Die Hilfengebung beim Reiten einfach und anschaulich erklärt

Die Hilfengebung beim Reiten einfach und anschaulich erklärt

Die Hilfengebung beim Reiten ist die Grundlage für die Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd. Da dein Pferd kein Deutsch spricht und du kein pferdisch, müsst ihr eine gemeinsame Sprache entwickeln. Dies ist die Körpersprache und beim Reiten dein Sitz und die dazugehörige Hilfengebung.

Auch wenn viele Reiter die Hilfengebung kennen und die entsprechenden Begrifflichkeiten nutzen, ist vielen Reitern dennoch unklar, was sie eigentlich warum tun. Und man glaubt es kaum, aber in meinem Alltag treffe ich immer wieder auf Reiter, die schon viele Jahre im Sattel sitzen, aber nicht in der Lage sind, die Reiterhilfen zu erklären. Das muss ja nicht mit Fachbegriffen sein, aber du solltest schon wissen, was du machen musst, damit du beispielsweise einen Zirkel reiten kannst, auf dem dein Pferd dann auch korrekt gestellt und gebogen ist.

Ehrlich gesagt, ist die Haltung von Reitern bezüglich des theoretischen Hintergrundwissens für mich persönlich auch völlig unverständlich. Ich meine, wenn ich nicht weiß, wie ich Gas gebe, schalte und bremse, dann steige ich doch auch nicht in ein Auto ein und fahre los.

Bei der Hilfengebung geht es auch nicht um eine Dauerbeschallung des Pferdes oder um Kraft. Es geht um das richtige Timing, Erfahrung und ganz viel Gefühl, damit dein Pferd dich überhaupt verstehen kann. Ein Reitanfänger muss das alles zunächst lernen, aber ich versichere dir, dass dich das nötige Hintergrundwissen schon mal ein ganzes Stück voranbringt.

Was bedeutet Hilfengebung beim Reiten eigentlich?

Hilfengebung beim Reiten beschreibt die Art, wie wir über unseren Körper mit dem Pferd kommunizieren. Denn, wie eingangs schon erwähnt, dein Pferd spricht deine Sprache nicht und du sprichst nicht die Sprache deines Pferdes.

Vom Sattel kannst du mit diesen Reiterhilfen mit deinem Pferd kommunizieren:

  • dein Gewicht – Gewichtshilfen
  • deine Beine – Schenkelhilfen
  • deine Hände – Zügelhilfen
  • in bestimmten Situationen auch mit Stimme oder Gerte – Hilfsmittel

Die Hilfengebung beim Reiten ist ein komplexes Zusammenspiel von Gewichtshilfen, Schenkelhilfen und Zügelhilfen.

Beim Reiten muss es immer dein Ziel sein, deinem Pferd verständliche und klare Hilfen zu geben. Dabei gilt immer: so fein wie möglich, aber so deutlich wie nötig.

Praxistipp: 
Wenn du beispielsweise antraben möchtest und dein Pferd reagiert auf deine Schenkelhilfe nicht, dann komm nicht in ein Dauertreiben oder gar Klopfen mit dem Unterschenkel, sondern versuche Folgendes: Frage mit deinem Schenkel an. Kommt keine Reaktion, dann frage mit deinem Schenkel etwas deutlicher an. Kommt wieder keine Reaktion, dann unterstütze mit der Gerte. Mit jeder Wiederholung wirst du merken, dass dein Pferd deine Schenkelhilfe besser annimmt.

Hilfengebung beim Reiten

Welche Reiterhilfen gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden wir drei Reiterhilfen: die Gewichtshilfen, die Schenkelhilfen und die Zügelhilfen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Man sagt oft, dass prozentual gesehen die Gewichtshilfen 60 % ausmachen, die Schenkelhilfen 30 % und die Zügelhilfen lediglich 10 %. Damit wird deutlich, dass die Gewichtshilfen immer vorherrschend sind und die Zügelhilfen die geringste Aufgabe tragen.

Praxistipp: 
Ein Klassiker für den falschen Einsatz der Zügelhilfen sind Übergänge. Zahlreiche Reiter reiten die Übergänge durch zu starken Einsatz der Zügelhilfen. Versuch es mal so: Bereite dein Pferd über halbe Paraden auf den Übergang vor. Dabei bleiben die Schenkel am Pferdebauch, aber eher begleitend als aktiv treibend. Verlagere dein Gewicht nach hinten, indem du dein Becken nach vorne kippst. Atme aus. Erst jetzt kommt eine annehmende Zügelhilfe, gefolgt von einer nachgebenden Zügelhilfe und dem treibenden Schenkel, um den ersten Schritt oder Tritt in der neuen Gangart herauszureiten.

Die Gewichtshilfen

Sie entstehen durch deine Sitzposition und dein Körpergewicht. Wir unterscheiden:

  • beidseitig belastende Gewichtshilfe (z.B. bei allen Übergängen)
  • einseitig belastende Gewichtshilfe (z.B. auf gebogenen Linien)
  • entlastende Gewichtshilfe (z.B. im leichten Sitz)

Mit deinen Gewichtshilfen beeinflusst du das Gleichgewicht, die Richtung und auch das Tempo deines Pferdes. Das passiert oft auch ganz unbewusst.

Die Schenkelhilfen

Bei den Schenkelhilfen unterscheiden wir folgende Hilfen:

  • vorwärtstreibende Schenkelhilfe (z.B. im Trab auf gerader Linie)
  • vorwärts-seitwärtstreibende Schenkelhilfe (z.B. der innere Schenkel beim Schenkelweichen)
  • verwahrende Schenkelhilfe (z.B. der äußere Schenkel beim Schenkelweichen)

Der Schenkel liegt in positiver Körperspannung am Pferdebauch. Er klopft nicht und er „Dauerdrückt“ nicht. Dein Schenkel arbeitet mit Impulsen. Hier geht es ganz viel um dein Gefühl und dein Timing. Du musst erkennen, wann und wie stark du deinen Schenkel einsetzen musst. Wird dein Pferd im Trab beispielsweise deutlich langsamer, dann arbeitest du mit Impulsen. Ist das Tempo wiederhergestellt, dann liegt der Schenkel nur noch unterstützend am Pferdebauch. Er atmet sozusagen mit, ist aber weniger aktiv.

Die Zügelhilfen

Die Zügelhilfen regulieren das Tempo und kümmern sich um die Stellung. Dabei muss die Zügelführung immer weich sein. Wir unterscheiden folgende Zügelhilfen:

  • nachgebende Zügelhilfe (z.B. bei einem erfolgten Übergang)
  • annehmende Zügelhilfe (z.B. um einen Übergang zu reiten)
  • aushaltend (z.B. als Vorbereitung auf einen Übergang)
  • verwahrend (z.B. der äußere Zügel beim Schenkelweichen)
  • seitwärtsweisend (z.B. der innere Zügel in Wendungen, hauptsächlich bei jungen Pferden)

Die Zügelhilfen werden niemals allein eingesetzt, sondern immer in Verbindung mit Gewichts- und Schenkelhilfen. Erinnere dich an das Beispiel oben. Wenn du einen Übergang vom Trab zum Schritt reiten willst, dann ziehst du nicht am Zügel, um dein Pferd langsamer zu machen, sondern bedienst dich des komplexen Zusammenspiels von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Außerdem folgt einer annehmenden Zügelhilfe immer eine nachgebende Zügelhilfe.

Praxistipp: 
Um korrekte Zügelhilfen geben zu können, ist die richtige Handhaltung der Zügelfäuste unabdingbar. Das kannst du auch ohne Pferd üben, indem ein Helfer die Trense hält und du die Zügel aufnimmst. Probiere mal, was passiert, wenn du zum Beispiel offene oder verdeckte Zügelfäuste hast. Du wirst merken, dass dies Auswirkungen auf deinen Schultergürtel hat. Du blockierst, und das wiederum hat Auswirkungen auf deinen gesamten Reitersitz.

Hilfengebung beim Reiten

Warum funktioniert die Hilfengebung nur mit einem ausbalancierten Reitsitz?

Jetzt kommt zweifelsohne der Punkt, den viele Reiter unterschätzen. Ohne einen ausbalancierten Reitersitz kannst du keine guten und feinen Hilfen geben. Ich will dir an dieser Stelle drei Beispiele nennen:

1. Wenn du noch nicht ausbalanciert auf dem Pferd sitzt, dann wirst du immer versuchen, wenn auch unterbewusst, dich an den Zügeln festzuhalten. Ganz abgesehen davon, dass es für das Maul deines Pferdes äußerst unangenehm ist, wenn du dich am Zügel festhältst, wirst du auch nicht in der Lage sein, feine Zügelhilfen zu geben.

2. Wenn du dein Gleichgewicht noch nicht gefunden hast, dann wirst du dazu tendieren, dich mit den Beinen festzuhalten. Das sogenannte Klammern mit den Beinen. Für dein Pferd fühlt sich das an, als ob es eine Wäscheklammer auf dem Rücken hat, und es kann nicht mehr seiner natürlichen Bewegung folgen. Du selbst kannst keine korrekten Schenkelhilfen geben, weil deine Beine komplett verkrampft sind und unter negativer Spannung stehen. Außerdem ist es so unmöglich, mit der Bewegung deines Pferdes mitzuschwingen, da dein Becken blockiert ist.

3. Ein weiterer Knackpunkt bei mangelndem Gleichgewicht ist der Oberkörper. Viele Reiter, die noch nicht ausbalanciert sitzen, tendieren insbesondere bei Übergängen dazu, den Oberkörper zu weit nach vorne zu neigen. Dadurch ist es nicht möglich, eine korrekte Gewichtshilfe zu geben. Der Reiter sitzt nicht mehr richtig im Sattel und die Kippbewegung des Beckens kann nicht mehr ausgeführt werden.

Praxistipp: 
Stell dir beim Reiten immer mal wieder vor, dass du so sitzen musst, dass jederzeit jemand dein Pferd unter dir herausziehen könnte, und du darfst nicht umkippen. Das kannst du auch wieder ohne Pferd üben. Stell dich mal mit gebeugten Beinen hin, so als ob du auf dem Pferd sitzt. Wie weit kannst du deinen Oberkörper nach vorne und nach hinten neigen, bevor du umkippst?

Du siehst also, dass es ganz wichtig ist, erst Sitzen zu lernen, bevor es an die Hilfengebung geht. Ich sage ganz gerne: Erst sitzt du, dann hilfst du.

Wie hängen Sitz, Gleichgewicht und Hilfengebung zusammen?

Anhand der vielen Beispiele, die ich dir bis hierher schon genannt habe, ist dir vermutlich schon klar geworden, wie wichtig dein Reitersitz ist und warum du nur aus einem ausbalancierten Sitz heraus korrekte Hilfen geben kannst.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, wofür dein Reitersitz wichtig ist:

  • damit dein Schwerpunkt immer über dem Pferd bleibt und du nicht einfach das Gleichgewicht verlierst (und herunterfällst)
  • damit dein Becken beweglich ist, du in die Bewegung des Pferdes eingehen kannst und so den natürlichen Bewegungsfluss deines Pferdes unterstützt (und nicht blockierst)
  • damit deine Beine in positiver Körperspannung anliegen und du dein Pferd impulsartig in der Bewegung unterstützen kannst
  • damit deine Hände unabhängig von deinem Sitz bleiben und du dein Pferd nicht in der Bewegung störst oder gar unverständliche Hilfen gibst
Hilfengebung beim Reiten

Ich möchte dir ein weiteres Beispiel nennen:

Im Trab sitzt du ausbalanciert, die Hilfengebung ist dir klar, und nun möchtest du in der nächsten Ecke angaloppieren. Deine innere Hüfte ist etwas nach vorne geschoben (einseitig belastende Gewichtshilfe), dein innerer Schenkel treibt (vorwärtstreibende Schenkelhilfe) und dein äußerer Schenkel liegt etwas hinter dem Gurt (verwahrender Schenkel). Mit dem inneren Zügel stellst du dein Pferd (annehmende Zügelhilfe) und mit dem äußeren Zügel lässt du die Stellung zu (verwahrende Zügelhilfe). Im Moment des Angaloppierens gibt die innere Hand vor (nachgebende Zügelhilfe) und lässt den Galoppsprung raus. Jetzt verlierst du aber genau in diesem Moment dein Gleichgewicht. Im Reflex wirst du die Hand zurückziehen und dich festhalten wollen. Was meinst du, was bei deinem Pferd in diesem Moment ankommt? Auf der einen Seite hast du es vorwärtsgetrieben in den Galopp und gleichzeitig gebremst. Du kennst es vom Autofahren: Gleichzeitig Gas geben und Bremsen funktioniert nicht. Auch nicht bei deinem Pferd.

Die Gewichtshilfe als wichtigste und gleichzeitig schwierigste Hilfe

Die Gewichtshilfe ist die feinste Form der Hilfengebung beim Reiten und gleichzeitig die, die am häufigsten missverstanden wird. Das liegt daran, dass diese Hilfe im Vergleich zu den Schenkel- und Zügelhilfen, am wenigsten sichtbar ist und stark von deinem Körpergefühl abhängig ist.

Das Zentrum deiner Gewichtshilfe ist dein Becken. Es ist der Dreh- und Angelpunkt deines Reitersitzes. Über dein Becken nimmst du die Bewegung des Pferdes auf und gibst gleichzeitig Impulse zurück.

Damit das aber funktioniert, muss dein Becken beweglich sein, und genau hier liegt bei vielen Reitern das Problem. Ein blockiertes Becken ist leider keine Seltenheit. Viele Reiter haben Schwierigkeiten, die natürliche Kippbewegung im Becken überhaupt bewusst auszuführen. Statt mitzuschwingen, wird die Bewegung oft „ausgesessen“ oder sogar gebremst. Für das Pferd fühlt sich das dann so an, als würde jemand gegen seine Bewegung arbeiten.

Praxistipp: 
Setze dich mal auf einen normalen Stuhl und kippe dein Becken abwechselnd nach vorne und hinten. Wie gut kannst du das? Gibt es eine Bewegungsrichtung, die besser funktioniert?

Hinzu kommt, dass fast jeder Reiter eine mehr oder weniger ausgeprägte natürliche Schiefe mitbringt. Das führt dazu, dass das Gewicht unbewusst auf eine Seite verlagert ist und eine gleichmäßig beidseitig belastende Gewichtshilfe schwerfällt. Das Problem dabei ist, dass dein Pferd genau auf diese feinen Unterschiede reagiert (wenn auch zugegebenermaßen: die einen mehr, die anderen weniger). Wenn du also denkst, du sitzt gerade, kann es sein, dass dein Pferd bereits eine ganz andere Information von dir bekommt.

Deshalb ist die Arbeit an deinem Reitersitz so entscheidend. Nur wenn du spürst, wie du sitzt, kannst du deine Gewichtshilfen (und auch alle anderen Hilfen) gezielt einsetzen. Eine gut eingesetzte Gewichtshilfe ist nahezu unsichtbar. Du musst nicht drücken oder schieben. Oft reicht eine kleine Veränderung im Becken, damit dein Pferd versteht, was du von ihm möchtest.

Hilfengebung beim Reiten

Diese Reiterin ist leicht schief nach links. Das korrekte Ausführen einer beidseitig belastenden Gewichtshilfe wird ihr vermutlich schwerfallen.

Die Schenkel- und Zügelhilfen richtig einsetzen

Keine Hilfe steht für sich allein und auch die Schenkel- und Zügelhilfen arbeiten immer zusammen. Der Schenkel gibt deinem Pferd die Bewegungsenergie, die aus der Hinterhand kommt, und der Zügel hilft dir, diese Energie zu regulieren.

Erst wenn beides zusammenspielt, entsteht eine für dein Pferd verständliche Hilfengebung beim Reiten.

In meinen Reitstunden erkläre ich das oft so:

  • Schenkel ohne Zügel: dein Pferd läuft einfach nur davon
  • Zügel ohne Schenkel: dein Pferd fällt auseinander

Aber was bedeutet das eigentlich genau?

Wenn dein Pferd „davonläuft“, heißt das nicht, dass es durchgeht. Es bedeutet vielmehr, dass die Energie zwar nach vorne geht, aber nicht mehr kontrolliert wird. Dein Pferd wird eilig und verliert meistens den Rhythmus. Es fehlt die regulierende Verbindung.

Wenn dein Pferd „auseinanderfällt“, passiert genau das Gegenteil: Es fehlt die treibende Bewegungsenergie von hinten. Dein Pferd läuft zwar noch, aber ohne Spannung und ohne aktiven Schub aus der Hinterhand. Es wird triebig, kommt nicht richtig vorwärts und fühlt sich oft schwer oder „zäh“ an.

Ein ganz typisches Thema ist dabei das sogenannte „triebige Pferd“. Viele Reiter haben das Gefühl, ihr Pferd sei faul oder müsse ständig angetrieben werden. In der Realität liegt die Ursache aber oft beim Reiter selbst.

Zum Beispiel: Wenn du dauerhaft mit dem Schenkel am Pferd bist und treibst, lernt dein Pferd, diesen Impuls zu ignorieren. Es stumpft ab, weil es keinen Unterschied mehr zwischen einer wirklich vorwärtstreibenden Schenkelhilfe und einem anliegenden „atmenden“ Schenkel kennt.

Oder ein weiteres Beispiel: Wenn dein Becken blockiert ist und du nicht in der Bewegung deines Pferdes mitschwingen kannst, dann blockierst du die Vorwärtsbewegung.

Das Ergebnis ist immer das gleiche. Du musst mehr treiben und dein Pferd reagiert immer weniger.

Eine gute Schenkelhilfe ist deshalb kurz, klar und gezielt. Ein Impuls. Und danach passiert etwas ganz Wichtiges: Du lässt wieder los. Das heißt, dein Schenkel liegt an, aber ist weniger aktiv. Dein Pferd soll lernen, auf einen Impuls zu reagieren und nicht auf Dauerbeschallung.

Praxistipp:
Wenn du mit deinem Pferd an der Schenkelsensibilität arbeitest, dann lobe es unbedingt, wenn es die gewünschte Reaktion zeigt. Ein sanftes Lob mit der Stimme und ein ruhiger Schenkel sind völlig ausreichend.

Am Ende geht es auch hier wieder um Gefühl und das richtige Timing. Wenn Schenkel und Zügel im richtigen Moment zusammenspielen, fühlt sich Reiten plötzlich leicht an.

Woran erkennst du, ob dein Pferd an den Hilfen steht?

Dieses „Ein Pferd an den Hilfen haben“ ist so ein ganz typischer Begriff, den man im Reitunterricht ständig hört und den nur die wenigsten richtig greifen können. Deswegen stellt sich im Zusammenhang mit der Hilfengebung beim Reiten die Frage, was das eigentlich bedeutet.

Ein Pferd steht dann an den Hilfen, wenn es deine Signale versteht, darauf reagiert und sich dabei im Gleichgewicht und losgelassen bewegt. Oder mit anderen Worten: Wenn ihr eine gemeinsame Sprache gefunden habt.

Ob dein Pferd an deinen Hilfen steht, erkennst du daran:

  • Es reagiert auf leichte Impulse, ohne dass du ständig nachtreiben musst
  • Es bleibt im Takt, egal ob du angaloppierst, durchparierst oder die Richtung wechselst
  • Es ist von sich aus in seiner natürlichen Vorwärtsbewegung
  • Es lässt sich über deinen Sitz und deine Hilfen gut regulieren
  • Es wirkt insgesamt zufrieden

Oder in einem Satz gesagt: Es fühlt sich leicht an.

Leicht heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass dein Pferd von allein vorwärtsläuft. Es bedeutet vielmehr, dass du das Gefühl hast, mit wenig Aufwand viel zu erreichen.

Auch hier nochmal ein Beispiel: Du möchtest angaloppieren und dein Pferd springt auf deine Hilfe hin ruhig und klar an. Du musst nicht viel vorbereiten, treiben, nachtreiben und nochmal nachfragen. Es passiert einfach.

Genauso verhält es sich beim Durchparieren: Du setzt dich etwas tiefer hin, kippst dein Becken, machst dich schwer, atmest aus, und dein Pferd reagiert sofort, ohne sich festzumachen oder auf die Hand zu legen.

Hilfengebung beim Reiten

Hier darf die Reiterin ihre Oberarm lockerer fallenlassen, dann würden auch die Unterarme und die Zügelfäuste mehr entspannen.

Die Hilfengebung beim Reiten zu erlernen heißt, fühlen lernen

Die Hilfengebung beim Reiten ist nichts, was du einfach auswendig lernst, und dann funktioniert es. Es bringt dich aber schon mal deutlich voran, wenn du weißt, mit welchen Hilfen wir wann, wie und warum arbeiten.

Im Sattel geht es dann ganz viel um Gefühl und Wahrnehmung. Wie fühlt sich was für dich an? Wie nimmst du deinen eigenen Körper wahr? Fühlt es sich gut und leicht an? Oder eher schleppend? Was kannst du verändern, damit es besser wird?

Die Hilfengebung lernst du nicht von heute auf morgen. Und ehrlicherweise auch nicht übermorgen. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt, mit jedem Pferd, das du reitest, mit jeder Trainingseinheit und mit jedem kleinen Aha-Moment, den du im Sattel erlebst. Das ist ein Prozess.

Am Anfang denkst du vielleicht noch viel darüber nach, was du eigentlich tun musst. Mit der Zeit spürst du immer mehr, wann und wie du etwas tun musst. Es stellt sich eine Routine ein und du wirst immer mehr zum Reiter, der sein Pferd anleitet und unterstützt.

Je besser dein Körpergefühl wird, desto feiner wird auch deine Kommunikation mit deinem Pferd. Und plötzlich brauchst du weniger Kraft, weniger Korrekturen und weniger „Machen“, weil deine Hilfengebung immer klarer wird und dein Pferd dich immer besser versteht.

Fazit: Eine gute Hilfengebung beim Reiten beginnt bei dir

Die Hilfengebung beim Reiten ist neben deinem Reitersitz die Grundlage für alles, was du im Sattel tust. Sie entscheidet darüber, ob dein Pferd dich versteht oder eben nicht. Dabei geht es nicht um Kraft oder darum, möglichst viel zu machen. Es geht um Timing, Gefühl und darum, deinen eigenen Körper bewusst einzusetzen.

Ein ausbalancierter Sitz, ein bewegliches Becken und eine klare, gezielte Hilfengebung sind der Schlüssel zu einer feinen Kommunikation mit deinem Pferd. Wenn du bereit bist, an dir selbst zu arbeiten, genauer hinzuspüren und Zusammenhänge zu verstehen, wird sich etwas ganz Entscheidendes verändern: Es wird sich leicht anfühlen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie:
1. Reiten lernen als Erwachsener – der entspannte Einstieg in den Sattel
2. Sicherer Umgang mit Pferden – so wirst du zum Pferdemensch
3. Angstfrei reiten: So gewinnst du Vertrauen zu dir und deinem Pferd
4. Reitlehre einfach erklärt – die wichtigsten Grundlagen für Freizeitreiter
5. Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt
6. Die Hilfengebung beim Reiten einfach und anschaulich erklärt
7. Schritt, Trab, Galopp – die Gangarten im Überblick (folgt)
8. Pferdefreundlich reiten – geht das überhaupt als Anfänger? (folgt)
9. Mit Struktur zum Ziel – der rote Faden in der Reitausbildung (folgt)
10. Beziehung statt Dominanz – wie echte Verbindung entsteht (folgt)

Die einfache Schlangenlinie reiten, um Stellung und Biegung zu verbessern

Die einfache Schlangenlinie reiten, um Stellung und Biegung zu verbessern

Die einfache Schlangenlinie an der langen Seite gehört zu den klassischen Hufschlagfiguren und wird trotzdem oft unterschätzt. Viele Reiter reiten sie „irgendwie“, ohne sich bewusst zu machen, wie viel Gymnastik, Koordination und Kommunikation tatsächlich in dieser Linie steckt.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du die einfache Schlangenlinie gezielt nutzen kannst, um dein Pferd besser zu gymnastizieren, und wie du Übergänge harmonisch einbauen kannst. Mit klaren Markierungen durch Pylonen, durchdachten Variationen und dem Fokus auf pferdegerechtes Reiten wird aus einer scheinbar einfachen Figur eine wertvolle Trainingseinheit für dich und dein Pferd.

Warum die einfache Schlangenlinie so wertvoll ist

Die einfache Schlangenlinie lebt von klaren Wechselpunkten. Genau dort entscheidet sich, ob dein Pferd wirklich von einer Stellung in die andere findet oder ob du es nur „irgendwie“ von links nach rechts ziehst.

Richtig geritten, fördert die einfache Schlangenlinie:

  • die Losgelassenheit
  • die Biegung auf beiden Seiten
  • das Gleichgewicht
  • die Geraderichtung
  • die feine Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd

Sie zwingt uns Reiter dazu, vorausschauend zu reiten, die Linie entsprechend vorzubereiten und unsere Hilfen klar zu koordinieren. Und genau das macht sie so wertvoll.

Praxistipp:
Bevor du mit dem Reiten der einfachen Schlangenlinie beginnst, solltest du dein Pferd korrekt durch die Ecken deiner Reitbahn reiten können. Denn wenn du schon dazu tendierst, die Ecken abzukürzen, dann wird es dir schwerfallen, die richtige Linienführung bei der einfachen Schlangenlinie einzuhalten.

Vorbereitung: Die einfache Schlangenlinie sichtbar machen

Damit du eine klare Orientierung hast, empfehle ich dir, die Schlangenlinie mit Pylonen zu markieren.

So platzierst du die Pylonen:

  • Jeweils zwei Pylonen an den Wechselpunkten
  • Zwei Pylonen am Scheitelpunkt auf der Viertellinie

Diese Markierungen helfen dir dabei:

  • die Linie exakt zu treffen
  • die Wechselpunkte bewusst wahrzunehmen
  • dein Pferd nicht „zu früh“ oder „zu spät“ umzustellen

Gerade wenn du an Stellung, Biegung oder Übergängen arbeitest, sind solche optischen Markierungen sehr hilfreich. Bei meinen Reitschülern sehe ich oft, dass erst mit Pylonen wirklich klar wird, wo die Wechselpunkte eigentlich liegen.

Grundübung: Die einfache Schlangenlinie im Schritt

Wir starten bewusst im Schritt. Nicht, weil es „einfacher“ ist, sondern weil du hier Zeit hast, wirklich bewusst und korrekt zu reiten.

So wird die Übung geritten:

  • Reite im Schritt ganze Bahn
  • Reite die Ecke vernünftig aus
  • Wende auf die Schlangenlinie ab
  • Reite durch die Pylonen und stelle dein Pferd um
  • Achte darauf, dass dein Pferd nicht über die Schulter ausweicht

Hier zeigt sich schon, wie fein dein Pferd auf deine Hilfen reagiert und wie gut deine eigene Koordination ist.

einfache Schlangenlinie reiten

Praxistipp:
Mach dir im Vorfeld einmal bewusst, welche Hilfen du wann geben musst. Was musst du am Wechselpunkt machen, um dein Pferd umzustellen? Was machen deine Beine und was machen deine Hände? Was macht deine Gewichtshilfe?

Zum Weiterlesen:
Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt

Variation am Scheitelpunkt: Eine Volte für mehr Gleichgewicht

Im nächsten Schritt baust du eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Variation ein.

Das kommt dazu:

  • Reite eine Volte am Scheitelpunkt der Schlangenlinie
  • Danach: Schlangenlinie weiterreiten

Um die Volte zu reiten, musst du dein Pferd auch hier einmal umstellen und die Biegung neu fordern. Dein Pferd soll mit dem inneren Hinterbein vermehrt untertreten, ohne dabei über die äußere Schulter zu drängen. Das ist ein sehr komplexes Zusammenspiel von all deinen Reiterhilfen und nicht nur „ziehen“ am inneren Zügel, weil du da rum willst.

einfache Schlangenlinie reiten

Praxistipp:
Um zu überprüfen, wie gut du dein Pferd an den Hilfen hast, kannst du in der Volte mal mit der inneren Hand überstreichen. Kann dein Pferd sich selbst tragen?

Die einfache Schlangenlinie im Trab und mit Übergängen

Wenn die Übungen im Schritt gut funktionieren, kannst du sie im Trab reiten. Erst die Schlangenlinie und dann mit der Volte am Scheitelpunkt. Im nächsten Schritt wollen wir auf der Schlangenlinie noch Übergänge einbauen.

So wird es geritten:

  • Wende im Trab auf die Schlangenlinie ab
  • Erster Wechselpunkt: Übergang zum Schritt
  • Scheitelpunkt: Volte im Schritt
  • Zweiter Wechselpunkt: Übergang zurück in den Trab

Diese Kombination schult:

  • die Aufmerksamkeit deines Pferdes
  • die Reaktionsfähigkeit auf deine Hilfen
  • und deine eigene Koordination

Wichtig dabei: Die Übergänge sollten fließend sein. Reite dein Pferd in die neue Gangart hinein und ziehe nicht einfach nur am Zügel, weil du an Bremsen denkst. Klar, so kommst du vermutlich auch im Schritt an, aber ein schöner Übergang war das dann nicht.

Praxistipp:
Wenn du die Schlangenlinie im Trab reitest, dann kannst du entweder Aussitzen oder Leichttraben. Beim Leichttraben musst du darauf achten, an den Wechselpunkten entsprechend umzusitzen.

Die einfache Schlangenlinie mit Übergängen im Galopp

Wenn du und dein Pferd vom Ausbildungsstand her so weit seid, dann kannst du die Übung auch im Galopp reiten. Dazu nehmen wir die Variante mit den Übergängen.

So wird es geritten:

  • Wende im Galopp auf die Schlangenlinie ab
  • Erster Wechselpunkt: Übergang zum Trab
  • Scheitelpunkt: Volte im Trab
  • Zweiter Wechselpunkt: Übergang zurück in den Galopp

Hier wird besonders deutlich, wie:

  • wichtig, die Vorbereitung für einen fließenden Übergang ist
  • ausbalanciert dein Reitersitz ist
  • gut, du mit der Bewegung deines Pferdes mitkommst

Noch eine zusätzliche Möglichkeit: Verstärkungen einbauen

Wenn du jetzt Lust auf noch mehr hast, und dein Pferd auch noch motiviert ist, kannst du die Übung noch um Verstärkungen erweitern.

Zum Beispiel:

  • nach der Schlangenlinie auf der gegenüberliegenden langen Seite
  • im Trab: Tritte verlängern oder Mitteltrab
  • im Galopp: Galoppsprünge verlängern oder Mittelgalopp
  • nach der Verstärkung: Tempo über den Sitz wieder zurückführen

Damit arbeitest du an:

  • der Durchlässigkeit
  • dem Reaktionsvermögen
  • der feinen Reaktion deines Pferdes auf deine Reiterhilfen

Praxistipp:
Weniger ist mehr. Du musst bei Tempoveränderungen innerhalb einer Gangart nicht gleich eine ganze lange Seite reiten. Vor allem dann nicht, wenn dein Pferd das noch nicht halten kann. Ein paar gelungene Tritte im Mitteltrab sind viel mehr wert, als eine ganze lange Seite „nur gerannt“.

Worauf du besonders achten solltest

Egal, welche Variante du reitest, achte auf:

1.  Stellung und Biegung

Bei der Stellung und Biegung geht es nicht nur darum, dass dein Pferd den Kopf zur Seite nimmt. Sitze mittig und belaste deinen inneren Sitzbeinhöcker bewusst etwas mehr. Dein innerer Schenkel liegt dabei ruhig am Gurt und lädt dein Pferd ein, sich zu biegen. Der äußere Zügel begrenzt die Schulter und der innere Zügel kümmert sich um die Stellung, ohne dass du dabei ins Ziehen kommst. Denk immer daran: Erst deine Gewichtshilfen, dann die Schenkelhilfen und als Letztes die Zügelhilfen.

2.  Übergänge aus deinem Sitz heraus

Gute Übergänge entstehen aus deinem Sitz heraus und nicht durch Ziehen am Zügel. Für gute Übergänge kommt dein Oberkörper minimal nach hinten, du atmest aus und machst deine Bewegung im Becken kleiner. Gleichzeitig bleiben deine Schenkel weich am Pferdebauch. Erst wenn nötig, unterstützt du dein Pferd mit einer annehmenden Zügelhilfe.

3.  Zeit lassen

Du musst niemandem etwas beweisen. Nimm dir Zeit für die Übung und mache dir vor allem die Hilfengebung bewusst. Du musst nicht alle Varianten, die ich dir hier aufgelistet habe, in einer einzelnen Trainingseinheit reiten.

4.   Schritt ist vollkommen okay

Wenn du alles im Schritt reitest, weil du dich damit besser fühlst und das vielleicht auch dem aktuellen Ausbildungsstand entspricht, dann ist das okay. Auch im Schritt ist das, korrekt geritten, ein hochwertiges Training. Im Schritt kannst du an den Wechselpunkten auch Übergänge zum Halten reiten oder an der langen Seite die Schritte deines Pferdes vergrößern.

Zum Mitnehmen: Weniger Tempo, mehr Gefühl

Die einfache Schlangenlinie mit den verschiedenen Variationen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie klassische Hufschlagfiguren für ein effektives Training genutzt werden können. Am Ende geht es nicht darum, dass du alles im Galopp reitest. Es geht darum, bewusst, durchdacht und pferdegerecht zu reiten.

Nimm dir Zeit für die Linien.

Nimm dir Zeit für die Wechsel.

Und vor allem: Nimm dir Zeit für dein Gefühl.

Weihnachtliche Stangenarbeit: 6 Aufbauideen mit Übungen

Weihnachtliche Stangenarbeit: 6 Aufbauideen mit Übungen

Wenn die Adventszeit beginnt, bekommen meine Reitstunden einen kleinen Hauch von Weihnachten, insbesondere mit der weihnachtlichen Stangenarbeit. Ich liebe es, mit den Pferden und Reitschülern kreative Übungen bei der Stangenarbeit umzusetzen und mal etwas anderes zu machen. Bei den weihnachtlichen Aufbauideen für die Stangenarbeit geht es nicht nur um die Gymnastizierung deines Pferdes, sondern auch um richtig viel Spaß. In diesem Jahr habe ich mir fünf ganz besondere Stangenaufbauten überlegt: vom Weihnachtsbaum bis zum Nikolausstiefel ist alles dabei.

Diese Übungen kannst du ganz leicht nachbauen – egal ob du mit Kindern arbeitest, dein Training weihnachtlicher gestalten möchtest oder einfach Lust auf eine abwechslungsreiche Reiteinheit an einem Adventssonntag hast. Los geht’s mit meinen fünf weihnachtlichen Stangenarbeit-Ideen, die garantiert einen Hauch von Weihnachten auf den Reitplatz bringen.

Ein Klassiker: Der Weihnachtsstern

Du brauchst:

✔️ 10 Stangen

Übungen:

✔️ auf geraden Linien über die flachen Seiten in den Stern hinein und über die Sternspitze wieder raus

✔️ auf gebogener Linie über die Sternspitze

✔️ auf geraden Linien über die Sternspitzen (je nachdem, wo du langreitest, musst du dein Pferd etwas mehr aufnehmen oder etwas zulegen)

✔️ auf gebogener Linie in den Stern rein und wieder raus

Zum Weiterlesen:
Stangenarbeit mit dem Stern: 9 Übungen zum Nachreiten

weihnachtliche stangenarbeit uebungen
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Weihnachtliche Stangenarbeit: Das Weihnachtsgeschenk – die kleine Variante

Du brauchst:

✔️ 4 Stangen

✔️ 2 Pylonen

Übungen:

✔️ auf geraden Linien längs über das Weihnachtsgeschenk, wobei du die Lage der Linien variieren kannst

✔️ auf geraden Linien diagonal über das Weihnachtsgeschenk

✔️ auf gebogener Linie über das Weihnachtsgeschenk (Achtung bei den Pylonen, ich habe tatsächlich Pferde erlebt, die hier bei den ersten Versuchen etwas guckig sind)

✔️ auf einer Volte über die Ecke des Weihnachtsgeschenks

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Weihnachtliche Stangenarbeit: Das Weihnachtsgeschenk – die große Variante

Du brauchst:

✔️ 12 Stangen

✔️ 2 Pylonen

Übungen:

✔️ auf geraden Linien längs über das Weihnachtsgeschenk

✔️ auf geraden Linien diagonal über das Weihnachtsgeschenk

✔️ auf gebogenen Linien über das Weihnachtsgeschenk (das kann ein Zirkel sein oder – wie in der Abbildung dargestellt – eiförmig)

weihnachtliche stangenarbeit uebungen
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Der nächste Klassiker: Der Weihnachtsbaum

Du brauchst:

✔️ 14 Stangen

Übungen:

✔️ auf geraden Linien über den Weihnachtsbaum, wobei du die Linien variieren kannst

✔️ auf einer Volte über die Spitzen des Weihnachtsbaumes

✔️ auf unterschiedlich großen gebogenen Linien über den Weihnachtsbaum

weihnachtliche stangenarbeit uebungen
weihnachtliche stangenarbeit uebungen

Nicht nur für Kinder: Die Weihnachtsmannmütze

Du brauchst:

✔️ 8 Stangen

✔️ 8 Pylonen

Übungen:

✔️ auf geraden Linien über die Weihnachtsmannmütze (Achtung, hier wird über liegende Pylonen geritten, so manches Pferd macht hier große Augen)

✔️ auf verschiedenen Quadraten über die Weihnachtsmannmütze

✔️ auf verschiedenen gebogenen Linien über die Weihnachtsmannmütze

weihnachtliche stangenarbeit uebungen
weihnachtliche stangenarbeit uebungen
weihnachtliche stangenarbeit uebungen

Stangenarbeit mal anders: Die Weihnachtssocke

Du brauchst:

✔️ 7 Stangen

✔️ 8 Pylonen

Übungen:

✔️ auf unterschiedlichen geraden Linien über die Weihnachtssocke

✔️ auf diagonalen Linien über die Weihnachtssocke

✔️ auf verschiedenen gebogenen Linien über die Weihnachtssocke

weihnachtliche stangenarbeit uebungen
weihnachtliche stangenarbeit uebungen
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Praxistipps für deine weihnachtliche Stangenarbeit und den Übungen

● Für Kinder sind die Weihnachtsmannmütze und die Weihnachtssocke der absolute Hit.

● Der Weihnachtsstern, das Weihnachtsgeschenk und der Weihnachtsbaum eignen sich hervorragend für abwechslungsreiche Stangenstunden und für jedes Niveau.

● Für Aufbau-Faule ist das kleine Weihnachtsgeschenk am besten geeignet.

● Reite die Übungen in verschiedenen Gangarten.

● Variiere deinen Sitz: z.B. Aussitzen, Leichttraben und leichter Sitz.

● Achte auf regelmäßige Handwechsel.

● Reite Übergänge von Gangart zu Gangart: z.B. im Trab in den Weihnachtsstern rein, Übergang zum Schritt und dann im Schritt den Weihnachtsstern verlassen.

● Sei kreativ. Bei allen Aufbauten kannst du auch noch viele weitere Übungen reiten.

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Seitengänge reiten: So bringst du mehr Kraft, Balance und Koordination in dein Training

Seitengänge reiten: So bringst du mehr Kraft, Balance und Koordination in dein Training

Das Seitengänge reiten ist für viele Freizeitreiter ein Buch mit sieben Siegeln. Klingt nach Dressurprüfung, Noten und komplizierter Hilfengebung – oder? Erkennst du dich wieder? Dabei sind Schulterherein, Travers & Co. echte Gamechanger für dein tägliches Training. Sie helfen dir, dein Pferd besser zu gymnastizieren, sorgen für mehr Balance, fördern die Hinterhand und stärken die Kommunikation zwischen euch.

In diesem Beitrag zeige ich dir, was Seitengänge überhaupt sind, warum sie für jedes Pferd sinnvoll sind – ganz egal, ob Warmblut, Haflinger oder Tinker – und wie du sie in dein Reiten integrierst. Ganz ohne Druck. Im Dressurviereck, in der Springstunde oder beim Ausreiten.

Was sind Seitengänge überhaupt?

Bei den Seitengängen bewegt sich dein Pferd vorwärts-seitwärts und ist dabei gleichmäßig gebogen. Das so bekannte Schenkelweichen gehört deswegen nicht zu den Seitengängen. Beim Schenkelweichen bewegt sich dein Pferd zwar vorwärts-seitwärts, es ist allerdings nicht gebogen. Für die Seitengänge muss dein Pferd eine gewisse Versammlungsbereitschaft mitbringen, das bedeutet, die Bewegungen werden durch ein vermehrtes Untertreten der Hinterhand erhabener. Außerdem ist es wichtig, dass beim Reiten von Seitengängen der Takt und die Losgelassenheit erhalten bleiben. Dein Pferd wird also weder langsamer noch schneller beim Seitengänge reiten.

Warum Seitengänge reiten für jedes Pferd sinnvoll sind

Zu den Seitengängen gehören das Schulterherein, Travers, Renvers und die Traversalen. Das sind alles Lektionen, die im Turniersport erst ab der Klasse L/M verlangt sind und viele Reiter glauben, dass diese Lektionen deswegen für sie nicht wichtig sind. Du auch? Dann denkst du falsch! Denn nur weil diese Lektionen erst in den höheren Klassen der Dressur verlangt sind, heißt das nicht, dass du sie nicht brauchst. Schließlich möchtest auch du dein Pferd gesund gymnastizieren und reiten.

Seitengänge fördern die Losgelassenheit und aktivieren die Bauchmuskulatur. Deswegen ist es beispielsweise sinnvoll bereits beim Schrittreiten das Pferd immer wieder ein paar Schritte im Schulterherein zu reiten. Insbesondere in der Schrittphase zu Beginn deiner Trainingseinheit hat das auch einen starken psychischen Effekt. Du steigerst die Aufmerksamkeit deines Pferdes und bringst es in den Arbeitsmodus. Beim Seitengänge reiten aktivierst du außerdem die Hinterhand deines Pferdes und es tritt vermehrt unter. Du verbesserst die Koordination und das Gleichgewicht.

Praxistipp:
Um Seitengänge in die Schrittarbeit einfließen zu lassen, kannst du beispielsweise in der Ecke eine Volte reiten. Die Biegung aus der Volte nimmst du dann mit und reitest an der langen Seite ein paar Schritte im Schulterherein. Vergiss nicht die Lektion korrekt zu beenden, indem du die Vorhand mit deinem inneren Schenkel und dem äußeren Zügel wieder auf den Hufschlag bringst.

Seitengänge reiten im Überblick: Schulterherein, Travers, Renvers & Traversalen

1. Schulterherein: Die Basis der Seitengänge

Beim Schulterherein bewegt sich dein Pferd auf drei Hufschlägen. Die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag. Die Vorhand wird etwas nach innen geführt. Wenn du von vorne oder hinten auf dein Pferd schaust, dann siehst du drei Beine. Das äußere Hinterbein auf einer Hufschlaglinie, das innere Hinterbein und das äußere Vorderbein auf der mittleren Hufschlaglinie und das innere Vorderbein auf einer weiteren Linie. Dein Pferd biegt sich um deinen inneren Schenkel und bewegt sich dabei weiter vorwärts.

Praxistipp:
Erarbeite dir das Schulterherein zunächst am Boden. Wenn das klappt, dann übe vom Sattel aus. Suche dir einen Helfer, der vor oder hinter deinem Pferd steht und dir sagen kann, ob sich dein Pferd auf drei Hufschlägen bewegt.

2. Travers und Renvers: Für mehr Beweglichkeit und Kontrolle

Beim Travers bewegt sich dein Pferd auf vier Hufschlägen und ist dabei gestellt und gebogen. Das bedeutet, du siehst von hinten alle vier Beine. Die Vorhand bleibt auf dem Hufschlag und die Hinterhand wird in das Bahninnere hereingeführt. Beim Renvers ist es genau umgekehrt. Die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag und die Vorhand wird in das Bahninnere geführt.

Praxistipp:
Erarbeite dir beide Lektionen zunächst im Schritt vom Boden aus. Vom Sattel aus empfehle ich dir, das Travers aus einer Volte heraus einzuleiten. So hast du die Möglichkeit, die Biegung aus der Volte mitzunehmen. Auch hier vergiss nicht, die Lektion korrekt zu beenden, indem du die Hinterhand deines Pferdes auf den Hufschlag zurückführst. Für das Renvers kannst du an der langen Seite eine einfache Schlangenlinie einleiten. Wenn du dein Pferd umgestellt hast, kommt dein äußerer, vorwärts-seitwärts treibender Schenkel zum Einsatz und du reitest im Renvers weiter.

Travers und Renvers sind Lektionen, mit denen du an der Durchlässigkeit deines Pferdes arbeiten kannst. Gleichzeitig muss dein Pferd aber auch schon ein gewisses Maß an Durchlässigkeit mitbringen, damit die Lektionen gelingen. Nochmal zur Erinnerung: Die Durchlässigkeit beschreibt im Prinzip, wie gut dir dein Pferd zu hört, wie es deine Hilfen annimmt und umsetzt.

3. Traversalen: Der fließende Seitengang auf der Diagonalen

Die Traversale ist dann die Königsdisziplin der Seitengänge. Dein Pferd soll sich auf einer diagonalen Linie vorwärts-seitwärts bewegen. Dabei soll der Takt gleich und der Bewegungsfluss erhalten bleiben.

Hier darf ich ehrlich sein, der Weg zur Traversale ist für die meisten Freizeitreiter ein Weg, der nie gegangen wird, denn oft stimmt die Basis nicht. Bevor du dich an Traversalen wagst, muss dein Pferd Travers und Renvers sicher beherrschen. Die Voraussetzung dafür ist das Schulterherein. Als Reiter musst du das Zusammenspiel der Hilfen zu tausend Prozent verstanden haben. Du musst ausbalanciert und ruhig im Sattel sitzen, sodass du den Bewegungsablauf deines Pferdes zwar unterstützt, aber nicht störst.

Mit diesen Worten will ich dir die Traversalen aber auf gar keinen Fall ausreden. Im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass viel mehr Reiter Schulterherein, Travers und Renvers in ihre Arbeit integrieren – vorausgesetzt natürlich die Basis stimmt.

Seitengänge reiten im Training: So baust du sie sinnvoll ein

Starte mit den Seitengängen immer vom Boden aus, und zwar mit dem Schulterherein. Führe dein Pferd durch eine Ecke, nimm die Längsbiegung mit und führe die Schulter ins Bahninnere, sodass das innere Hinterbein vermehrt untertreten muss. Wenn dir eins, zwei Schritte gut gelingen, dann lobe dein Pferd. Das ist für den Anfang völlig ausreichend.

Es kommt bei den Seitengängen nicht darauf an, wie oft dein Pferd das Schulterherein in einer Einheit gemacht hat. Du kannst 20x Schulterherein reiten, aber wenn die Schulter zu weit im Bahninneren ist und dein Pferd gar nicht untertritt, dann war es nicht effektiv. Bei den Seitengängen zählt die Qualität, nicht die Quantität.

Wenn du die Seitengänge reiten möchtest, dann starte ebenfalls mit dem Schulterherein aus einer Ecke oder Volte. Später kannst du die Lektion auf die Viertel- oder Mittellinie verlagern. Hier wird dann sehr genau sichtbar, wie gut du dein Pferd an deinen Hilfen hast.

Weitere Ideen findest du in dieser Infografik:

Fazit zum Seitengänge reiten: Dein Pferd kann das und du kannst das auch

Falls du schon mal gehört hast, dass du das mit deinem Pferd nicht kannst: Das ist Quatsch. Du wirst deinem Pferd aber nicht von heute auf morgen die Seitengänge beibringen. Das erfordert Zeit, Geduld und ein regelmäßiges Training. Und na klar gibt es Pferde, die es schneller und einfacher lernen. Und natürlich sieht ein Travers bei einem Haflinger deutlich weniger elegant aus als bei einem Warmblut. Aber das ist doch egal.

Es geht nicht darum, mit einem Schulterherein oder Travers den nächsten Pokal zu gewinnen. Du machst das für dich und dein Pferd. Seitengänge sind kein Selbstzweck, sondern eine effektive Möglichkeit, um Kraft, Gleichgewicht, Koordination und Biegung zu schulen und damit an der Durchlässigkeit zu arbeiten. Alles, was dein Pferd für seine Gesunderhaltung braucht. Und du willst doch, dass dein Pferd lange fit bleibt, oder?

Zum Weiterlesen:
Gymnastizierung leicht gemacht: So wird dein Pferd fit

Ist Schrittreiten zum Aufwärmen gut und vertretbar für den Pferderücken?

Ist Schrittreiten zum Aufwärmen gut und vertretbar für den Pferderücken?

Zu Beginn einer Trainingseinheit oder Reitstunde musst du dein Pferd aufwärmen. Ähnlich wie du es handhabst, wenn du Sport machst. Ja ich weiß, als Reiter haben wir eigentlich gar keine Zeit für andere Sportarten, aber theoretisch würdest du dich aufwärmen. Das Aufwärmen eines Pferdes erfolgt im Schritt und dauert 20 Minuten. Das bedeutet, dass du zu Beginn einer Reiteinheit zunächst einmal 20 Minuten Schritt reiten musst. Wie sieht richtiges Schrittreiten aus? Ist das überhaupt gut für den Rücken deines Pferdes? Und warum müssen es überhaupt 20 Minuten sein? Um diese und weitere Fragen geht es in diesem Beitrag.

Warum müssen wir unser Pferd eigentlich 20 Minuten im Schritt aufwärmen? 

Ganz einfach: Um Verletzungen vorzubeugen. Vielleicht denkst du jetzt, ach das ist doch alles Quatsch, ich kenne kein Pferd, welches sich durch zu wenig Aufwärmen verletzt hat. Es geht auch nicht um akute oder direkt sichtbare Verletzungen. Vielmehr geht es um sogenannte Mikroläsionen, kleine Verletzungen, die der Reiter nicht bemerkt. Mit jedem Training in dem du die Aufwärmphase zu kurz gestaltest, können diese kleinen Verletzungen zunehmen und irgendwann sind es sichtbare Schäden.

Ausreichendes Aufwärmen schützt dein Pferd vor Verletzungen und Lahmheiten. Es erhöht sich die Körpertemperatur, die Durchblutung nimmt zu und der Pferdekörper wird durch die gesteigerte Atmung mit mehr Sauerstoff versorgt. Erst nach 20 Minuten sind die Muskeln, Sehnen, Bänder und die Gelenke aufgewärmt. Durch die Bewegung wird die Gelenkschmiere, die sogenannte Synovia, verteilt. Die Gelenkschmiere ist eine zähe Flüssigkeit und deswegen benötigt es seine Zeit bis sie überall verteilt ist. Der Gelenkknorpel saugt sich damit voll und dient als Stoßdämpfer. Auch Muskeln müssen warm sein, da sie sich im kalten Zustand nicht gut dehnen. Wird ein kalter Muskel gedehnt, kann das dazu führen, dass Muskelfasern reißen.

Die Aufwärmphase hat übrigens auch noch einen anderen Effekt auf dein Pferd. Beim Aufwärmen werden Endorphine ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass dein Pferd überhaupt in den Sportmodus kommt. Das kennst du vielleicht auch von dir selbst. Es gibt Tage da würdest du lieber auf deinem Sofa liegenbleiben und du musst dich richtig aufraffen zum Sport machen. Wenn du aber mal angefangen hast, dann steigt deine Motivation. Schuld daran sind auch bei dir die Endorphine, die dich in den Sportmodus bringen. Gestaltest du die Aufwärmphase für dein Pferd zu kurz, dann bedeutet das Stress für dein Pferd und die Leistungsbereitschaft sinkt.

Das macht doch gar keinen Sinn für das Fluchttier Pferd?

Immerhin steht das Pferd ja nicht auf der Wiese und wiehert zum Tiger: „Warte noch kurz. Ich flüchte gleich. Ich muss mich vorher noch 20 Minuten im Schritt aufwärmen. Wenn das in Ordnung ist, dann laufe ich einfach im Schritt um dich herum.“

Was du bei dieser Anekdote nicht vergessen darfst: Ein Pferd in freier Natur ist den ganzen Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt und legt dabei sehr viele Kilometer zurück. Tritt nun eine Gefahr ein und das Pferd muss flüchten, dann ist das in der Regel kein „Kaltstart“. Noch dazu kommt, dass auf dem Pferd nicht auch noch ein Reiter sitzt, der den Bewegungsapparat des Pferdes beansprucht. Unsere Pferde heute leben aber nicht in der freien Natur und nur die wenigsten Pferde sind wirklich permanent in Bewegung.

Schrittreiten

Diese 20 Minuten aufwärmen gelten aber nur für Boxenpferde, oder?

Tatsächlich hat die Haltung einen minimalen Effekt auf die Länge der Aufwärmphase. Denn natürlich bewegt sich ein Pferd im Offenstall oder in Weidehaltung deutlich mehr als ein Boxenpferd. Aber auch Offenstallpferde müssen zunächst zum Reiten vorbereitet werden. Dabei steht das Pferd in der Regel angebunden am Putzplatz. Das bedeutet, selbst wenn es vorher nicht nur an der Heuraufe rumstand, sondern im Offenstall herumgelaufen ist, dann bewegt es sich unmittelbar vor dem Reiten nicht. Es spielt also keine nennenswerte Rolle wie dein Pferd wohnt, aufwärmen ist Pflicht.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb alle Pferde gleichermaßen aufgewärmt werden müssen. Im Offenstall oder auf der Weide befindet sich dein Pferd im Freizeitmodus. Es kann fressen oder chillen, auf jeden Fall das tun, worauf es gerade Lust hat. Erst durch das Aufwärmen und die damit verbundene Ausschüttung der Endorphine, wird dein Pferd in den Sportmodus kommen.

Wie sieht richtiges Schrittreiten zum Aufwärmen NICHT aus?

Fangen wir mal damit an wie Schrittreiten nicht aussehen soll: Dein Pferd latscht am langen Zügel Runde für Runde während du mit deiner Freundin den neusten Stalltratsch austauschst. Das ist vielleicht für dich spannend, aber für dein Pferd maximal langweilig und wenig gymnastizierend.

Der Bauch deines Pferdes schwingt bei jedem Schritt von links nach rechts. Dadurch bewegt sich auch die Wirbelsäule und somit der Pferderücken. Der Gegenspieler der Rückenmuskulatur ist – wie bei uns Menschen – die Bauchmuskulatur. Diese ist im Schritt aufgrund der fehlenden Spannung am wenigsten gefordert, was dazu führt, dass der Pferderücken sich nicht aufwölbt, sondern nach unten durchhängt. Und dann auch noch mit deinem Reitergewicht obendrauf.

Ist Schrittreiten dann überhaupt gut für den Pferderücken?

Die Antwort ist wie so oft: Es kommt drauf an. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen ein Pferd 20 Minuten im Schritt zu reiten, wenn es gesund und trainiert ist. Denn seien wir mal ehrlich, wäre Schrittreiten so fatal für den Pferderücken wie es hin und wieder dargestellt wird, dann wären Ausritte mit langen Schrittphasen nicht möglich.

Zur Gesunderhaltung deines Pferdes musst du natürlich darauf achten, dass du nicht nur am langen Zügel im Schritt durchs Gelände reitest. Ein gesundes Pferd muss auch im Trab und Galopp trainiert werden. In diesen, aufgrund der Schwebephase, sogenannten schwungvollen Gangarten ist die Bauchmuskulatur gefordert. Ist die Hinterhand dabei aktiv und tritt dein Pferd unter den Schwerpunkt, wölbt sich der Rücken auf. Dafür verantwortlich ist der lange Rückenmuskel.

Wenn du dich auf dein Pferd setzt, dann spannt dein Pferd den langen Rückenmuskel an um dich „tragen“ zu können. Der lange Rückenmuskel ist allerdings kein Tragemuskel, sondern ein Bewegungsmuskel. Er kümmert sich darum, dass die Energie aus der Hinterhand in eine Vorwärtsbewegung übertragen wird.

So weit zu gesunden und trainierten Pferden. Denn natürlich gibt es auch Pferde für die Schrittreiten nicht gut ist. Das sind beispielsweise Pferde mit muskulären Defiziten oder schlechtem Rumpftrageapparat. Diese Pferde sollten immer an der Hand aufgewärmt werden und nicht durch Schrittreiten.

Wie sieht gutes Schrittreiten aus?

Wenn du dein Pferd zu Beginn einer Trainingseinheit im Schritt aufwärmst, dann lass es nicht Runde für Runde im Kreis schlurfen. Reite lediglich ein paar Minuten am durchhängenden Zügel. Achte auf einen zwanglosen, schreitenden Schritt im Viertakt. 

Zum Weiterlesen: 
So erkennst du, ob du einen guten Schritt reitest

Um die Bauchmuskeln zu aktivieren solltest du das Rückwärtsrichten und Seitengänge wie Schulterherein, Travers oder Renvers hinzunehmen. Bedenke aber das diese Übungen bereits versammelnden Charakter haben und dein Pferd schon ein bisschen aufgewärmt sein muss, bevor du diese Übungen verlangst. Reite außerdem nicht eine ganze lange Seite im Schulterherein, sondern fordere die Übung nur über einige Schritte. Das reicht vollkommen aus um die Bauchmuskulatur zu aktivieren. Insbesondere die Seitengänge werden häufig erst im fortgeschrittenen Verlauf der Ausbildung von Reiter und Pferd gelehrt. Dabei sind diese im Schritt kein Hexenwerk und eine hervorragende Möglichkeit dein Pferd bereits in der Schrittphase zu gymnastizierenden.

Zum Weiterlesen: 
Ohne Ziehen zum korrekten Rückwärtsrichten

Für ein gutes Schrittreiten ist außerdem ein guter Reitersitz notwendig. Als Reiter musst du losgelassen und zwanglos im Sattel sitzen. Denn nur dann ist es möglich, dass du in deinem Becken beweglich bist und in der Bewegung mitgehen kannst – ohne dein Pferd zu stören. Gehörst du zu den Reitern, die viel im Sitzen arbeiten, dann solltest du dein Pferd besser an der Hand aufwärmen. Dadurch lockerst du auch deine eigene Muskulatur und sitzt nicht steif und unbeweglich auf deinem Pferd.

Schrittreiten

Fazit: Wie sieht die ideale Aufwärmphase für ein Pferd aus?

Pferde mit Defiziten im Rückenbereich oder Rumpftrageapparat müssen immer vom Boden aus aufgewärmt werden. Für alle anderen Pferde gilt: 20 Minuten Schritt zum Aufwärmen, aber bitte abwechslungsreich.

Wie ich dir in diesem Beitrag erörtert habe ist Schrittreiten für ein gesundes Pferd nicht völlig fatal, aber eben auch nicht die ideale Gangart. Deswegen empfehle ich dir, die Schrittphase zum Aufwärmen abwechslungsreich zu gestalten. So kannst du beispielsweise Boden- oder Handarbeit machen, dein Pferd im Schritt über Stangen treten lassen, kleine Geschicklichkeitsaufgaben einbauen oder einen Spaziergang ins Gelände machen. Der große Vorteil daran ist: Du wärmst dich gleich mit auf.

Wenn du dich entscheidest dein Pferd im Schritt warmzureiten, dann lass es nicht einfach nur am langen Zügel durch die Bahn bummeln, sondern beherzige die obengenannten Tipps. Und vergiss nicht, dass es auch Kompromisse gibt: 10 min Aufwärmen am Boden und 10 min Schrittreiten.

Stangenarbeit mit dem Stangenquadrat: 12 Übungen mit nur einem Aufbau

Stangenarbeit mit dem Stangenquadrat: 12 Übungen mit nur einem Aufbau

Für die Stangenarbeit mit dem Stangenquadrat benötigst du acht Stangen. Aus vier Stangen legst du bei X ein Quadrat, so dass zwei Spitzen zu E bzw. B zeigen. An die Spitzen, die zu C bzw. A zeigen, platzierst du jeweils zwei weitere Stangen.

Dieser Aufbau gibt dir wieder vielfältige Trainingsmöglichkeiten und zahlreiche Wege, die du reiten kannst.

Zum Weiterlesen: 
So wird deine Stangenarbeit ein voller Erfolg

Stangenquadrat

1. Auf geraden Linien über das Stangenquadrat

Diese Übung eignet sich gut für den Anfang deines Trainings. Du reitest ein „Durch die ganze Bahn wechseln“. Dabei überwindest du auf gerader Linie zwei Stangen von dem Quadrat. Du kannst dann wieder ganze Bahn reiten und erneut einen Handwechsel „durch die ganze Bahn“.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

2. Auf gebogenen Linien über die Kreuze

Für die erste Übung auf gebogener Linie legst du bei A bzw. C einen Zirkel an. Die Stangen überwindest du an der Stelle, wo alle vier Stangen zusammenkommen und ein Kreuz bilden. Achte darauf, dass du dein Pferd punktgenau an das Kreuz heranreitest und dein Pferd keinen Huf seitwärts setzt. Passiert das doch, versuche es nochmal!

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab, Galopp

Stangenquadrat

3. Über den Kreuzen die Hand wechseln

Für diese Übung verlässt du deine Zirkellinie und wechselst nach dem Überwinden der Stangen die Hand. Dazu stellst du dein Pferd bereits vor den Stangen um, damit du direkt nach den Stangen auf die neue Hand abwenden kannst.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

4. Auf halber Bahn über das Stangenquadrat

Reite auf der halben Bahn und runde die Ecken etwas ab. Zwischen E und B bzw. B und E überwindest du die Stangen. Dabei reitest über eine Quadratspitze in das Quadrat hinein und auf der anderen Seite über die Quadratspitze wieder heraus.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

5. Auf halber Bahn über das Stangenquadrat mit Gangartwechsel

Wenn du Schritt-Trab-Übergänge reiten möchtest: Überwinde das Quadrat im Schritt und trabe unmittelbar danach an. Vor dem Quadrat machst du einen Übergang zum Schritt und reitest im Schritt über die Stangen.

Wenn du Trab-Galopp-Übergänge reiten möchtest: Reite im Trab über die Stangen des Quadrates. Nach den Stangen galoppierst du an. Vor dem Quadrat parierst du wieder zum Trab durch und überwindest die Stangen im Trab.

6. Durch die Länge der Bahn wechseln über das Stangenquadrat

Als nächstes reitest du ein „Durch die Länge der Bahn wechseln“. Was leicht klingt, ist keinesfalls einfach zu reiten, denn die Mittellinie hat keine seitliche Begrenzung. Achte darauf, dass du dein Pferd an deinen reiterlichen Hilfen hast, wenn du auf die Mittellinie abwendest. Suche dir einen Punkt auf den du zu reitest, z.B. A oder C. Erst wenn es dir gelingt dein Pferd auf der Mittellinie gerade zu reiten, wirst du die Stangenkreuze gut treffen.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

7. Durch die Länge der Bahn wechseln über das Stangenquadrat mit Gangartwechsel

Wenn du Schritt-Trab-Übergänge reiten möchtest: Wende im Trab auf die Mittellinie ab. Vor den Stangen machst du einen Übergang zum Schritt und überwindest die Stangen im Schritt. Nach den Stangen trabst du wieder an.

Wenn du Trab-Galopp-Übergänge reiten möchtest: Wende im Galopp auf die Mittellinie ab. Kurz vor den Stangen reitest du einen Übergang zum Trab, überwindest die Stangen im Trab und galoppierst danach wieder an. Beachte, dass du nach den Stangen auch einen Handwechsel machen willst und dementsprechend im richtigen Galopp angaloppierst.

8. Aus der Ecke kehrt

Reite „Aus der Ecke kehrt“ über eine einzelne Stange. Dann erreichst du wieder den Hufschlag. In der nächsten Ecke wendest du wieder ab und reitest über die Stange.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

9. In die Ecke

Die gerade beschriebene Übung kannst du auch umdrehen. Das bedeutet, du reitest ganze Bahn und verlässt dann den Hufschlag um über die Stange zu reiten. Dann wendest du ab und reitest in die Ecke. Dies ist ein „Aus der Ecke kehrt“ nur andersherum geritten.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

10. Auf unterschiedlichen Linien über die einzelnen Stangen

Nun reitest du über die beiden äußeren Stangen. Dabei variierst du deinen Weg, so dass dein Pferd im Trab beispielsweise keinen oder einen Zwischentritt zwischen den Stangen machen muss. Eine weitere Schwierigkeit bei dieser Übung ist, dass Anreiten der Stangen: Du reitest schräg liegende Stangen an.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

11. Auf der Volte

Reite eine Volte über die vier einzeln an dem Quadrat liegenden Stangen. Die Größe der Volte kannst du variieren und vom Ausbildungsstand deines Pferdes abhängig machen.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab, Galopp

12. Auf der Acht

Reite eine Volte über eine der einzeln liegenden Stangen. Kurz nach der Stange stellst du dein Pferd um und leitest einen Handwechsel ein. Dann reitest du erneut eine Volte über die andere Stange und machst wieder einen Handwechsel.

Mögliche Gangarten: Schritt, Trab

Stangenquadrat

Die vorgestellten Übungen sind richtig geritten sehr anstrengend für dein Pferd. Reite nicht alle Übungen auf einmal und in allen Gangarten, sondern suche dir 3-4 Übungen aus, an denen du in deiner Trainingseinheit arbeiten möchtest.

Zum Weiterlesen: 
Stangenarbeit mit dem Stern: 9 Übungen zum Nachreiten
3 Übungen mit dem Stangenquadrat, die dich in der Dressur weiterbringen

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In der DAS Reitlernsystem Ponypost teile ich immer wieder exklusive Trainingsideen mit dir. Wenn du dich noch nicht angemeldet hast, dann hol das schnell nach!