Die Hilfengebung beim Reiten einfach und anschaulich erklärt

29. April 2026 | Reittraining

Die Hilfengebung beim Reiten ist die Grundlage für die Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd. Da dein Pferd kein Deutsch spricht und du kein pferdisch, müsst ihr eine gemeinsame Sprache entwickeln. Dies ist die Körpersprache und beim Reiten dein Sitz und die dazugehörige Hilfengebung.

Auch wenn viele Reiter die Hilfengebung kennen und die entsprechenden Begrifflichkeiten nutzen, ist vielen Reitern dennoch unklar, was sie eigentlich warum tun. Und man glaubt es kaum, aber in meinem Alltag treffe ich immer wieder auf Reiter, die schon viele Jahre im Sattel sitzen, aber nicht in der Lage sind, die Reiterhilfen zu erklären. Das muss ja nicht mit Fachbegriffen sein, aber du solltest schon wissen, was du machen musst, damit du beispielsweise einen Zirkel reiten kannst, auf dem dein Pferd dann auch korrekt gestellt und gebogen ist.

Ehrlich gesagt, ist die Haltung von Reitern bezüglich des theoretischen Hintergrundwissens für mich persönlich auch völlig unverständlich. Ich meine, wenn ich nicht weiß, wie ich Gas gebe, schalte und bremse, dann steige ich doch auch nicht in ein Auto ein und fahre los.

Bei der Hilfengebung geht es auch nicht um eine Dauerbeschallung des Pferdes oder um Kraft. Es geht um das richtige Timing, Erfahrung und ganz viel Gefühl, damit dein Pferd dich überhaupt verstehen kann. Ein Reitanfänger muss das alles zunächst lernen, aber ich versichere dir, dass dich das nötige Hintergrundwissen schon mal ein ganzes Stück voranbringt.

Was bedeutet Hilfengebung beim Reiten eigentlich?

Hilfengebung beim Reiten beschreibt die Art, wie wir über unseren Körper mit dem Pferd kommunizieren. Denn, wie eingangs schon erwähnt, dein Pferd spricht deine Sprache nicht und du sprichst nicht die Sprache deines Pferdes.

Vom Sattel kannst du mit diesen Reiterhilfen mit deinem Pferd kommunizieren:

  • dein Gewicht – Gewichtshilfen
  • deine Beine – Schenkelhilfen
  • deine Hände – Zügelhilfen
  • in bestimmten Situationen auch mit Stimme oder Gerte – Hilfsmittel

Die Hilfengebung beim Reiten ist ein komplexes Zusammenspiel von Gewichtshilfen, Schenkelhilfen und Zügelhilfen.

Beim Reiten muss es immer dein Ziel sein, deinem Pferd verständliche und klare Hilfen zu geben. Dabei gilt immer: so fein wie möglich, aber so deutlich wie nötig.

Praxistipp: 
Wenn du beispielsweise antraben möchtest und dein Pferd reagiert auf deine Schenkelhilfe nicht, dann komm nicht in ein Dauertreiben oder gar Klopfen mit dem Unterschenkel, sondern versuche Folgendes: Frage mit deinem Schenkel an. Kommt keine Reaktion, dann frage mit deinem Schenkel etwas deutlicher an. Kommt wieder keine Reaktion, dann unterstütze mit der Gerte. Mit jeder Wiederholung wirst du merken, dass dein Pferd deine Schenkelhilfe besser annimmt.

Hilfengebung beim Reiten

Welche Reiterhilfen gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden wir drei Reiterhilfen: die Gewichtshilfen, die Schenkelhilfen und die Zügelhilfen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Man sagt oft, dass prozentual gesehen die Gewichtshilfen 60 % ausmachen, die Schenkelhilfen 30 % und die Zügelhilfen lediglich 10 %. Damit wird deutlich, dass die Gewichtshilfen immer vorherrschend sind und die Zügelhilfen die geringste Aufgabe tragen.

Praxistipp: 
Ein Klassiker für den falschen Einsatz der Zügelhilfen sind Übergänge. Zahlreiche Reiter reiten die Übergänge durch zu starken Einsatz der Zügelhilfen. Versuch es mal so: Bereite dein Pferd über halbe Paraden auf den Übergang vor. Dabei bleiben die Schenkel am Pferdebauch, aber eher begleitend als aktiv treibend. Verlagere dein Gewicht nach hinten, indem du dein Becken nach vorne kippst. Atme aus. Erst jetzt kommt eine annehmende Zügelhilfe, gefolgt von einer nachgebenden Zügelhilfe und dem treibenden Schenkel, um den ersten Schritt oder Tritt in der neuen Gangart herauszureiten.

Die Gewichtshilfen

Sie entstehen durch deine Sitzposition und dein Körpergewicht. Wir unterscheiden:

  • beidseitig belastende Gewichtshilfe (z.B. bei allen Übergängen)
  • einseitig belastende Gewichtshilfe (z.B. auf gebogenen Linien)
  • entlastende Gewichtshilfe (z.B. im leichten Sitz)

Mit deinen Gewichtshilfen beeinflusst du das Gleichgewicht, die Richtung und auch das Tempo deines Pferdes. Das passiert oft auch ganz unbewusst.

Die Schenkelhilfen

Bei den Schenkelhilfen unterscheiden wir folgende Hilfen:

  • vorwärtstreibende Schenkelhilfe (z.B. im Trab auf gerader Linie)
  • vorwärts-seitwärtstreibende Schenkelhilfe (z.B. der innere Schenkel beim Schenkelweichen)
  • verwahrende Schenkelhilfe (z.B. der äußere Schenkel beim Schenkelweichen)

Der Schenkel liegt in positiver Körperspannung am Pferdebauch. Er klopft nicht und er „Dauerdrückt“ nicht. Dein Schenkel arbeitet mit Impulsen. Hier geht es ganz viel um dein Gefühl und dein Timing. Du musst erkennen, wann und wie stark du deinen Schenkel einsetzen musst. Wird dein Pferd im Trab beispielsweise deutlich langsamer, dann arbeitest du mit Impulsen. Ist das Tempo wiederhergestellt, dann liegt der Schenkel nur noch unterstützend am Pferdebauch. Er atmet sozusagen mit, ist aber weniger aktiv.

Die Zügelhilfen

Die Zügelhilfen regulieren das Tempo und kümmern sich um die Stellung. Dabei muss die Zügelführung immer weich sein. Wir unterscheiden folgende Zügelhilfen:

  • nachgebende Zügelhilfe (z.B. bei einem erfolgten Übergang)
  • annehmende Zügelhilfe (z.B. um einen Übergang zu reiten)
  • aushaltend (z.B. als Vorbereitung auf einen Übergang)
  • verwahrend (z.B. der äußere Zügel beim Schenkelweichen)
  • seitwärtsweisend (z.B. der innere Zügel in Wendungen, hauptsächlich bei jungen Pferden)

Die Zügelhilfen werden niemals allein eingesetzt, sondern immer in Verbindung mit Gewichts- und Schenkelhilfen. Erinnere dich an das Beispiel oben. Wenn du einen Übergang vom Trab zum Schritt reiten willst, dann ziehst du nicht am Zügel, um dein Pferd langsamer zu machen, sondern bedienst dich des komplexen Zusammenspiels von Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen. Außerdem folgt einer annehmenden Zügelhilfe immer eine nachgebende Zügelhilfe.

Praxistipp: 
Um korrekte Zügelhilfen geben zu können, ist die richtige Handhaltung der Zügelfäuste unabdingbar. Das kannst du auch ohne Pferd üben, indem ein Helfer die Trense hält und du die Zügel aufnimmst. Probiere mal, was passiert, wenn du zum Beispiel offene oder verdeckte Zügelfäuste hast. Du wirst merken, dass dies Auswirkungen auf deinen Schultergürtel hat. Du blockierst, und das wiederum hat Auswirkungen auf deinen gesamten Reitersitz.

Hilfengebung beim Reiten

Warum funktioniert die Hilfengebung nur mit einem ausbalancierten Reitsitz?

Jetzt kommt zweifelsohne der Punkt, den viele Reiter unterschätzen. Ohne einen ausbalancierten Reitersitz kannst du keine guten und feinen Hilfen geben. Ich will dir an dieser Stelle drei Beispiele nennen:

1. Wenn du noch nicht ausbalanciert auf dem Pferd sitzt, dann wirst du immer versuchen, wenn auch unterbewusst, dich an den Zügeln festzuhalten. Ganz abgesehen davon, dass es für das Maul deines Pferdes äußerst unangenehm ist, wenn du dich am Zügel festhältst, wirst du auch nicht in der Lage sein, feine Zügelhilfen zu geben.

2. Wenn du dein Gleichgewicht noch nicht gefunden hast, dann wirst du dazu tendieren, dich mit den Beinen festzuhalten. Das sogenannte Klammern mit den Beinen. Für dein Pferd fühlt sich das an, als ob es eine Wäscheklammer auf dem Rücken hat, und es kann nicht mehr seiner natürlichen Bewegung folgen. Du selbst kannst keine korrekten Schenkelhilfen geben, weil deine Beine komplett verkrampft sind und unter negativer Spannung stehen. Außerdem ist es so unmöglich, mit der Bewegung deines Pferdes mitzuschwingen, da dein Becken blockiert ist.

3. Ein weiterer Knackpunkt bei mangelndem Gleichgewicht ist der Oberkörper. Viele Reiter, die noch nicht ausbalanciert sitzen, tendieren insbesondere bei Übergängen dazu, den Oberkörper zu weit nach vorne zu neigen. Dadurch ist es nicht möglich, eine korrekte Gewichtshilfe zu geben. Der Reiter sitzt nicht mehr richtig im Sattel und die Kippbewegung des Beckens kann nicht mehr ausgeführt werden.

Praxistipp: 
Stell dir beim Reiten immer mal wieder vor, dass du so sitzen musst, dass jederzeit jemand dein Pferd unter dir herausziehen könnte, und du darfst nicht umkippen. Das kannst du auch wieder ohne Pferd üben. Stell dich mal mit gebeugten Beinen hin, so als ob du auf dem Pferd sitzt. Wie weit kannst du deinen Oberkörper nach vorne und nach hinten neigen, bevor du umkippst?

Du siehst also, dass es ganz wichtig ist, erst Sitzen zu lernen, bevor es an die Hilfengebung geht. Ich sage ganz gerne: Erst sitzt du, dann hilfst du.

Wie hängen Sitz, Gleichgewicht und Hilfengebung zusammen?

Anhand der vielen Beispiele, die ich dir bis hierher schon genannt habe, ist dir vermutlich schon klar geworden, wie wichtig dein Reitersitz ist und warum du nur aus einem ausbalancierten Sitz heraus korrekte Hilfen geben kannst.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, wofür dein Reitersitz wichtig ist:

  • damit dein Schwerpunkt immer über dem Pferd bleibt und du nicht einfach das Gleichgewicht verlierst (und herunterfällst)
  • damit dein Becken beweglich ist, du in die Bewegung des Pferdes eingehen kannst und so den natürlichen Bewegungsfluss deines Pferdes unterstützt (und nicht blockierst)
  • damit deine Beine in positiver Körperspannung anliegen und du dein Pferd impulsartig in der Bewegung unterstützen kannst
  • damit deine Hände unabhängig von deinem Sitz bleiben und du dein Pferd nicht in der Bewegung störst oder gar unverständliche Hilfen gibst
Hilfengebung beim Reiten

Ich möchte dir ein weiteres Beispiel nennen:

Im Trab sitzt du ausbalanciert, die Hilfengebung ist dir klar, und nun möchtest du in der nächsten Ecke angaloppieren. Deine innere Hüfte ist etwas nach vorne geschoben (einseitig belastende Gewichtshilfe), dein innerer Schenkel treibt (vorwärtstreibende Schenkelhilfe) und dein äußerer Schenkel liegt etwas hinter dem Gurt (verwahrender Schenkel). Mit dem inneren Zügel stellst du dein Pferd (annehmende Zügelhilfe) und mit dem äußeren Zügel lässt du die Stellung zu (verwahrende Zügelhilfe). Im Moment des Angaloppierens gibt die innere Hand vor (nachgebende Zügelhilfe) und lässt den Galoppsprung raus. Jetzt verlierst du aber genau in diesem Moment dein Gleichgewicht. Im Reflex wirst du die Hand zurückziehen und dich festhalten wollen. Was meinst du, was bei deinem Pferd in diesem Moment ankommt? Auf der einen Seite hast du es vorwärtsgetrieben in den Galopp und gleichzeitig gebremst. Du kennst es vom Autofahren: Gleichzeitig Gas geben und Bremsen funktioniert nicht. Auch nicht bei deinem Pferd.

Die Gewichtshilfe als wichtigste und gleichzeitig schwierigste Hilfe

Die Gewichtshilfe ist die feinste Form der Hilfengebung beim Reiten und gleichzeitig die, die am häufigsten missverstanden wird. Das liegt daran, dass diese Hilfe im Vergleich zu den Schenkel- und Zügelhilfen, am wenigsten sichtbar ist und stark von deinem Körpergefühl abhängig ist.

Das Zentrum deiner Gewichtshilfe ist dein Becken. Es ist der Dreh- und Angelpunkt deines Reitersitzes. Über dein Becken nimmst du die Bewegung des Pferdes auf und gibst gleichzeitig Impulse zurück.

Damit das aber funktioniert, muss dein Becken beweglich sein, und genau hier liegt bei vielen Reitern das Problem. Ein blockiertes Becken ist leider keine Seltenheit. Viele Reiter haben Schwierigkeiten, die natürliche Kippbewegung im Becken überhaupt bewusst auszuführen. Statt mitzuschwingen, wird die Bewegung oft „ausgesessen“ oder sogar gebremst. Für das Pferd fühlt sich das dann so an, als würde jemand gegen seine Bewegung arbeiten.

Praxistipp: 
Setze dich mal auf einen normalen Stuhl und kippe dein Becken abwechselnd nach vorne und hinten. Wie gut kannst du das? Gibt es eine Bewegungsrichtung, die besser funktioniert?

Hinzu kommt, dass fast jeder Reiter eine mehr oder weniger ausgeprägte natürliche Schiefe mitbringt. Das führt dazu, dass das Gewicht unbewusst auf eine Seite verlagert ist und eine gleichmäßig beidseitig belastende Gewichtshilfe schwerfällt. Das Problem dabei ist, dass dein Pferd genau auf diese feinen Unterschiede reagiert (wenn auch zugegebenermaßen: die einen mehr, die anderen weniger). Wenn du also denkst, du sitzt gerade, kann es sein, dass dein Pferd bereits eine ganz andere Information von dir bekommt.

Deshalb ist die Arbeit an deinem Reitersitz so entscheidend. Nur wenn du spürst, wie du sitzt, kannst du deine Gewichtshilfen (und auch alle anderen Hilfen) gezielt einsetzen. Eine gut eingesetzte Gewichtshilfe ist nahezu unsichtbar. Du musst nicht drücken oder schieben. Oft reicht eine kleine Veränderung im Becken, damit dein Pferd versteht, was du von ihm möchtest.

Hilfengebung beim Reiten

Diese Reiterin ist leicht schief nach links. Das korrekte Ausführen einer beidseitig belastenden Gewichtshilfe wird ihr vermutlich schwerfallen.

Die Schenkel- und Zügelhilfen richtig einsetzen

Keine Hilfe steht für sich allein und auch die Schenkel- und Zügelhilfen arbeiten immer zusammen. Der Schenkel gibt deinem Pferd die Bewegungsenergie, die aus der Hinterhand kommt, und der Zügel hilft dir, diese Energie zu regulieren.

Erst wenn beides zusammenspielt, entsteht eine für dein Pferd verständliche Hilfengebung beim Reiten.

In meinen Reitstunden erkläre ich das oft so:

  • Schenkel ohne Zügel: dein Pferd läuft einfach nur davon
  • Zügel ohne Schenkel: dein Pferd fällt auseinander

Aber was bedeutet das eigentlich genau?

Wenn dein Pferd „davonläuft“, heißt das nicht, dass es durchgeht. Es bedeutet vielmehr, dass die Energie zwar nach vorne geht, aber nicht mehr kontrolliert wird. Dein Pferd wird eilig und verliert meistens den Rhythmus. Es fehlt die regulierende Verbindung.

Wenn dein Pferd „auseinanderfällt“, passiert genau das Gegenteil: Es fehlt die treibende Bewegungsenergie von hinten. Dein Pferd läuft zwar noch, aber ohne Spannung und ohne aktiven Schub aus der Hinterhand. Es wird triebig, kommt nicht richtig vorwärts und fühlt sich oft schwer oder „zäh“ an.

Ein ganz typisches Thema ist dabei das sogenannte „triebige Pferd“. Viele Reiter haben das Gefühl, ihr Pferd sei faul oder müsse ständig angetrieben werden. In der Realität liegt die Ursache aber oft beim Reiter selbst.

Zum Beispiel: Wenn du dauerhaft mit dem Schenkel am Pferd bist und treibst, lernt dein Pferd, diesen Impuls zu ignorieren. Es stumpft ab, weil es keinen Unterschied mehr zwischen einer wirklich vorwärtstreibenden Schenkelhilfe und einem anliegenden „atmenden“ Schenkel kennt.

Oder ein weiteres Beispiel: Wenn dein Becken blockiert ist und du nicht in der Bewegung deines Pferdes mitschwingen kannst, dann blockierst du die Vorwärtsbewegung.

Das Ergebnis ist immer das gleiche. Du musst mehr treiben und dein Pferd reagiert immer weniger.

Eine gute Schenkelhilfe ist deshalb kurz, klar und gezielt. Ein Impuls. Und danach passiert etwas ganz Wichtiges: Du lässt wieder los. Das heißt, dein Schenkel liegt an, aber ist weniger aktiv. Dein Pferd soll lernen, auf einen Impuls zu reagieren und nicht auf Dauerbeschallung.

Praxistipp:
Wenn du mit deinem Pferd an der Schenkelsensibilität arbeitest, dann lobe es unbedingt, wenn es die gewünschte Reaktion zeigt. Ein sanftes Lob mit der Stimme und ein ruhiger Schenkel sind völlig ausreichend.

Am Ende geht es auch hier wieder um Gefühl und das richtige Timing. Wenn Schenkel und Zügel im richtigen Moment zusammenspielen, fühlt sich Reiten plötzlich leicht an.

Woran erkennst du, ob dein Pferd an den Hilfen steht?

Dieses „Ein Pferd an den Hilfen haben“ ist so ein ganz typischer Begriff, den man im Reitunterricht ständig hört und den nur die wenigsten richtig greifen können. Deswegen stellt sich im Zusammenhang mit der Hilfengebung beim Reiten die Frage, was das eigentlich bedeutet.

Ein Pferd steht dann an den Hilfen, wenn es deine Signale versteht, darauf reagiert und sich dabei im Gleichgewicht und losgelassen bewegt. Oder mit anderen Worten: Wenn ihr eine gemeinsame Sprache gefunden habt.

Ob dein Pferd an deinen Hilfen steht, erkennst du daran:

  • Es reagiert auf leichte Impulse, ohne dass du ständig nachtreiben musst
  • Es bleibt im Takt, egal ob du angaloppierst, durchparierst oder die Richtung wechselst
  • Es ist von sich aus in seiner natürlichen Vorwärtsbewegung
  • Es lässt sich über deinen Sitz und deine Hilfen gut regulieren
  • Es wirkt insgesamt zufrieden

Oder in einem Satz gesagt: Es fühlt sich leicht an.

Leicht heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass dein Pferd von allein vorwärtsläuft. Es bedeutet vielmehr, dass du das Gefühl hast, mit wenig Aufwand viel zu erreichen.

Auch hier nochmal ein Beispiel: Du möchtest angaloppieren und dein Pferd springt auf deine Hilfe hin ruhig und klar an. Du musst nicht viel vorbereiten, treiben, nachtreiben und nochmal nachfragen. Es passiert einfach.

Genauso verhält es sich beim Durchparieren: Du setzt dich etwas tiefer hin, kippst dein Becken, machst dich schwer, atmest aus, und dein Pferd reagiert sofort, ohne sich festzumachen oder auf die Hand zu legen.

Hilfengebung beim Reiten

Hier darf die Reiterin ihre Oberarm lockerer fallenlassen, dann würden auch die Unterarme und die Zügelfäuste mehr entspannen.

Die Hilfengebung beim Reiten zu erlernen heißt, fühlen lernen

Die Hilfengebung beim Reiten ist nichts, was du einfach auswendig lernst, und dann funktioniert es. Es bringt dich aber schon mal deutlich voran, wenn du weißt, mit welchen Hilfen wir wann, wie und warum arbeiten.

Im Sattel geht es dann ganz viel um Gefühl und Wahrnehmung. Wie fühlt sich was für dich an? Wie nimmst du deinen eigenen Körper wahr? Fühlt es sich gut und leicht an? Oder eher schleppend? Was kannst du verändern, damit es besser wird?

Die Hilfengebung lernst du nicht von heute auf morgen. Und ehrlicherweise auch nicht übermorgen. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt, mit jedem Pferd, das du reitest, mit jeder Trainingseinheit und mit jedem kleinen Aha-Moment, den du im Sattel erlebst. Das ist ein Prozess.

Am Anfang denkst du vielleicht noch viel darüber nach, was du eigentlich tun musst. Mit der Zeit spürst du immer mehr, wann und wie du etwas tun musst. Es stellt sich eine Routine ein und du wirst immer mehr zum Reiter, der sein Pferd anleitet und unterstützt.

Je besser dein Körpergefühl wird, desto feiner wird auch deine Kommunikation mit deinem Pferd. Und plötzlich brauchst du weniger Kraft, weniger Korrekturen und weniger „Machen“, weil deine Hilfengebung immer klarer wird und dein Pferd dich immer besser versteht.

Fazit: Eine gute Hilfengebung beim Reiten beginnt bei dir

Die Hilfengebung beim Reiten ist neben deinem Reitersitz die Grundlage für alles, was du im Sattel tust. Sie entscheidet darüber, ob dein Pferd dich versteht oder eben nicht. Dabei geht es nicht um Kraft oder darum, möglichst viel zu machen. Es geht um Timing, Gefühl und darum, deinen eigenen Körper bewusst einzusetzen.

Ein ausbalancierter Sitz, ein bewegliches Becken und eine klare, gezielte Hilfengebung sind der Schlüssel zu einer feinen Kommunikation mit deinem Pferd. Wenn du bereit bist, an dir selbst zu arbeiten, genauer hinzuspüren und Zusammenhänge zu verstehen, wird sich etwas ganz Entscheidendes verändern: Es wird sich leicht anfühlen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie:
1. Reiten lernen als Erwachsener – der entspannte Einstieg in den Sattel
2. Sicherer Umgang mit Pferden – so wirst du zum Pferdemensch
3. Angstfrei reiten: So gewinnst du Vertrauen zu dir und deinem Pferd
4. Reitlehre einfach erklärt – die wichtigsten Grundlagen für Freizeitreiter
5. Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt
6. Die Hilfengebung beim Reiten einfach und anschaulich erklärt
7. Schritt, Trab, Galopp – die Gangarten im Überblick (folgt)
8. Pferdefreundlich reiten – geht das überhaupt als Anfänger? (folgt)
9. Mit Struktur zum Ziel – der rote Faden in der Reitausbildung (folgt)
10. Beziehung statt Dominanz – wie echte Verbindung entsteht (folgt)

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Über den Autor

Über den Autor

Claudia ist die Gründerin von DAS Reitlernsystem, Trainerin (FN zertifiziert), Managerin im Pferdesport (IST) und Biologin (Diplom). Seit 2020 leitet sie den Aktivlernstall Pferdeglück in Schwerin. Faires Reiten, ein guter Sitz, eine korrekte Hilfengebung und ganz viel Abwechslung stehen in ihren Reitstunden im Mittelpunkt. Ihre Philosophie der systematischen und abwechslungsreichen Reitausbildung findet sich in DAS Reitlernsystem wieder – offline und online!

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