Hilfe, mein Pferd läuft schief!

19. Mai 2026 | Pferdetraining

Wenn dein Pferd schief läuft, kann ich dir jetzt direkt schon mal sagen: Du bist damit nicht allein. Viele Reiter haben genau dieses Problem und sind unsicher, ob das „normal“ ist oder ob sie etwas falsch machen.

Die kurze Antwort:

Ja, jedes Pferd läuft schief. Aber am Ende des Tages kommt es darauf an, wie stark diese Schiefe ist und was du dagegen tust. Oder tun solltest.

In diesem Artikel erfährst du:

  • warum dein Pferd schief läuft
  • woran du die Schiefe erkennst
  • und was du dagegen tun kannst

Was bedeutet das überhaupt, wenn ein Pferd schief läuft?

Ein Pferd läuft schief, wenn es seinen Körper nicht gleichmäßig belastet und eine Körperseite bevorzugt. Oder in anderen Worten: Es hat eine gute und eine schlechte Seite, was bedeutet, dass der Körper eines Pferdes nicht komplett symmetrisch aufgebaut ist. Das merkst du beispielsweise daran, dass sich eine Seite leichter anfühlt als die andere oder dass das Angaloppieren auf einer Hand besser klappt. Gerade junge Pferde, die noch Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben, springen auf einer Hand häufiger im Außengalopp an.

Aber keine Panik, denn das ist etwas ganz Natürliches. Jedes Pferd ist von Natur aus schief. Bei den einen ist diese Schiefe stärker ausgeprägt, bei anderen Pferden eher weniger stark. Das ist ganz individuell. Wie bei uns Menschen, denn auch wir sind schief.

Die häufigsten Ursachen, warum dein Pferd schief läuft

In erster Linie bringt dein Pferd von Natur aus eine sogenannte natürliche Schiefe mit. Aber auch ein einseitiges Training, eine falsche Ausbildung, körperliche Ursachen oder der Reiter selbst können die Schiefe negativ beeinflussen.

1. Natürliche Schiefe

Die natürliche Schiefe eines Pferdes ist an sich erstmal nicht schlimm und dein Pferd kommt damit ganz hervorragend zurecht. So lange, wie du dein Pferd nicht reiten möchtest. Denn ohne dich als Reiter kann dein Pferd diese Schiefe oft gut ausgleichen. Sitzt du aber im Sattel, wird sie sichtbar. Wie sichtbar, ist wieder ganz individuell und natürlich auch vom Ausbildungsstand des Pferdes abhängig.

Was passiert jetzt aber, wenn du dich auf den Rücken deines Pferdes schwingst? Das zusätzliche Gewicht bringt dein Pferd zunächst aus dem Gleichgewicht und viele Pferde weichen dann auf ihre stärkere Seite aus. Sie fallen beispielsweise auf die Schulter oder weichen mit der Hinterhand aus und belasten damit ihren Körper ungleichmäßig. Langfristig entstehen dadurch Fehlbelastungen, die wiederum zu körperlichen Problemen führen können.

Praxistipp:
Wir Menschen sind übrigens auch nicht komplett symmetrisch und haben in der Regel eine gute und eine schlechte Seite. Dies kann zum Problem werden, weil dein Pferd unter Umständen nicht nur seine eigene Balance finden muss, sondern gleichzeitig auch noch deine Schiefe kompensieren muss. Kleine Fitnessübungen oder auch der Besuch der Physiotherapie können hier Abhilfe verschaffen.

Damit du dein Pferd reiten kannst, musst du im Training an der natürlichen Schiefe arbeiten und dein Pferd auf beiden Händen gleichmäßig gymnastizieren.

2. Ausbildung und Training

Wie sehr die Schiefe bei einem Pferd ausgeprägt ist, hängt außerdem ganz stark vom Training ab. Viele Pferde werden unbewusst so gearbeitet, dass sich ihre Schiefe immer weiter verstärkt. Das passiert zum Beispiel, wenn Übungen nur auf der „guten Seite“ geritten werden. Und ja, glaube mir, das machen wirklich viele Reiter.

Zum Weiterlesen:
Training mit deinem Pferd – Reitest du noch oder trainierst du schon?

Wenn du dein Pferd nicht korrekt gymnastizierst, dann lernt dein Pferd nicht, beide Körperseiten gleichmäßig zu benutzen. Statt Muskulatur auf beiden Seiten gleichmäßig aufzubauen, entwickelt dein Pferd ein immer größer werdendes Ungleichgewicht. Oft zeigt sich das dadurch, dass eine Hand deutlich leichter zu reiten ist als die andere.

Praxistipp:
Achte beim Reiten mal auf Folgendes: Auf welcher Hand lässt sich dein Pferd besser stellen und biegen? Auf welcher Hand driftet die Schulter nach außen? Oder die Hinterhand?

Genau hier entsteht das Problem: Die natürliche Schiefe wird durch falsches oder auch einseitiges Training immer deutlicher sichtbar und kann langfristig zu Fehlbelastungen führen.

Praxistipp:
Wenn es dir schwerfällt, auf beiden Händen gleichmäßig zu reiten, dann stell dir mal für eine Reiteinheit einen Timer, beispielsweise über eine Intervall App. Immer wenn eine Minute um ist, kommt ein akustisches Signal und du wechselst die Hand.

3. Reitereinfluss

Du als Reiter hast ebenfalls einen großen Einfluss darauf, ob dein Pferd schief läuft oder nicht. Denn selbst kleine Fehler beim Reiten wirken sich direkt auf das Gleichgewicht deines Pferdes aus. Sitzt du zum Beispiel mit eingeknickter Hüfte im Sattel, belastest du einen Steigbügel stärker oder kommst sogar am Zügel ins Ziehen, wird dein Pferd immer versuchen, das auszugleichen. Und seien wir mal ehrlich: Welcher Reiter ist schon komplett gerade und sitzt perfekt im Sattel? Du? Ich? Nein. Aber genau das ist der Grund, weshalb du immer weiter an dir arbeiten musst. Und ich übrigens auch, denn es geht immer noch besser.

Die natürliche Schiefe bringt jedes Pferd mit. Du als Reiter kannst diese Schiefe entweder verbessern oder sie leider auch verstärken. Deshalb musst du nicht nur dein Pferd, sondern auch deinen Reitersitz und die Hilfengebung regelmäßig kritisch hinterfragen.

Zum Weiterlesen:
Das sind die Voraussetzungen, um deinen Reitersitz zu verbessern

4. Körperliche Ursachen

Nicht immer liegt die Ursache in der natürlichen Schiefe. Wenn dein Pferd plötzlich deutlich schiefer läuft als sonst, solltest du immer auch körperliche Gründe in Betracht ziehen. Viele Pferde versuchen, körperliche Einschränkungen zunächst zu kompensieren, indem sie beispielsweise eine Seite bevorzugen oder mit der Hinterhand ausweichen. Das führt aber zu muskulären Verspannungen oder gar Blockaden.

Auch ein unpassender Sattel kann dazu führen, dass dein Pferd bei bestimmten Bewegungen ausweicht.

Pferd läuft schief

Woran kannst du erkennen, ob dein Pferd schief läuft?

Viele Reiter bemerken zunächst gar nicht, dass ihr Pferd schief läuft. Oft fühlt sich das Reiten einfach „normal“ an, weil man sich über die Zeit an bestimmte Bewegungsmuster gewöhnt hat. Gerade wenn du keinen regelmäßigen Unterricht hast, ist es manchmal schwer einzuschätzen, ob dein Pferd wirklich gerade läuft oder.

Praxistipp:
Wenn du keinen regelmäßigen Unterricht hast, dann lass dich beim Reiten mal filmen. Im Anschluss kannst du das Video analysieren, gerne auch in der SlowMo Version. Achte auf die Hinterhand deines Pferdes. Spurte diese auf beiden Händen wirklich in die Hufabdrücke der Vorderhufe? Wie verhält es sich mit der Stellung und Biegung? Ist dein Pferd zu einer Seite vielleicht eher überstellt?

All das sind schon mal Anzeichen, dass dein Pferd nicht gerade, sondern eben schief läuft. Weitere typische Hinweise sind zum Beispiel:

  • ⁣dein Pferd drückt auf dem Zirkel nach innen
  • dein Pferd drückt auf dem Zirkel nach außen
  • eine Hand fühlt sich deutlich leichter an als die andere
  • das Angaloppieren klappt auf einer Hand deutlich besser
  • dein Pferd lässt sich auf einer Hand besser stellen
  • dein Pferd driftet auf gerader Linie mit der Hinterhand nach innen
  • dein Pferd driftet auf gerader Linie mit der Hinterhand nach außen
  • Übergänge von Gangart zu Gangart gelingen auf einer Hand besser
  • dein Pferd macht in engen Wendungen Taktfehler
  • Schenkelweichen und Seitengänge wie Schulterherein funktionieren auf einer Hand besser

Wenn du diese Liste jetzt gelesen hast, dann denkst du vermutlich gerade „Oh Hilfe, mein Pferd ist komplett schief und hoffentlich nicht schon kaputt!“ Keine Panik, denn ich kann dir sagen, dass mehrere Punkte auf alle Pferde, die bei mir im Stall stehen, zutreffen. Die gute Nachricht ist: Alle Pferde erfreuen sich bester Gesundheit und sind Reitpferde. Aber ja, genau das ist die Realität. Wir arbeiten permanent an der natürlichen Schiefe unserer Pferde. Das ist ein Prozess im Rahmen der Ausbildung. Nicht zu vergleichen mit einer Berufsausbildung, denn diese ist in den meisten Fällen nach drei Jahren abgeschlossen. Die Ausbildung deines Pferdes dauert ein Leben lang. Du wirst immer Sachen haben, an denen du arbeitest, um es besser zu machen. Das ist absolut normal.

Pferd läuft schief

Warum du die Schiefe deines Pferdes nicht ignorieren solltest

Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen, wenn dir jetzt gerade bewusst geworden ist, dass dein Pferd schief läuft. Verharmlosen solltest du das Thema allerdings auch nicht. Wenn du nicht an der Schiefe deines Pferdes arbeitest, dann wird dein Pferd langfristig ein muskuläres Ungleichgewicht ausbilden und zu Verspannungen neigen. Häufig entwickeln Pferde auch Taktfehler oder andere Störungen im Bewegungsablauf.

Um dem entgegenzuwirken, musst du an der natürlichen Schiefe dauerhaft arbeiten. Und zwar so, wie du an Takt und Losgelassenheit arbeitest. Wenn du dich an die Skala der Ausbildung erinnerst, dann wird dir klar, dass die Geraderichtung erst recht weit oben steht. Aus meiner Sicht völlig unmissverständlich, denn du arbeitest immer und von Anfang an am Thema der Geraderichtung.

Was du nun konkret tun kannst

Jetzt komme ich mal in die Praxis und wir schauen uns einmal an, was du konkret tun kannst, wenn dein Pferd schief läuft.

1. Schaffe Bewusstsein dafür, ob dein Pferd schief läuft

Im ersten Schritt musst du natürlich erkennen, ob dein Pferd schief läuft. Dafür kannst du die Liste oben verwenden, um das Thema für dein Pferd einmal kritisch zu hinterfragen.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch das eigene Gefühl. Viele Reiter merken, ob sich eine Hand besser anfühlt als die andere oder das Pferd mit der Hinterhand nach innen oder außen drückt.

Im Unterricht berichten mir meine Reitschüler auch häufig folgende Dinge:

  • Das fühlt sich an, als ob wir auf dem Zirkel nach innen fallen.
  • Auf der einen Hand habe ich immer das Gefühl, dass ich mein Pferd nicht stellen kann.
  • Ich merke richtig, wie die Hinterhand ins Bahninnere schiebt.

2. Richte dein Pferd gerade

Als Nächstes musst du dir einmal bewusst machen, dass du dein Pferd geraderichten möchtest. Dabei geht es nicht darum, dass du dein Pferd über die Zügelhilfen „gerade ziehst“. Und ehrlich gesagt funktioniert das auch nicht. Die eigentliche Schiefe findest du nämlich nicht im Hals, sondern im restlichen Körper deines Pferdes. Ziehst du nun vorne am Kopf herum, verändert sich das Gleichgewicht im restlichen Körper reichlich wenig. Ganz abgesehen davon, dass das für dein Pferd extrem unangenehm ist und nichts mit einer fairen Zügelführung zu tun hat.

Das Geraderichten entsteht deshalb vor allem über die Hinterhand und über ein besseres Gleichgewicht. Ziel ist es, dass die Hinterbeine gleichmäßiger unter den Schwerpunkt fußen und dein Pferd lernt, beide Körperseiten besser zu tragen. Dadurch kann sich die Vorhand nach und nach besser ausbalancieren.

Die Zügel spielen dabei zwar weiterhin eine Rolle, aber ausschließlich unterstützend. Sie sollen die stellen und begrenzen, aber dabei kommst du niemals ins Ziehen. Viel wichtiger sind ein ausbalancierter Reitersitz, eine klare Hilfengebung sowie Übungen, die die Geraderichtung fördern.

3. Einfache Übungen für den Alltag

Um die Schiefe deines Pferdes zu verbessern, brauchst du keine komplizierten Lektionen und du musst auch kein Profireiter sein. Oft sind es gerade die einfachen Übungen, die korrekt geritten den Unterschied machen. Wichtig ist vor allem, dass du auf beiden Händen gleichmäßig arbeitest und nicht die gute Hand bevorzugst. Auch wenn es vielleicht deine Lieblingsseite ist, weil hier alles einfach ist.

Sehr hilfreich sind zum Beispiel:

  • große gebogene Linien (Zirkel oder Schlangenlinien durch die ganze Bahn)
  • bewusstes geradeaus reiten (durch die ganze Bahn wechseln, durch die Länge der Bahn wechseln)
  • vernünftige Handwechsel
  • saubere Übergänge zwischen den einzelnen Gangarten

Dadurch lernt dein Pferd, sich besser auszubalancieren und aufmerksamer auf deine Hilfen zu reagieren. Sei geduldig mit der schwierigeren Seite. Training braucht Zeit, aber über die Zeit wirst du erste Erfolge sehen. Und dennoch bleibt es immer ein Thema, an dem du arbeiten musst.

Pferd läuft schief

4. Überprüfe deinen Reitersitz

Und dann musst du natürlich auch noch dich selbst unter die Lupe nehmen. Oft verstärkt sich die Schiefe nämlich unbewusst durch den Reiter. Schon kleine Fehler wie beispielsweise eine abgeknickte Hüfte oder ein zu weit nach hinten geneigter Oberkörper können dafür sorgen, dass dein Pferd nach innen fällt.

Praxistipp:
Frage dich deshalb immer wieder ehrlich: Sitze ich wirklich mittig und gerade? Belaste ich beide Sitzbeinhöcker gleich? Bin ich, wenn ich geradeaus reite, auf beiden Seiten gleich aktiv oder arbeite ich unbewusst mehr mit einer Hand oder einem Schenkel?

Gerade weil wir selbst ebenfalls nicht vollkommen symmetrisch sind, übertragen sich unsere eigenen Schiefen schnell auf das Pferd. Viele Reiter merken das im Alltag zunächst gar nicht.

Pferd läuft schief

Zum Weiterlesen:
Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt

Fazit: Ja, dein Pferd läuft schief

Und ja, das ist normal. Jedes Pferd bringt eine natürliche Schiefe mit und genau deshalb gehört das Geraderichten zur täglichen Arbeit dazu. Entscheidend ist nicht, ob dein Pferd schief läuft, sondern wie du damit umgehst.

Je besser du lernst, die Schiefe deines Pferdes zu erkennen und im Training gezielt daran zu arbeiten, desto gerader wird dein Pferd. Oft sind dafür keine spektakulären Übungen notwendig, sondern einfache Übungen auf beiden Händen und gute Wiederholungen, die langfristig den Unterschied machen.

Und genau das ist eigentlich die gute Nachricht: Du musst kein perfekter Reiter sein, um an der Schiefe zu arbeiten. Schon kleine Veränderungen in deinem Training, deinem Sitz oder deiner Wahrnehmung können dafür sorgen, dass sich dein Pferd gesünder bewegt, besser auf deine Hilfen reagiert und sich insgesamt leichter reiten lässt.

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Über den Autor

Über den Autor

Claudia ist die Gründerin von DAS Reitlernsystem, Trainerin (FN zertifiziert), Managerin im Pferdesport (IST) und Biologin (Diplom). Seit 2020 leitet sie den Aktivlernstall Pferdeglück in Schwerin. Faires Reiten, ein guter Sitz, eine korrekte Hilfengebung und ganz viel Abwechslung stehen in ihren Reitstunden im Mittelpunkt. Ihre Philosophie der systematischen und abwechslungsreichen Reitausbildung findet sich in DAS Reitlernsystem wieder – offline und online!

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