Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt

24. Januar 2026 | Alltägliche Stories

Der richtige Sitz beim Reiten ist ein Thema, welches irgendwie jeder kennt und gleichzeitig unglaublich schwer zu greifen ist. Hast du auch manchmal das Gefühl, du müsstest dich mehr anstrengen und mehr machen? Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass gutes Reiten oft genau das Gegenteil ist.

Ein guter Reiter sitzt losgelassen und ausbalanciert auf dem Pferd und stört dabei nicht die Bewegungen des Pferdes.

In diesem Artikel möchte ich dir erklären, was den richtigen Sitz beim Reiten wirklich ausmacht, warum dein Gleichgewicht dabei eine zentrale Rolle spielt und weshalb Kraft allein dich nicht weiterbringt.

Was bedeutet „der richtige Sitz beim Reiten“ überhaupt?

Der richtige Sitz beim Reiten beschreibt die Art und Weise, wie du im Sattel sitzt, dich ausbalancierst und mit der Bewegung deines Pferdes mitgehst. Ziel ist es, das Pferd nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, sondern es in seiner natürlichen Bewegung zu unterstützen.

Ein guter Reitersitz ist dabei kein starres Konstrukt. Er ist:

  • ausbalanciert
  • losgelassen
  • beweglich
  • an den Körper des Reiters angepasst

In der klassischen Reitlehre ist der Sitz die Grundlage für jede Form der Hilfengebung. Denn nur aus einem stabilen und gleichzeitig beweglichen Sitz heraus kannst du feine und verständliche Reiterhilfen geben. Demnach ist der richtige Sitz die Voraussetzung für feine Hilfen, ein losgelassenes Pferd und ein harmonisches Reiten.

Warum ist Gleichgewicht beim Reiten wichtiger als Kraft?

Oder mit anderen Worten: Warum ist Reiten kein Kraftsport? Viele Reiter versuchen, Sitzprobleme mit Muskelkraft zu kompensieren. Sie drücken die Beine an, halten sich mit der Hand fest oder spannen den Oberkörper an. Kurzfristig fühlt sich das vielleicht stabil an, aber langfristig führt es zu genau den Problemen, die du vielleicht auch kennst. Dein Sitz wird unruhig, die Anlehnung geht verloren und dein Pferd zeigt Taktstörungen.

Gleichgewicht bedeutet, dass du deinen Körperschwerpunkt so über dem Pferd hältst, dass du:

  • dich nicht festhalten musst
  • nicht klammerst
  • nicht gegen die Bewegung deines Pferdes arbeitest

Ein ausbalancierter Sitz sorgt dafür, dass dein Pferd dich gut tragen kann, ohne sich verspannen zu müssen. Genau hier zeigt sich, warum der richtige Sitz beim Reiten so eng mit dem Gleichgewicht verbunden ist.

Wenn ich Reiter bei mir im Unterricht habe, die nicht ausbalanciert sitzen und sich mit den Beinen festklammern, dann spreche ich immer von der Wäscheklammer. Denn so fühlt es sich für dein Pferd an, wenn du dich mit deinen Beinen festhältst. Das ist schlicht und ergreifend unangenehm für dein Pferd.

Wie beeinflusst dein Sitz das Pferd?

Ein Pferd ist nicht dafür gedacht, uns Reiter durch die Gegend zu tragen. Den Rücken des Pferdes kannst du dir wie eine Hängebrücke vorstellen. Damit die Pferde uns trotzdem tragen können, müssen wir dafür sorgen, dass sie tragfähig sind und wir diesen Zustand auch erhalten können. Jeder Spannungszustand deines Körpers überträgt sich direkt auf den Pferderücken.

Ein unausbalancierter Reitersitz kann dazu führen, dass:

  • der Rücken deines Pferdes nicht mehr schwingt
  • dein Pferd taktunrein wird
  • die Losgelassenheit verloren geht
  • die Anlehnung instabil wird

Umgekehrt gilt aber auch: Ein guter Sitz und eine positive Körperspannung wirken sich positiv auf das gesamte Pferd aus.

Ein losgelassener und ausbalancierter Reiter ermöglicht:

  • einen schwingenden Rücken
  • eine natürliche Vorwärtsbewegung
  • eine feine Reaktion auf die Hilfen

Unter meinen Lehrpferden habe ich ein Pferd, welches den Reiter sehr stark spiegelt. Sitzt hier ein Reiter drauf, der sich festklemmt, das Atmen vergisst und angespannt ist, dann bewegt er sich zwar, aber von einem vernünftigen Mittelschritt kann man nicht sprechen. Wird er von fortgeschrittenen Reitern geritten, die ihr Gleichgewicht schon ganz gut gefunden haben, dann sieht das Bild ganz anders aus.

richtiger Sitz beim Reiten

Was macht einen guten Reitersitz aus?

Auch wenn jeder Körper individuell ist, gibt es grundlegende Merkmale, die einen guten Reitersitz beschreiben. Diese sogenannten Sitzgrundlagen sind unabhängig von der Reitweise.

Ein guter Sitz zeichnet sich dadurch aus, dass:

  • der Oberkörper aufrecht, aber nicht steif ist
  • das Becken beweglich bleibt
  • die Beine locker am Pferd anliegen
  • die Absätze den tiefsten Punkt bilden
  • Arme und Hände ruhig und unabhängig vom Sitz sind

Wichtig dabei ist, dass dein Sitz dynamisch ist. Er passt sich der Bewegung deines Pferdes an und bleibt nicht starr in einer Position.

richtiger Sitz beim Reiten

richtiger Sitz beim Reiten

richtiger Sitz beim Reiten

Praxistipp:
Versuche dir immer wieder vorzustellen, wie es aussehen muss. Hast du beispielsweise Probleme, deinen Absatz untenzuhalten, dann drücke nicht deinen Absatz krampfhaft nach unten, denn dann verspannst du. Stell dir lieber vor, an deinen Beinen hängen Gewichte, die dich nach unten ziehen. Oder, wenn du dazu neigst, beim Reiten gerne die Luft anzuhalten, dann stell dir mal vor, was du denken würdest, wenn dein Pferd plötzlich die Luft anhält. Das wäre nicht so gut, oder?

Welche Rolle spielt die Losgelassenheit des Reiters?

Die Losgelassenheit ist nicht nur ein Punkt in der Skala der Ausbildung des Pferdes, sondern auch ein entscheidender Faktor für den Reiter. Ein verspannter Reiter kann keinen guten Sitz entwickeln, und das ist tatsächlich unabhängig davon, wie viel Reiterfahrung vorhanden ist.

Ich kenne Reiter mit jahrelanger Erfahrung, und trotzdem gibt es Tage, an denen eine gewisse Grundspannung mit im Sattel sitzt. Wenn ich dann frage, wie der Tag so war, dann höre ich oft die Antwort: Oh, viel Stress auf der Arbeit. Oder das Kind macht mir Sorgen. Oder ich habe nicht gut geschlafen. Es gibt dutzende Gründe, die dafür sorgen, dass wir nicht locker und entspannt im Sattel sitzen können. Wenn die mentale Anspannung zu groß ist, dann ist das auch ein Moment, wo es manchmal besser ist, den Sattel zu verlassen und etwas anderes mit dem Pferd zu machen.

Losgelassenheit beim Reiter bedeutet:

  • eine ruhige, gleichmäßige Atmung
  • kein Festhalten mit Beinen oder Händen
  • Mitgehen in der Bewegung
  • mentale Ruhe

Wie hängen Sitz, Gleichgewicht und Hilfengebung zusammen?

Der richtige Sitz beim Reiten ist die Basis für eine korrekte Hilfengebung. Sitz- und Hilfengebung lassen sich niemals voneinander trennen.

Ich will dir ein konkretes Beispiel nennen: Wenn du angaloppieren möchtest, dann brauchst du einen ausbalancierten Sitz, um daraus die nötige Gewichts- und Schenkelhilfe zu entwickeln. Du stellst dein Pferd nach innen und dann, im Moment des Anspringens in den Galopp, folgt eine nachgebende Zügelhilfe. Sitzt du noch nicht im Gleichgewicht und kannst der Bewegung deines Pferdes noch nicht folgen, dann wirst du dich hier für einen Moment am Zügel festhalten. Für dein Pferd ist das aber so ein bisschen wie Gas geben und bremsen gleichzeitig, und das funktioniert nicht.

An dem Beispiel siehst du deutlich, dass ohne Gleichgewicht deine Hilfen zu stark, zu spät oder zu unklar werden. Dein Pferd kann dich schlicht und ergreifend nicht verstehen.

Auf den Punkt gebracht: Deine Hilfengebung wird unpräzise, wenn dein Sitz nicht ausbalanciert ist. Erst ein ausbalancierter Reitersitz ermöglicht dir eine feine Hilfengebung.

richtiger Sitz beim Reiten

Typische Sitzfehler und warum sie so häufig sind

Hand aufs Herz: Mit irgendwelchen Sitzfehlern kämpfen wir alle. Und keiner von uns macht das absichtlich, sondern meist entstehen sie, weil wir irgendetwas kompensieren wollen.

Häufige Sitzfehler sind:

  • hochgezogene Absätze
  • festgeklemmte Knie
  • Hohlkreuz oder Rundrücken
  • festgehaltene Hände

Diese Sitzfehler sind oft ein Zeichen dafür, dass das Gleichgewicht fehlt oder der Reiter versucht, Unsicherheit auszugleichen. Umso wichtiger ist es, daran zu arbeiten und sich vor allem auch immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen. Du solltest es außerdem in Erwägung ziehen, mit spezifischen Übungen ohne Pferd an deinem Gleichgewicht und deiner Koordination zu arbeiten.

Praxistipp:
Im Alltag haben wir alle wenig Zeit, um noch ein zusätzliches Sportprogramm zu absolvieren. Aber das musst du auch gar nicht. Viele Übungen kannst du in deinen Alltag integrieren, beispielsweise meinen Klassiker: Zähneputzen und dabei auf einem Bein stehen. Oder: Wenn du dein Pferd putzt, mach das einfach mal auf einem Bein.

richtiger Sitz beim Reiten

Typische Sitzfehler: Abgelegte Hände und hochgezogene Absätze

Wie kannst du dein Gleichgewicht langfristig verbessern?

Wie eben schon angeklungen, dein Gleichgewicht kannst du trainieren, und zwar nicht nur auf dem Pferd, sondern auch im Alltag. Je besser dein Körpergefühl wird, desto leichter fällt dir der richtige Sitz beim Reiten.

Dabei geht es nicht um Leistung, sondern um Wahrnehmung:

  • Wo ist mein Schwerpunkt?
  • Wann halte ich unbewusst fest?
  • Wann werde ich steif?

Hier noch ein paar weitere Ideen für dich:

  • Stell dich gerade hin, strecke das rechte Bein waagerecht nach hinten, den Oberkörper und den linken Arm nach vorne, kurz halten und dann das andere Bein
  • Stell dich gerade hin, strecke das rechte Bein waagerecht zur Seite, Arme ebenfalls zur Seite, Oberkörper bleibt gerade, wechsle nun die Position deiner Arme, mal ein Arm nach oben, oder nach unten, so dass die Übung etwas dynamischer wird, dann anderes Bein
  • Stell dich auf einem Bein auf ein Kissen, halte das einige Zeit und balanciere dich aus, dann anderes Bein

Warum der richtige Sitz ein Prozess und kein Ziel ist

Der richtige Sitz beim Reiten ist nichts, was man einmal erlernt hat und dann abhakt. Er verändert sich

  • mit jedem Pferd, das du reitest
  • mit dem eigenen Körper, der sich im Laufe der Jahre ebenfalls verändert
  • mit dem Ausbildungsstand von dir und deinem Pferd

Insbesondere für Reitanfänger gilt: Du brauchst Geduld, um den richtigen und ausbalancierten Reitersitz zu erlernen. Das dauert so lange, wie es eben dauert, und keiner sollte dich dabei unter Druck setzen.

Gutes Reiten bedeutet, immer wieder in sich hineinzuspüren, nachzujustieren und sich weiterzuentwickeln.

Praxistipp:
Wenn du die Möglichkeit hast, mal ein anderes Pferd zu reiten, dann nutze sie. Für deinen eigenen Sitz hat das nur Vorteile und du wirst davon profitieren, weil du hier eben genau das machst: spüren, justieren, entwickeln.

Fazit: Der richtige Sitz ist die Grundlage für gutes Reiten

Der richtige Sitz beim Reiten hat weniger mit Kraft zu tun, als viele glauben. Es geht um Gleichgewicht, Losgelassenheit und darum, das Pferd in seiner natürlichen Bewegung zu unterstützen. Wenn du bereit bist, an deinem eigenen Körpergefühl zu arbeiten, schaffst du die Grundlagen für einen guten Reitersitz, eine feine Hilfengebung, ein zufriedenes Pferd und langfristig gutes Reiten.

richtiger Sitz beim Reiten

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie:
1. Reiten lernen als Erwachsener – der entspannte Einstieg in den Sattel
2. Sicherer Umgang mit Pferden – so wirst du zum Pferdemensch
3. Angstfrei reiten: So gewinnst du Vertrauen zu dir und deinem Pferd
4. Reitlehre einfach erklärt – die wichtigsten Grundlagen für Freizeitreiter
5. Der richtige Sitz beim Reiten und die Hintergründe einfach erklärt
6. Hilfengebung verstehen – mit dem Pferd sprechen lernen (folgt)
7. Schritt, Trab, Galopp – die Gangarten im Überblick (folgt)
8. Pferdefreundlich reiten – geht das überhaupt als Anfänger? (folgt)
9. Mit Struktur zum Ziel – der rote Faden in der Reitausbildung (folgt)
10. Beziehung statt Dominanz – wie echte Verbindung entsteht (folgt)


Titelbild: Juliane Thamm

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Über den Autor

Über den Autor

Claudia ist die Gründerin von DAS Reitlernsystem, Trainerin (FN zertifiziert), Managerin im Pferdesport (IST) und Biologin (Diplom). Seit 2020 leitet sie den Aktivlernstall Pferdeglück in Schwerin. Faires Reiten, ein guter Sitz, eine korrekte Hilfengebung und ganz viel Abwechslung stehen in ihren Reitstunden im Mittelpunkt. Ihre Philosophie der systematischen und abwechslungsreichen Reitausbildung findet sich in DAS Reitlernsystem wieder – offline und online!

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