuilder wird? Und ist das überhaupt gut für das Pferd?

Warum ist Muskelaufbau wichtig?

Rein vom Körperbau sind Pferde keine Lastenträger. Das bedeutet, sie sind eigentlich gar nicht dazu gedacht, dich als Reiter, durch die Gegend zu schleppen. Die Wirbelsäule deines Pferdes sieht aus wie eine Hängebrücke. An dieser hängt nun auch noch der Bauch und somit ein Großteil des Gewichts von deinem Pferd. Wenn du dich nun auf dein Pferd setzt, dann kannst du dir vorstellen, dass da ganz schön zusätzliches Gewicht auf die Wirbelsäule drückt.

So weit so gut, aber Reiten wollen wir nun natürlich trotzdem und das können wir auch. Wir als Reiter müssen aber dafür sorgen, dass unser Pferd lange gesund bleibt. Deswegen ist es deine Aufgabe die Muskulatur deines Pferdes zu stärken.

Welche Muskelgruppen sind wichtig und warum?

Die Halsmuskulatur, die auch gerne als Oberlinie bezeichnet wird, sorgt dafür, dass dein Pferd seinen Kopf in alle Richtungen drehen kann. Die Brustmuskulatur ermöglicht die Bewegung der Vorderbeine. Häufig sprechen wir auch vom Rumpftrageapparat. Ein gut bemuskelter Rumpftrageapparat ist wichtig, damit sich dein Pferd überhaupt bewegen kann und gleichzeitig die nötige Stabilität besitzt. Dann gibt es noch die Muskulatur der Hinterhand. Diese Muskulatur entwickelt sich erst mit der Zeit. Eine starke Hinterhand ist unter anderem dafür zuständig, dass dein Pferd schwungvoll abfußt, dabei den Rücken aufwölbt und du gut sitzen kannst. Und natürlich auch damit dein Pferd durch den Springparcours kommt und in der Dressur den Mitteltrab zeigen kann.

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Die wohl wichtigste Muskulatur für Reitpferde ist die Rückenmuskulatur. Sie sorgt dafür, dass dein Pferd dich überhaupt tragen kann. Des Weiteren ist eine gesunde Wirbelsäule unabdingbar für die Gesundheit deines Pferdes. Ein starker Rücken benötigt eine gute Bauchmuskulatur. Das bedeutet, beide Muskelgruppen stehen in unmittelbaren Zusammenhang. Im Grunde genommen ist es bei deinem Pferd nicht anders als bei dir: für einen gesunden Rücken benötigst du eine gute Bauchmuskulatur.

Muskelaufbau

Ist Zusatzfutter sinnvoll?

Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt drauf an.

In erster Linie musst du dein Pferd richtig reiten und trainieren, damit die Muskulatur sich entwickeln kann. Das passiert nicht, wenn du in einer Woche einmal Dressur reitest und einmal ausreiten gehst. Du selbst baust schließlich auch keine nennenswerte Bauchmuskulatur auf, wenn du einmal in der Woche 10 Situps machst. Trainierst du aber 3 mal pro Woche deine Bauchmuskeln, dann wirst du sichtbare Erfolge erzielen. Genauso ist es bei deinem Pferd. Trainierst du dein Pferd ordentlich, mit Pausentagen und Trainingsimpulsen, dann bist du auf einem guten Weg ein gut bemuskeltes Pferd zu haben.

Ein Muskel besteht überwiegend aus Eiweiß. Eiweiß wiederum besteht aus einzelnen Bausteinen, die man Aminosäuren nennt. Einige Aminosäuren kann der Pferdekörper selbst herstellen und andere Aminosäure muss er über das Futter aufnehmen. Zusatzfuttermittel unterstützen den Pferdekörper mit den nötigen Aminosäuren. Es gibt einige Unternehmen, unter anderem Lexa Pferdefutter, die entsprechendes Zusatzfutter fürs Pferd anbieten. Das Amino-Muskelaufbau* von Lexa Pferdefutter versorgt dein Pferd mit den nötigen Aminosäuren und unterstützt somit den Muskelaufbau. Gerade in den Wintermonaten leiden viele Pferde unter einem Mangel an qualitativ hochwertigen Nährstoffen und dies hat natürlich einen negativen Einfluss auf die Muskelbildung.

Die Fütterung eines Zusatzfutters ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn du dein Pferd entsprechend trainierst. Wer glaubt, dass allein das Futter den Muskel zum Wachsen bringt, liegt falsch.

Warum du trotzdem keinen Bodybuilder aus deinem Pferd machen solltest

Im Vergleich zu anderen Strukturen im Pferdekörper wächst ein Muskel schnell. Dennoch solltest du es nicht anstreben, dass dein Pferd nach wenigen Wochen perfekt bemuskelt dasteht. Der Muskel ist über Sehnen und Bänder mit dem Knochen verbunden. Sehnen und Bänder benötigen sehr viel mehr Zeit als ein Muskel um zu wachsen und sich zu entwickeln.

Was kann nun also passieren?

Du hast so richtig hart mit deinem Pferd trainiert, ganz viel gefüttert und dein Pferd hat nun super starke Muskeln. Nun zieht der starke Muskel an der schwachen Sehne, die noch keine Zeit hatte, sich zu entwickeln. Zack. Sehnenschaden.

Muskelaufbau benötigt Zeit

Um unnötige Verletzungen zu vermeiden, solltest du nicht versuchen, einen Bodybuilder aus deinem Pferd zu machen. Ein Pferd kann zwar innerhalb weniger Wochen viel Muskulatur aufbauen, aber für Sehnen, Bänder und Gelenke ist das nicht gut. Wenn du dein Pferd abwechslungsreich und planvoll trainierst, dann ist die Gabe von Zusatzfuttermitteln zur Unterstützung durchaus sinnvoll.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Lexa Pferdefutter. Ich freue mich, wenn ein cooles Unternehmen den Wert meiner Arbeit erkennt und mich dafür bezahlt. Nur so ist es mir möglich viele Inhalte kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Natürlich ist meine Meinung nicht käuflich!

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