Für die Stangenarbeit mit dem Stangenquadrat benötigst du acht Stangen. Aus vier Stangen legst du bei X ein Quadrat, so dass zwei Spitzen zu E bzw. B zeigen. An die Spitzen, die zu C bzw. A zeigen, platzierst du jeweils zwei weitere Stangen.
Dieser Aufbau gibt dir wieder vielfältige Trainingsmöglichkeiten und zahlreiche Wege, die du reiten kannst.
Diese Übung eignet sich gut für den Anfang deines Trainings. Du reitest ein „Durch die ganze Bahn wechseln“. Dabei überwindest du auf gerader Linie zwei Stangen von dem Quadrat. Du kannst dann wieder ganze Bahn reiten und erneut einen Handwechsel „durch die ganze Bahn“.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
2. Auf gebogenen Linien über die Kreuze
Für die erste Übung auf gebogener Linie legst du bei A bzw. C einen Zirkel an. Die Stangen überwindest du an der Stelle, wo alle vier Stangen zusammenkommen und ein Kreuz bilden. Achte darauf, dass du dein Pferd punktgenau an das Kreuz heranreitest und dein Pferd keinen Huf seitwärts setzt. Passiert das doch, versuche es nochmal!
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab, Galopp
3. Über den Kreuzen die Hand wechseln
Für diese Übung verlässt du deine Zirkellinie und wechselst nach dem Überwinden der Stangen die Hand. Dazu stellst du dein Pferd bereits vor den Stangen um, damit du direkt nach den Stangen auf die neue Hand abwenden kannst.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
4. Auf halber Bahn über das Stangenquadrat
Reite auf der halben Bahn und runde die Ecken etwas ab. Zwischen E und B bzw. B und E überwindest du die Stangen. Dabei reitest über eine Quadratspitze in das Quadrat hinein und auf der anderen Seite über die Quadratspitze wieder heraus.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
5. Auf halber Bahn über das Stangenquadrat mit Gangartwechsel
Wenn du Schritt-Trab-Übergänge reiten möchtest: Überwinde das Quadrat im Schritt und trabe unmittelbar danach an. Vor dem Quadrat machst du einen Übergang zum Schritt und reitest im Schritt über die Stangen.
Wenn du Trab-Galopp-Übergänge reiten möchtest: Reite im Trab über die Stangen des Quadrates. Nach den Stangen galoppierst du an. Vor dem Quadrat parierst du wieder zum Trab durch und überwindest die Stangen im Trab.
6. Durch die Länge der Bahn wechseln über das Stangenquadrat
Als nächstes reitest du ein „Durch die Länge der Bahn wechseln“. Was leicht klingt, ist keinesfalls einfach zu reiten, denn die Mittellinie hat keine seitliche Begrenzung. Achte darauf, dass du dein Pferd an deinen reiterlichen Hilfen hast, wenn du auf die Mittellinie abwendest. Suche dir einen Punkt auf den du zu reitest, z.B. A oder C. Erst wenn es dir gelingt dein Pferd auf der Mittellinie gerade zu reiten, wirst du die Stangenkreuze gut treffen.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
7. Durch die Länge der Bahn wechseln über das Stangenquadrat mit Gangartwechsel
Wenn du Schritt-Trab-Übergänge reiten möchtest: Wende im Trab auf die Mittellinie ab. Vor den Stangen machst du einen Übergang zum Schritt und überwindest die Stangen im Schritt. Nach den Stangen trabst du wieder an.
Wenn du Trab-Galopp-Übergänge reiten möchtest: Wende im Galopp auf die Mittellinie ab. Kurz vor den Stangen reitest du einen Übergang zum Trab, überwindest die Stangen im Trab und galoppierst danach wieder an. Beachte, dass du nach den Stangen auch einen Handwechsel machen willst und dementsprechend im richtigen Galopp angaloppierst.
8. Aus der Ecke kehrt
Reite „Aus der Ecke kehrt“ über eine einzelne Stange. Dann erreichst du wieder den Hufschlag. In der nächsten Ecke wendest du wieder ab und reitest über die Stange.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
9. In die Ecke
Die gerade beschriebene Übung kannst du auch umdrehen. Das bedeutet, du reitest ganze Bahn und verlässt dann den Hufschlag um über die Stange zu reiten. Dann wendest du ab und reitest in die Ecke. Dies ist ein „Aus der Ecke kehrt“ nur andersherum geritten.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
10. Auf unterschiedlichen Linien über die einzelnen Stangen
Nun reitest du über die beiden äußeren Stangen. Dabei variierst du deinen Weg, so dass dein Pferd im Trab beispielsweise keinen oder einen Zwischentritt zwischen den Stangen machen muss. Eine weitere Schwierigkeit bei dieser Übung ist, dass Anreiten der Stangen: Du reitest schräg liegende Stangen an.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
11. Auf der Volte
Reite eine Volte über die vier einzeln an dem Quadrat liegenden Stangen. Die Größe der Volte kannst du variieren und vom Ausbildungsstand deines Pferdes abhängig machen.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab, Galopp
12. Auf der Acht
Reite eine Volte über eine der einzeln liegenden Stangen. Kurz nach der Stange stellst du dein Pferd um und leitest einen Handwechsel ein. Dann reitest du erneut eine Volte über die andere Stange und machst wieder einen Handwechsel.
Mögliche Gangarten: Schritt, Trab
Die vorgestellten Übungen sind richtig geritten sehr anstrengend für dein Pferd. Reite nicht alle Übungen auf einmal und in allen Gangarten, sondern suche dir 3-4 Übungen aus, an denen du in deiner Trainingseinheit arbeiten möchtest.
In der DAS Reitlernsystem Ponypost teile ich immer wieder exklusive Trainingsideen mit dir. Wenn du dich noch nicht angemeldet hast, dann hol das schnell nach!
Für die Stangenarbeit mit dem Stern benötigst du 10 Stangen. Damit baust du in der Mitte der Reitbahn einen Stern mit 5 Spitzen auf. Der Stern ist eine anspruchsvolle Figur aus der Stangenarbeit. Anfängern empfehle ich die Übungen überwiegend im Schritt zu reiten. Fortgeschrittene können auch im Trab und Galopp arbeiten.
Das schwierige an dem Stern sind die eng liegenden Spitzen. Wenn du beispielsweise ein Dreieck aufbaust dann sind die Spitzen vom Winkel her etwas weiter und somit einfacher zu Reiten als bei dem Stern. Außerdem kommt hinzu, dass die Sternspitzen nicht symmetrisch verteilt sind. Das führt dazu, dass du sehr genau reiten und dein Pferd auch innerhalb des Sterns biegen musst.Für die Stangenarbeit mit dem Stern benötigst du 10 Stangen. Damit baust du in der Mitte der Reitbahn einen Stern mit 5 Spitzen auf. Der Stern ist eine anspruchsvolle Figur aus der Stangenarbeit. Anfängern empfehle ich die Übungen überwiegend im Schritt zu reiten. Fortgeschrittene können auch im Trab und Galopp arbeiten.
Das schwierige an dem Stern sind die eng liegenden Spitzen. Wenn du beispielsweise ein Dreieck aufbaust dann sind die Spitzen vom Winkel her etwas weiter und somit einfacher zu Reiten als bei dem Stern. Außerdem kommt hinzu, dass die Sternspitzen nicht symmetrisch verteilt sind. Das führt dazu, dass du sehr genau reiten und dein Pferd auch innerhalb des Sterns biegen musst.
Lass dich jetzt aber nicht abschrecken! Der Stern ist eine tolle Übung aus der Stangenarbeit und fordert dich und dein Pferd auf ganz andere Art und Weise. Ihr beide müsst euch auf die Wege konzentrieren. Du musst punktgenau reiten und dein Pferd aufpassen, dass es nicht über die Stangen stolpert. Macht dein Pferd mal einen Schritt, Tritt oder Sprung zu groß, dann ist das überhaupt nicht schlimm. Wiederhole die Übung einfach nochmal.
Diese Übung reitest du immer als Erstes. Du suchst dir gerade Linie über dem Stern, die du reiten kannst. Dabei reitest du noch nicht über die Spitzen des Sterns, sondern immer nur über die Einbuchtungen zwischen den Spitzen. Du reitest demnach über eine Einbuchtung in den Stern rein und auf der anderen Seite über eine weitere Einbuchtung wieder heraus.
Du kannst die Übung im Schritt, Trab und Galopp reiten. Im Galopp muss dein Pferd umspringen. Wenn es das nicht macht, dann korrigiere den Galopp nach den Stangen.
2. Auf gebogenen Linien durch den Stern
Es bleibt dabei, dass du über die Einbuchtungen zwischen den Sternspitzen reitest. Allerdings wählst du jetzt gebogene Linien. Denk dabei an die Linie eines Zirkels und fordere von deinem Pferd eine gleichmäßige Längsbiegung über den Stangen.
Auch diese Übung kannst du im Schritt, Trab und Galopp reiten.
3. Auf Volten über die Sternspitzen
Wir bleiben einmal bei den gebogenen Linien. Reite im Schritt oder Trab auf einer Volte über die Sternspitzen. Im Schritt musst du etwas dichter an der Spitze über die Stangen reiten. Im Trab reitest du etwas weiter von der Spitze weg. Dennoch liegen die Stangen für den Trab eher eng. Das bedeutet, du musst dein Pferd etwas aufnehmen. Damit deine Einwirkung noch besser ist, empfehle ich dir die Übung im Aussitzen zu reiten.
Du kannst über jede Sternspitze eine Volte reiten. und dich somit einmal um den gesamten Stern herum arbeiten.
Die Übung ist nicht im Galopp möglich!
4. Vom Schritt zum Halten innerhalb des Sterns
Reite im Schritt über die Einbuchtung zwischen den Sternspitzen in den Stern hinein. Mache eine Übergang zum Halten (in der Abbildung gekennzeichnet durch das rote H). Verlasse den Stern über eine Sternspitze im Schritt. Im empfehle immer die Spitzen zunächst von „innen“ zu reiten, da dein Pferd durch die Stangen den Weg vorgegeben bekommt.
5. Übergang zum Schritt
Die Übung ist eine Variation der Übung Nr. 4. Der Weg bleibt gleich. Du reitest im Trab in den Stern hinein und machst einen Übergang zum Schritt. Verlasse den Stern über eine Sternspitze im Schritt.
6. Vom Trab zum Halten und wieder Antraben
Ebenfalls eine Variation der Übung Nr. 4. Du reitest dein Pferd im Trab im Aussitzen in den Stern hinein. Reite einen Übergang zum Halten. Trabe wieder an und verlasse den Stern über die Sternspitze. Um diese Übung reiten zu können musst du dein Pferd sehr gut an den Hilfen haben, punktgenaue Übergänge reiten und vom Fleck weg antraben können.
7. Abwenden innerhalb des Sterns
Diese Übung kannst du wieder gut im Schritt und Trab reiten. Du reitest über die Einbuchtung in den Stern hinein, wendest dann ab und verlässt den Stern über eine Spitze. Falls du dabei auch gleich einen Handwechsel reitest, sitze nicht innerhalb des Sterns um, sondern danach, um dein Pferd so wenig wie möglich zu stören. Reite verschiedene Wege, indem du den Stern aus unterschiedlichen Richtungen anreitest.
8. Auf großen gebogenen Linien über die Sternspitzen
Wie ich eingangs schon erwähnt habe, ist es aufgrund der Winkelung nicht so einfach über die Sternspitzen zu reiten. Außerdem macht es einen großen Unterschied, ob du über die Spitze in den Stern hinein- oder herausreitest. Reitest du die Spitze von „außen“ an, fehlt die Begrenzung durch die Stangen. Du alleine bist dann dafür zuständig dein Pferd gerade an die Spitze heranzureiten, so dass es in die Spitze hineintreten kann.
Wähle große gebogene Linien um über die Spitzen zu reiten. Erinnere dich wieder an die Linie eines Zirkels und achte darauf, dass du gerade zur Spitze kommst.
Praxistipp: Wenn dir das Reiten über die Spitze nicht gelingt, dann kannst du auch rechts und links vor die Spitze zwei Pylonen als optische Hilfe stellen.
9. Auf der Volte über den Stern
Diese Übung reitest du wieder im Schritt. Du reitest eine Volte über den gesamten Stern. Das bedeutet, dass du über jede Sternspitze reitest. Dein Pferd muss die schräg liegenden Stangen überwinden und dabei keinen Zwischenschritt zwischen den Stangen machen. Außerdem sollte dein Pferd gleichmäßig gebogen sein.
Reite lieber weniger, als zu viel
Bei dem Stern handelt es sich um eine anspruchsvolle Übung der Stangenarbeit. Er bietet dir viele verschiedene Möglichkeiten, Wege und Variationen an. Achte dennoch immer darauf, dass du weder dich noch dein Pferd überforderst. Insbesondere das Reiten über die Sternspitzen solltest du nicht überschätzen. Erarbeite dir die Wege und Linien immer erst im Schritt. Wenn das alles klappt, dann nimm den Trab hinzu.
Praxistipp: Der Stern ist auch eine tolle Aufbauidee zu Weihnachten. Dann wird aus dem Stern ein Weihnachtsstern.
Für die Arbeit mit deinem Pferd hast du verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Wenn du reitest, dann benutzt du Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Du kannst aber auch deine Stimme oder eine Gerte einsetzen. Neben diesen reiterlichen Hilfen, gibt es noch physische Hilfsmittel. Dazu gehören beispielsweise Pylonen und Stangen.
Bevor du eines dieser Hilfsmittel in deinem Training benutzt, solltest du dir immer über den Sinn und Zweck Gedanken machen. Heute möchtest du ein paar Stangen in die Reitbahn legen und mit deinem Pferd Stangenarbeit machen. Warum möchtest du Stangen benutzen? Welchen Effekt hat die Stangenarbeit für dein Pferd und dich? Worauf musst du bei der Stangenarbeit achten?
Die vielen Vorteile der Stangenarbeit für dich und dein Pferd
Anhand der Abbildung unten wird schnell klar, Stangenarbeit bringt Abwechslung und neue Impulse in das Training aller Pferde und aller Reiter.
Takt und Losgelassenheit sind die ersten beiden Punkte der Skala der Ausbildung. Beides wird durch die Stangenarbeit und die dadurch vorgegebenen Bewegungsabläufe gefördert. Durch das höhere Abfußen über den Stangen baut dein Pferd Muskulatur auf, die Ausdauer wird gefördert und Schwung aus der Hinterhand entwickelt. Dein Pferd wölbt den Rücken auf und tritt an das Gebiss heran. Als Reiter kommst du so besser zum Sitzen.
Dein Pferd muss sich über den Stangen immer wieder neu ausbalancieren. Insbesondere wenn du abwechselnd auf geraden und gebogenen Linien reitest. Du als Reiter, musst auch immer wieder dein Gleichgewicht neu finden. Dabei solltest du die Bewegungsabläufe deines Pferdes so wenig wie möglich stören. Da du dich bei der Stangenarbeit in erster Linie auf die zu reitenden Wege konzentrierst, eignet sie sich hervorragend um ganz unbewusst deinen Reitersitz zu schulen und an deinem Reitgefühl zu arbeiten.
Spannende Aufbauten, neue Figuren oder sogar ein ganzer Stangenparcours bringen Abwechslung in das Training mit deinem Pferd. Figuren, die über die normalen Trabstangen hinausgehen, steigern die Trittsicherheit und Geschicklichkeit deines Pferdes. Außerdem lernt dein Pferd aufmerksam zu sein und hinzugucken, was da kommt. Der Blick und die Selbstständigkeit deines Pferdes werden geschult.
Bei der Stangenarbeit gilt ähnlich wie beim Springreiten: Der Reiter bestimmt Weg und Tempo und das Pferd hebt die Beine.
Aufbauen und Reiten mit Köpfchen
Ich selber mache sehr gerne Stangenarbeit mit meinen Pferden. Wann immer es mir möglich ist, lege ich Stangen in die Reitbahn. Mal nur zum Schrittreiten, mal eine Figur, mal erhöhte Trabstangen – je nachdem woran wir gerade arbeiten. Das eine Mal stehen die Stangen im Fokus meines Trainings, ein anderes Mal nutze ich die Stangen nur in der Lösungsphase zu Beginn einer Dressurstunde.
Des Weiteren gebe ich Lehrgänge im Bereich der Stangenarbeit. Im Rahmen eines Lehrgangs baue ich sehr gerne einen ganzen Stangenparcours auf. Das gibt mir die Möglichkeit mit den verschiedenen Reitern an unterschiedlichen Figuren zu arbeiten. Trotzdem baue ich die einzelnen Figuren immer so auf, dass die Aufgaben für Reiter und Pferd lösbar sind und sich vor allem das Pferd nicht verletzt. Daran solltest auch du immer denken, wenn du dir Stangen aufbaust.
Richtig aufgebaut und korrekt geritten hat die Stangenarbeit, wie oben beschrieben, zahlreiche Vorteile für das Pferd. Die meisten Probleme entstehen, wenn die Abstände nicht stimmen. Damit meine ich jetzt nicht 10 cm mehr oder weniger bei Trabstangen, denn so etwas muss ein Pferd ausgleichen können. Aber wenn beispielsweise aus Unwissenheit eng gelegte Schrittstangen im Trab geritten werden, dann wird das zu Taktstörungen, Stolpern oder im schlimmsten Fall Verletzungen am Bewegungsapparat führen.
Leider sehe ich auch immer wieder, dass Reiter im Trab direkt hintereinander über Stangen reiten. Mit sehr sicheren Pferden und erfahrenen Reitern ist das kein Problem, aber Anfänger lasse ich niemals direkt hintereinander reiten. Zu groß ist die Gefahr, dass das vorangehende Pferd an einer Stange hängen bleibt, sich diese verschiebt und das folgende Pferd drauftritt oder stolpert.
Ein weiteres Problem ist die Fülle an Übungen, die mittlerweile überall zur Verfügung gestellt werden. Bei einigen Übungen frage ich mich, ob das wirklich mal jemand geritten ist. Sie sind für mich nahezu unlösbar, wenn ich mein Pferd ordentlich reiten möchte und nicht nur wild im Maul zerren muss, um die Wendung zu schaffen. Solche Übungen sehen auf dem Papier toll aus, aber leider sind sie nicht praxistauglich.
Genauso macht es auch einen sehr großen Unterschied, ob in der Reithalle oder auf einem deutlich größeren Außenplatz geritten wird. In der Halle ist alles sehr viel enger und du musst einige Sachen einfach anders aufbauen, als auf einem Außenplatz ohne begrenzende Bande. Übrigens verhalten sich die meisten Pferde draußen auch anderes als in der Halle.
Auch wenn ich in meinen Lehrgängen sehr gerne einen ganzen Parcours aufbaue, so vertrete ich trotzdem die Meinung „weniger, ist mehr“. Denn tatsächlich kannst du mit einzelnen Stangen sehr effektiv arbeiten. Mit nur drei Stangen hast du beispielsweise ein Dreieck gelegt. Dreiecke sind genial, da du, je nach Leistungsstand von dir und deinem Pferd, in allen drei Gangarten, auf geraden und gebogenen Linien reiten kannst. Mit nur vier Stangen hast du ein Quadrat, einen Stern oder eine Gasse gelegt. Oder du legst eine Stange an jeden Zirkelpunkt. Du siehst, es gibt unzählige Möglichkeiten.
Achtung: Die Fotos in diesem Beitrag sind ein Relikt seiner Zeit. Für das Longieren empfehle ich die Verwendung eines gut sitzenden Kappzaums. Auf die Verwendung von Ausbindern solltest du möglichst ganz verzichten.
„Schritt muss man reiten“, sagte bereits Paul Stecken. Wenn du den Schritt richtig reitest, dann hast du keine Zeit mit der Stallkollegin über die hochgezogenen Beine von Sieglinde (Name natürlich frei erfunden) zu lästern, deiner Oma telefonisch mitzuteilen, dass du am Sonntag gerne einen Apfelkuchen essen möchtest und deinem Freund noch schnell per WhatsApp zu schreiben, dass es heute ausnahmsweise etwas länger im Stall dauert. Letzteres wäre übrigens auch gelogen… denn es dauert immer länger im Stall.
So die Theorie.
Jetzt mach dir aber mal den Spaß und wirf einen Blick in eure Reitbahn. Dort siehst du Pferde, die am langen Zügel im Schritt dahinschlurfen. Diese Pferde tragen Reiter durch die Gegend, die tratschen, telefonieren, Whatsappen oder Instastorys drehen.
Mit Schritt reiten hat das reichlich wenig zu tun.
Der Schritt ist die natürlichste Bewegung
Pferde sind Steppentiere. Das bedeutet, in ihrem ursprünglichen Lebensraum legen sie täglich mehrere Kilometer im gemächlichen Schritt beim Grasen zurück. In der freien Natur traben und galoppieren Pferde nur, wenn sie größere Strecken am Stück zurücklegen oder flüchten müssen. Ihre Gangart der Wahl ist aber der Schritt.
Auf der Koppel kannst du die Pferde und ihr Verhalten beobachten. Du wirst sehen, dass sie nur in seltenen Fällen traben oder galoppieren.
Du zählst und fühlst einen klaren Viertakt
Du reitest einen guten Schritt, wenn es ein klarer Viertakt ist. Doch woran erkennst du das? Oft wirst du die Aussage hören, dass du auf hartem Boden durch das Hufgeklapper überprüfen kannst, ob dein Pferd im Viertakt ist. Das spiegelt allerdings nicht die Situation in der Halle oder auf dem Reitplatz wieder.
Auch ohne Hufgeklapper kannst du den Takt in der Reitbahn zählen. Konzentriere dich auf die Bewegung deines Pferdes und fühle wann sich welches Bein bewegt. Ein kurzer Blick nach unten verrät dir außerdem wann das rechte und wann das linke Vorderbein vorschwingt.
Nun zählst du laut mit: Eins-Zwei-Drei-Vier; Eins-Zwei-Drei-Vier; Eins-Zwei-Drei-Vier
Wenn „Eins“ vorne rechts ist, dann sollte das auch so bleiben. Betone immer die „Eins“ und achte darauf, ob das rechte Vorderbein vorschwingt, wenn du wieder bei „Eins“ ankommst. Ist das nicht so, dann geht dein Pferd keinen klaren Viertakt.
Neben dem Zählen ist auch das Fühlen ein wichtiger Aspekt. Versuche die Bewegungen deines Pferdes zu fühlen. Schließe die Augen. Die Bewegung des Pferdes muss sich für dich gleichmäßig anfühlen. Die meisten Reiter fühlen, wenn der Takt nicht ganz sauber ist. Das liegt daran, dass der Reiter sich selbst in einem gleichmäßigen Takt bewegt und aus der Balance gebracht wird, wenn das Pferd Taktfehler macht.
Ein guter Schritt ist gelassen
Oder besser gesagt losgelassen. Takt und Losgelassenheit sind die ersten beiden Punkte der Skala der Ausbildung. Du weißt schon! Dieses Dreieck, was du in vielen schlauen Büchern findest und von dem so mancher Mensch behauptet, es sei wichtig. Ich behaupte das übrigens auch…
Aber zurück zu Takt und Losgelassenheit. Beide Punkte lassen sich nicht voneinander trennen. Das bedeutet, ein taktrein gehendes Pferd ist in der Regel losgelassen. Umgekehrt macht ein angespanntes, also nicht losgelassenes Pferd, meist Taktfehler.
Dein Pferd fußt gleichseitig ab
Gleichseitig, aber nicht gleichzeitig, so lautet der Merksatz für den Schritt.
Lass uns mal einen Blick auf die sogenannte Fußfolge, das bedeutet in welcher Reihenfolge die Hufe den Boden verlassen, werfen:
1. vorne rechts
2. hinten links
3. vorne links
4. hinten rechts
Jetzt siehst du, dass nach dem linken Hinterbein, das linke Voderbein abfußt. Deswegen sprechen wir von gleichseitig. Da Vorder- und Hinterbein jedoch zeitversetzt den Boden verlassen, findet das Abfußen nicht gleichzeitig statt.
Bei einem geregelten und taktreinen Schritt wird durch das gleichseitige Abfußen im Seitenbild ganz kurz ein „V“ sichtbar. Wir sprechen auch von der „V-Phase“. Ein „V“, weil sich Voder- und Hinterhufe fast berühren. Vom Boden aus kannst du das sehr gut beobachten. Konzentriere dich dabei am besten auf das dir zugewandte Beinpaar.
Vorne rechts fußt ab, gefolgt von hinten links
Gleichseitig: hinten rechts setzt gleich auf und vorne rechts fußt ab
Das linke Beinpaar bildet ein „V“, V-Phase
Nochmal die „V-Phase“ aus einer anderen Perspektive
Der Schritt ist schreitend
Hier stellt sich zunächst die Frage, was genau schreiten bedeutet. Schreiten wird im Duden mit „in gemessenen Schritt ruhig gehen“ definiert. Auf dein Pferd bezogen wird hier wieder der klare Viertakt angesprochen und die einzelnen Schritte, die dein Pferd macht. Das ist wichtig, denn im Schritt fußen alle Hufe nacheinander ab und nicht gleichzeitig – du erinnerst dich? Das führt dazu, dass immer zwei oder drei Hufe am Boden sind und folglich gibt es im Schritt keine Schwebephase.
Einen schreitenden Schritt erkennst du außerdem an der Nickbewegung deines Pferdes. Dabei bewegen sich Kopf und Hals vorwärts-abwärts. Die Halsmuskulatur ist gedehnt und entspannt.
Der Mittelschritt ist raumgreifend
In den meisten Fällen wirst du Mittelschritt reiten. Das ist der Schritt, den dein Pferd von Natur aus hat. Im Mittelschritt fußen die Hinterhufe über die Spur der Vorderhufe hinaus. Prinzipiell kannst du auch erhabener oder raumgreifender reiten. Mit anderen Worten gesagt, du kannst auch versammelten und starken Schritt reiten. Das ist übrigens nicht ganz so einfach wie es klingt und wird deswegen auch erst ab der Klasse M verlangt.
Was du jetzt unbedingt machen solltest
Mit diesem Wissen beobachtest du heute Abend mal die Pferde deiner Stallkollegen. Wie ist der Schritt? Siehst du einen Viertakt und eine „V-Phase“? Ist der Schritt schreitend? Ist er raumgreifend genug? Ist die Nickbewegung erkennbar?
Wenn du aktiv werden willst, dann bau doch mal ein paar Stangen in dein Training ein. In der Regel kannst du alle Übungen auch im Schritt reiten.
Wie du weißt, bin ich ein großer Freund von Stangenarbeit. Sie bringt Abwechslung und neue Impulse in dein Training und eignet sich für alle Pferde, alle Reiter und alle Reitweisen. Ziemlich cool, oder?
Die Stangenarbeit fördert, durch den vorgegebenen Bewegungsablauf, Takt und Losgelassenheit deines Pferdes und durch das höhere Abfußen über den Stangen wird Muskulatur aufgebaut. Eine starke Hinterhand und ein Pferd, welches über den Rücken geht und an das Gebiss herantritt, sollte immer dein oberstes Ziel sein.
In diesem Beitrag möchte ich dir 3 Übungen mit dem Stangenquadrat zeigen, die dein Pferd gymnastizieren und dich in der Dressurarbeit weiterbringen. Mit diesen Übungen lernst du dein Pferd in Stellung und Biegung zu reiten, es an deine Reiterhilfen zu stellen und geradezurichten.
Dazu legst du dir in der Reitbahn bei X ein Quadrat aus 4 Stangen und schon kann es losgehen. Bevor du startest, reite ausreichend Schritt um dein Pferd aufzuwärmen.
Alle Übungen mit dem Stangenquadrat, die ich dir hier vorstelle, sind sowohl für Anfänger als auch für fortgeschrittene Reiter geeignet. Die Aufgaben werden im Trab geritten.
Übung 1 mit dem Stangenquadrat: Die Acht
Für die Acht reitest du bei A auf dem Zirkel und über die Stangen. Dein Ziel ist es zunächst einen korrekten Zirkel zu reiten. Dazu reitest du ohne Handwechsel auf dem Zirkel und achtest über den Stangen darauf, dass dein Pferd gestellt und gebogen bleibt. Das schaffst du, indem dein innerer Schenkel dein Pferd an den äußeren Zügel treibt. Während du über die Stangen reitest, schau immer nach vorne und nicht nach unten. Sonst störst du die Bewegungen deines Pferdes und es entstehen Taktfehler.
Bevor du die Acht reitest, mach einen Handwechsel außerhalb der Stangen, z.B. aus der Ecke kehrt, und reite einen Zirkel über die Stangen auf der anderen Hand. So hast du dein Pferd am Ende auf beiden Händen für die folgende Übung gut vorbereitet.
Wenn dir der Zirkel auf beiden Händen gut gelingt, dein Pferd vor, über und nach den Stangen im Takt bleibt, dann kannst du die Acht reiten. Du reitest also bei A oder C auf dem Zirkel und dann direkt „aus dem Zirkel wechseln“. Dabei musst du dein Pferd innerhalb der Stangen umstellen. Das gelingt dir, indem du dein Pferd an den treibenden Hilfen hast und innerhalb der Stangen gefühlvoll am neuen inneren Zügel die Stellung forderst. Der äußere Zügel lässt dabei die Stellung zu. Danach reitest du auf dem neuen Zirkel und wechselst direkt wieder über das Stangenquadrat auf den alten Zirkel.
So entsteht eine Acht, die dein Pferd durch die vielen Handwechsel und die gebogenen Linien hervorragend gymnastiziert.
Übung 2 mit dem Stangenquadrat: Kreuzparade
Im Vergleich zur ersten Übung, verlassen wir nun die gebogenen Linien und reiten auf gerader Linie. Auch wenn das einfacher klingt, glaube mir, es ist schwieriger zu reiten. Du reitest zunächst ganze Bahn und wechselst dann durch die ganze Bahn. Dabei reitest du nicht wie bei Übung 1 mittig über die Stangen, sondern über die Ecken des Stangenquadrates.
Du wirst schnell merken, dass es gar nicht so einfach ist, über die Ecken rein- und wieder raus zu reiten. Du schaffst es, indem du gerade im Sattel sitzt und deinen Blick nach vorne richtest. Nur so kannst du gleichmäßig mit Schenkeln und Gewicht treiben, dein Pferd zwischen deinen Hilfen einschließen und es gerade über das Stangenquadrat reiten.
Nachdem du „durch die ganze Bahn gewechselt“ bist, reitest du entlang der kurzen Seite, um dann gleich wieder durch die ganze Bahn zu wechseln. Nutze die Ecken um dein Pferd zu stellen und zu biegen, bevor es auf die Diagonale und über die Stangen geht.
Am Ende entsteht ein Kreuz, weswegen ich diese Übung als Kreuzparade bezeichne. Mit dieser Übung schulst du, durch das Reiten über die Ecken des Stangenquadrates, dein Auge und du lernst wie du dein Pferd auf gerader Linie an deine Reiterhilfen stellst.
Übung 3 mit dem Stangenquadrat: Das große Kleeblatt
Diese Übung verbindet das Reiten über Stangen mit Handwechseln, geraden und gebogenen Linien. Daher ist sie ideal für die dressurmäßige Arbeit und du musst dein Pferd sowohl gestellt und gebogen reiten als auch geraderichten. Wenn du die ersten beiden Übungen erfolgreich absolviert hast, dann bist du jetzt gut vorbereitet auf das große Kleeblatt.
Du reitest erst einmal ganze Bahn und wechselst dann durch die Länge der Bahn. Die Stangen werden jetzt wieder mittig angeritten und dein Pferd ist geradegerichtet. Danach reitest du halbe Bahn, ohne Handwechsel. Im Vergleich zu Übung 1, als du auf dem Zirkel geritten bist, ist dein Pferd hier über dem Stangenquadrat geradegerichtet. Die Wendungen bei E und B wiederum reitest du in Stellung und Biegung. Danach wechselst du durch die Länge der Bahn und reitest wieder auf der halben Bahn, ohne Handwechsel.
So entsteht ein großes Kleeblatt. Wenn du die Linien dieser Übung noch kleiner reitest, dann wird aus dem großen ein kleines Kleeblatt.
Du hast Lust auf noch mehr Übungen?
In der DAS Reitlernsystem Ponypost teile ich immer wieder exklusive Trainingsideen mit dir. Wenn du dich noch nicht angemeldet hast, dann hol das schnell nach!
Das Rückwärtsrichten ist eine ab der Klasse A verlangte Dressurlektion, die schon so manchen Reiter zum Verzweifeln gebracht hat. In den Dressurprüfungen sieht man häufig am Zügel ziehende Reiter und Pferde, die mit weggedrücktem Rücken rückwärts eilen. Ganz nach dem Motto „Schnell, dann ist es vorbei“. Ganz unabhängig von der Disziplin sollte jedes Pferd das Rückwärtsrichten beherrschen, denn auch im Alltag, wie zum Beispiel beim Ausladen eines Pferdes aus dem Pferdeanhänger, muss jeder sein Pferd rückwärts richten können.
Der Sinn vom Rückwärtsrichten
Das Rückwärtsrichten ist eine Dressurlektion, die zur Überprüfung der Durchlässigkeit und des Gehorsams dient. Wenn wir uns die Skala der Ausbildung ins Gedächtnis rufen, dann ist eine zunehmende Durchlässigkeit das oberste Ziel eines jeden Reiters. Das heißt, vereinfacht formuliert, wir möchten ein willig vorwärts gehendes, an den Hilfen stehendes Pferd haben. Außerdem fördert das Rückwärtsrichten die Versammlung, wohlbemerkt den letzten Punkt der Ausbildungsskala, da es beim Rückwärtstreten zu einer stärkeren Hankenbeugung kommt.
Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären, denn warum sprechen wir beim Rückwärtsrichten eigentlich von Tritten und nicht von Schritten? Das Pferd geht doch im Schritt rückwärts? Im Schritt bewegt sich das Pferd in einem Viertakt: vorne rechts, hinten links, vorne links, hinten rechts. Man sagt auch gleichseitig, aber nicht gleichzeitig. Dies zeigt bereits, dass jeder Schritt des Pferdes einzeln erfolgt. Beim Rückwärtsrichten allerdings sieht das anders aus. Hier tritt das Pferd in einem Zweitakt mit diagonaler Fußfolge rückwärts: vorne links und hinten rechts, vorne rechts und hinten links. Dadurch entstehen die sogenannten Tritte wie beim Trab und hier gilt, gleichzeitig, aber nicht gleichseitig.
Merke: Das Rückwärtsrichten ist ein Zweitakt mit diagonaler Fußfolge und dient zur Überprüfung der Durchlässigkeit.
Traben in der Lösungsphase: Zweitakt mit diagonaler Fußfolge
Die Voraussetzungen für das erfolgreiche Rückwärtsrichten
Was vielleicht einfach aussieht, ist keineswegs einfach zu reiten. Das korrekte Rückwärtsrichten eines Pferdes benötigt vor allem eines: Zeit und Geduld. Das Rückwärtsrichten ist keine Lektion, die mal eben schnell gelernt ist. Wichtigste Voraussetzung für das Rückwärtsrichten ist ein sicheres und geschlossenes Halten sowie ein ruhiges Stehen in konstanter Anlehnung. Oder anders gesagt: Das Pferd muss sicher an den Hilfen des Reiters stehen. Ein Pferd welches bereits beim Stehen unruhig auf der Stelle tritt, wird nur wiederwillig und mit weggedrücktem Rücken rückwärts treten. Solange diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, sollte weiter an der Losgelassenheit gearbeitet werden, bevor es an die Lektion des Rückwärtsrichten geht.
Sobald die Voraussetzungen gegeben sind, können die ersten Tritte rückwärts vom Pferd gefordert werden. Zunächst am besten vom Boden aus, da so zum einen kein störender Reiter mit ins Spiel kommt und zum anderen man besser auf das Pferd einwirken kann. Denn auch wenn das Rückwärtsrichten zu den natürlichen Bewegungen eines Pferdes gehört, so muss es erst einmal verstehen, was von ihm verlangt wird. Wenn das Rückwärtsrichten dann vom Sattel aus gefordert wird, muss der Reiter in der Lage sein, sein Pferd an den Hilfen zu haben, entlastend und dennoch ausbalanciert zu sitzen.
Merke: Ein an den Hilfen stehendes Pferd und ein ausbalanciert sitzender Reiter sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Rückwärtsrichten.
Die Hilfengebung des Reiters
Das Rückwärtsrichten ist im Grunde genommen ein Anreiten, nur eben nach hinten. Das bedeutet, der Reiter gibt die gleichen Hilfen wie beim Anreiten. Zunächst schließt er das Pferd durch halbe Paraden vermehrt ein und gewinnt so die Aufmerksamkeit. Halbe Paraden sind keine alleinigen Zügelhilfen, sondern immer das Zusammenspiel von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Es folgt eine beidseitig belastende Gewichtshilfe, das heißt der Reiter sitzt aufrecht im Sattel. Gleichzeitig treibt er mit beiden Schenkeln, als wolle er anreiten.
Wenn das Pferd in Folge der Hilfengebung antreten will, würde man beim Anreiten nun die Zügel nachgeben, also eine nachgebende Zügelhilfe. Hier liegt nun der entscheidende Unterschied in der Hilfengebung. Wenn das Pferd antreten will, dann wird beim Rückwärtsrichten eine aushaltende, anfangs auch kurz annehmende, Zügelhilfe gegeben. So wird das Pferd zum rückwärts treten veranlasst. Der Reiter sitzt nun entlastend und gibt mit der Hand nach, natürlich ohne die Anlehnung aufzugeben. Damit das Pferd auch im Anschluss weiter willig rückwärts tritt und deutlich abfußt, ist ein dosiertes Einwirken in Form von treibenden Schenkel- und Gewichtshilfen sowie verhaltenden und nachgebenden Zügelhilfen notwendig.
Merke: Rückwärtsrichten ist wie Anreiten nur eben nach hinten und mit einer aushaltenden Zügelhilfe.
Und wie beendet der Reiter das Rückwärtsrichten? Er nutzt seine vorwärtstreibenden Schenkel- und Gewichtshilfen. Die Impulse sind nun etwas deutlicher. Tritt das Pferd an, erfolgt direkt eine nachgebende Zügelhilfe und somit wird das Pferd wieder zum vorwärtsgehen veranlasst.
In kleinen Tritten zum Erfolg
Wie oben schon erwähnt, ist es sinnvoll das Rückwärtsrichten zunächst vom Boden aus zu üben. Dabei sollte man Tritt für Tritt vorangehen und stets loben. Ein Pferd muss nicht direkt 3-4 Tritte, wie es in den späteren Dressurprüfungen häufig verlangt wird, rückwärtstreten. Unter dem Sattel gilt genau das gleiche. Sobald das Pferd den ersten Tritt erfolgreich gemacht hat, wird es gelobt. Wie bei vielen anderen Lektionen auch, bringt es nichts am Zügel zu ziehen und das Pferd so in die Rückwärtsbewegung zu bekommen. Eher muss am korrekten Zusammenspiel der treibenden, aushaltenden und nachgebenden Hilfen gearbeitet werden.
Merke: Anfangs immer nur wenige Tritte verlangen und viel loben.
Eine weitere Schwierigkeit beim Rückwärtsrichten ist, dass das Pferd häufig schief wird, weil es mit der Hinterhand ausweicht. Meist liegt das daran, dass der Reiter ungleichmäßig mit seinen Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen auf das Pferd einwirkt. Schon ein leichtes Einknicken in der Hüfte, führt zu einer einseitigen Gewichtshilfe, auf die das Pferd entsprechend reagiert. Es kann aber auch mit der natürlichen Schiefe des Pferdes zu tun haben und darauf hinweisen, dass das Pferd innerhalb der Ausbildung noch nicht gerade gerichtet ist und das Zusammenspiel der Hilfengebung des Reiter noch nicht übereinstimmt. In diesem Fall kann ein verwahrender Schenkel das seitliche Ausweichen verhindern. Es muss aber der Sitz des Reiters sowie der Ausbildungsstand des Pferdes überprüft werden. Sitzt der Reiter wirklich gerade im Sattel? Ist das Pferd wirklich weit genug ausgebildet um die Lektion Rückwärtsrichten zu lernen? Klappt das Rückwärtsrichten vom Boden aus? Im Zweifel sollte man lieber einen Schritt zurückgehen, als das Pferd zu überfordern.
Merke: Bei Fehlern in erster Linie den eigenen Sitz überprüfen und niemals das Pferd überfordern.
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